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Noch mal viel umgesetzt: Die Alpenregion Tegernsee Schliersee hat 2016 unter anderem die Beschilderung der Wanderwege einheitlich verbessert. Künftig ist das die Sache der Kommunen.

Jetzt müssen halt die Kommunen ran

Wie unsere Touristiker mit einer halben Million weniger klarkommen

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In diesem Jahr fällt die finanzielle Ausstattung durch den Landkreis für die ATS erstmals um satte 425.000 Euro niedriger aus. Der Vorjahresbericht zeigt, wie viel da wegfällt...

Landkreis – Man hat noch einmal ausgereizt, was geht. Das machte die Präsentation des Jahresberichts im Wirtschaftsausschuss des Landkreises deutlich. Harald Gmeiner, Vorstand des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), nutzte die Gelegenheit, um die vielfältigen Aktionen und Maßnahmen aufzuzählen, mit denen die ATS den Tourismus im Landkreis unterstützen und voranbringen wollte. Denn einiges davon gibt es seit Jahresbeginn nicht mehr.

Vor allem das weite Feld, die Vorzüge des Landkreises als Erholungsregion gezielt zu bewerben, wird künftig nur noch minimal beackert. Um möglichst viele potenzielle Gäste zu erreichen, wurden 2016 Imagebroschüren erstellt sowie Erlebniskarten zu den Themen Wandern und Rad aufgelegt. Bezahlte redaktionelle Beiträge – sogenannte Advertorials – und Anzeigen in einschlägigen Medientiteln und Messen gehörten ebenso dazu wie die Präsenz im Internet und den Sozialen Medien. Dafür wurde zudem professionelles Foto- und Filmmaterial angeschafft.

Auch das touristische Produkt hat die ATS weiterentwickelt. So wurden 92 Orientierungstafeln an den Wanderwegen im Landkreis angebracht, und auch das Radwegenetz soll überplant und beschildert werden. Im Wintersegment und beim Ausbau der technischen Möglichkeiten des Buchungssystems habe man ebenfalls viel unternommen, betonte Gmeiner.

Mit Blick auf die Zukunft wird sich jedoch einiges ändern müssen, kündigte der ATS-Vorstand den Kreisräten an: „Wir werden mehr Fokus darauf legen, Koordinationsstelle und spezieller Dienstleister für Unternehmen und Kommunen zu sein.“ Ziel müsse eine enge Kooperation zwischen ATS und Kommunen bei Marketing, Technologie und Produktentwicklung sein. Das bedeutet: Vieles von dem, was vorher die ATS allein übernommen hat, müssen nun die Kommunen leisten – in eigener Verantwortung, auch finanziell. Das gilt für Beschilderungen ebenso wie für Foto- und Filmproduktionen, wie Gmeiner im Gespräch mit unserer Zeitung konkretisiert.

Bekanntermaßen hat der Landkreis seinen Finanzierungsanteil zum 1. Januar 2017 auf 425.000 Euro halbiert. Die ATS ist also gefordert, neue Einnahmen zu erschließen und Ausgaben zu verringern.

Das Segment der Dienstleitungen für Beteiligte der Tourismusbranche, mit dem die ATS ihr Budget für weitergehendes touristisches Marketing aufbauen will, entwickle sich gut, sagt Gmeiner. Man habe viel angepackt und einiges an Umsatz generiert. „Aktuell haben wir ein Auftragsvolumen von 90.000 Euro.“ Das Ziel liege bei 150 000 Euro.

Das finanzielle Ergebnis für das Jahr 2016 war laut Gmeiner für die ATS eine Punktlandung. Der Jahresüberschuss betrug 977,13 Euro und ist damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. 2015 waren es noch 567,70 Euro.

Nicht gespart werden soll dagegen im kommenden Jahr an der Teilnahme an der Grünen Woche in Berlin. Die Genuss- und Nahrungsmittel-Messe steht 2018 für den Landkreis ganz oben auf der Liste – eine Priorisierung, die Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer (FW) nach der verhaltenen Bereitschaft in diesem Jahr nicht so ganz nachvollziehen konnte. Wie berichtet, hatte die Genussregion Irschenberg GmbH, an der Schönauer als Gesellschafter beteiligt ist, einen Messestand mit 16 Quadratmetern in der Bayernhalle bekommen. Um diesen zu füllen, wurden Partnerschaften mit weiteren Produzenten aus dem Landkreis geschlossen.

Anastasia Stadler (CSU) begrüßte die Teilnahmebereitschaft. „Wir sollten an einem Strang ziehen“, sagte sie mit Blick auf ATS, Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) und Genussregion Irschenberg. Allein könne die ATS die „rund 60.000 Euro“ Kosten nicht stemmen. „Das geht nur zusammen.“

Schönauer reagierte weniger euphorisch. „2016 haben wir zu hören bekommen, so ein Stand rentiere sich nicht. Niemand hat uns unterstützt.“ 2018 werde die Genussregion, die heuer bereits ihre Zusage gegeben hat, wieder dabei sein. Ob zusammen mit dem Landkreis, ließ Schönauer offen. „Der Weg, an der Grünen Woche teilzunehmen, ist richtig, aber man ist spät dran“, gab er zu bedenken. Der Anmeldezeitraum geht von Mitte Juni bis Mitte Juli.

Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) forderte ebenfalls eine breite Unterstützung bei der Grünen Woche: „Es kann nicht sein, dass die gesamten Kosten an ATS und Landkreis hängen bleiben.“ Ziel müsse es sein, die Region insgesamt darzustellen. Mit dem Jahresbericht der ATS war Rzehak zufrieden: „Das zeigt: Wenn man weniger Geld hat, wird man kreativer.“

ddy

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