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Harald Gmeiner, Vorstand der ATS.

Interview: Nach gekürzten Mitteln

ATS-Vorstand warnt: „Wir geraten zwangsläufig ins Hintertreffen“

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Für die ATS wird 2017 ein entscheidendes Jahr. Erstmals greift der Beschluss des Kreistags, die finanzielle Ausstattung zu halbieren. Wir fragen ATS-Vorstand Harald Gmeiner, wie das gehen soll.

Herr Gmeiner, wie läuft es mit der Eigenvermarktung der ATS als Dienstleister? Zufrieden?

Gmeiner: Ja, Eigentlich schon. Unsere Gremien würden zwar gerne noch mehr Aktivität sehen – was verständlich ist –, aber es ist ein Prozess und fordert auch ein Umdenken bei allen Beteiligten im Tourismus.

Warum?

Gmeiner: Der Wechsel hin zum Kompetenzzentrum ist schwierig zu kommunizieren. Die neue Ausrichtung ist noch nicht bei allen unseren Partnern angekommen. Das dauert. Viele Leistungsträger wissen beispielsweise nicht, welche Aufgaben wir haben und welche Dienstleistungen wir bieten können. Das gilt auch teilweise für politische Entscheidungsträger. Nicht jedes Gemeinderatsmitglied weiß im Detail darüber Bescheid. Aber mit der Organisation bin ich zufrieden. Unser gesetztes Umsatzziel ist erreichbar.

Die ATS bekommt bekommt 425 000 Euro weniger an finanzieller Ausstattung vom Landkreis. Wie sollen da 150.000 Euro Umsatz reichen?

Gmeiner: Unser Finanzierungskonzept basiert auf drei Säulen: Mit dem Landkreis-Anteil werden Bürokosten, die Hälfte der Personalkosten, die landkreisweiten technologischen Systeme und Datenbanken sowie die allgemeine Tourismusförderung finanziert. Mit der Marketingumlage in Höhe von 125.000 Euro, die von den Gemeinden kommt, betreiben wir ein landkreisweites Basis-Marketing. Das Budget im dritten Topf ist offen und abhängig von den Projekten, die bei uns von Leistungsträgern und Gemeinden beauftragt werden. In diesem Bereich haben wir das Umsatzziel von 150.000 Euro.

Wie wirkt sich das aus im Vergleich zu den Leistungen der letzten Jahren?

Gmeiner: Wir machen weiterhin Messen. Auch die landkreisübergreifenden Marketing-Kooperationen laufen weiter. Ebenso koordinieren wir weiter die Themen Rad, Wandern und Winter. Aber neue kostenintensive Marketingmaßnahmen – zum Beispiel bezahlte Medienbeiträge, die Produktion von Fotos, Videos und Imagefilmen für Online oder auch die Beschilderung der Wanderwege – können wir künftig ohne Beteiligung der Leistungsträger nicht mehr leisten.

Rückbau statt Fusion im Tourismus: Wie geht es Ihnen damit?

Gmeiner: Rückbau würde ich nicht sagen. Es ist eben eine spezielle Entwicklung in dem Landkreis, mit der wir umgehen müssen. Wir bekommen aber auch mit, dass dieser Weg nicht der richtige ist. In den Regionen, die Zusammenschlüsse geschafft haben, läuft es sehr erfolgreich.

Inwiefern?

Gmeiner: Die Herausforderungen im Tourismus steigen stetig, insbesondere auch durch die Digitalisierung. Da können nur noch größere Einheiten den Fortschritt gestalten. Uns fehlt hierzu die finanzielle Ausstattung für den Anschub für neue Systeme – beispielsweise im Bereich der künstlichen Intelligenz. Die Unterschiede zeigt ein Blick ins Montafon in Vorarlberg. Dort wurde der Zusammenschluss geschafft. Wir haben 2,6 Millionen Übernachtungen pro Jahr, die 2,1 Millionen. Die haben aber ein Budget von 4,5 Millionen Euro. Damit geht natürlich mehr. Gerade im Bereich des Marketings und der Content-Produktion, beispielsweise bei den Videos, die die Region zeigen. Will man einen guten Kurzfilm für Youtube machen – und nur Gutes bringt etwas –, muss man einfach mit 15.000 Euro rechnen. Wir geraten zwangsläufig ins Hintertreffen.

Stichwort Grüne Woche: Warum steht die Messe in Berlin 2018 dick im Kalender des Landkreises, während heuer wenig Interesse gezeigt wurde?

Gmeiner: Die Grüne Woche ist zwar keine Tourismusmesse. Aber in Kooperation mit unseren Herstellern kann ein guter touristischer Effekt entstehen. Die Messe verzeichnet über 400.000 Besucher. In den vergangenen Jahren waren wir dort mit den Wertproduzenten. In diesem Jahr konnten wir unsere Produzenten nicht bündeln, sodass wir uns gemeinsam mit den Gemeinden und der Naturkäserei am Stand des Münchner Oberland unter der Koordination von Fischbachau beteiligt haben. Für 2018 ist der Wunsch vieler Seiten, dass wir als Alpenregion Tegernsee Schliersee mit einem repräsentativen und großen Stand auf der Grünen Woche vertreten sind. Wenn schon Grüne Woche, dann alle unter einem Dach mit der ATS. Mit dem Ministerium haben wir bereits gesprochen: Die Zusage liegt uns vor.

Wie teuer wird das?

Gmeiner: Derzeit ist das schwer zu sagen. Als Hausnummer würde ich mal 30.000 Euro nennen. Seitens des Landkreises ist eine gemeinsame Teilnahme politisch gewünscht. Jetzt müssen wir noch die Produzenten begeistern.

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