„Ich wollte doch nur reden“

Prügel-Attacke folgt auf Droh-SMS an Freundin: Zwei Haushamer drehen durch

„Du Hurensohn“: mehrfach wurde ein Haushamer von einem Bekannten stark beleidigt - und bekam dessen Faust zu spüren. Was dem 20-jährigen Elektriker jetzt blüht und warum er so reagierte.

Hausham – Im vergangenen Januar hatte der Elektriker (20) das Grundstück eines entfernten Bekannten aufgesucht. Ein 19-jährige Kfz-Mechatroniker, der dort wohnt, hatte offenbar eine Freundin des Angeklagten über den Nachrichtendienst Whats App bedroht. Als er am Abend vom Einkaufen nach Hause kam, wartete der Angeklagte bereits vor der Garage, um den 19-Jährigen zur Rede zu stellen.

„Er riss die Autotüre auf und schlug mir mit der Faust ins Gesicht. Dann hat er mich am Hals gepackt und auf den Beifahrersitz gedrückt“, berichtete der Geschädigte. „Währenddessen hat er mich die ganze Zeit schwer beschimpft.“Seitdem sperre er sein Auto immer zweimal zu und habe Angst, wenn erim Dunklen aus dem Haus gehe.

Der Angeklagte bestritt einen körperlichen Übergriff. Er habe den 19-jährigen lediglich am Unterarm gepackt, weil dieser ausweichen wollte. Als dann der Vater des Mechatronikers mit einer Schaufel aus dem Haus gestürmt sei, sei er in das bereitstehende Auto geflüchtet und mit seiner Freundin gefahren. Von der Schaufel wussten aber weder Vater noch Sohn – und weitere Augenzeugen gab es nicht.

Unmittelbar nach dem Vorfall rief der 19-Jährige die Polizei und erstattete Anzeige. Als ein Beamter vor Ort eintraf, stellte er fest, dass die linke Backe leicht geschwollen war, was allerdings laut des Verteidigers auch von einem Ausweichmanöver im Auto stammen könnte. Letztendlich ließ sich dieser Sachverhalt nicht aufklären, da niemand die Auseinandersetzung beobachtet hatte und beide Männer an ihrer Aussage festhielten.

Allgemein gingen die Aussagen der Parteien weit auseinander. Der Geschädigte wiederholte mehrmals: „Wir wissen alle, wer hier gelogen hat.“ Der Staatsanwältin fehlte die Logik beim Tathergang. „Wenn ich einfach nur mit jemandem reden will, dann reiße ich nicht die Autotüre so plötzlich auf und zeige mich derart aggressiv.“ Auch die Schaufel-Geschichte hielt sie für erfunden: „Für mich ist das eine Schutzbehauptung.“

Da der Angeklagte zum Zeitpunkt des Geschehens erst 19 Jahre alt und von seiner alleinerziehenden Mutter finanziell und emotional anhängig war, sprach sich die Staatsanwältin für die Anwendung des Jugendschutzgesetzes aus. Das war auch im Sinne der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, des Verteidigers – der zuerst auf Freispruch plädiert hatte – und von Richter Klaus-Jürgen Schmid.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung verhängte Schmid einen einmaligen Freizeitarrest. „Hätten Sie die Tat gleich eingeräumt und uns damit zwei aufwendige Verfahren erspart, wären Sozialstunden ausreichend gewesen,“ sagte Schmid. „Ich hoffe, Sie lernen daraus, dass Selbstjustiz keine zulässige Form der Vergeltung ist.“

ls

Rubriklistenbild: © KN

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