Ab heute werden die FFP2-Masken, wie sie Apotheker Fritz Grasberger aus Miesbach zeigt, bundesweit gratis an Senioren und Risikopatienten verteilt. Foto: TP
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Ab heute werden die FFP2-Masken, wie sie Apotheker Fritz Grasberger aus Miesbach zeigt, bundesweit gratis an Senioren und Risikopatienten verteilt.

Ab heute FFP2-Masken gratis

Auch im Landkreis Miesbach: Gratis-Maske soll Senioren und Risikopatienten schützen

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Heute fällt der Startschuss. In ganz Deutschland verteilen die Apotheken gratis je drei FFP2-Masken an Risikopatienten und Senioren, die älter als 60 Jahre alt sind. Eine logistische Herausforderung, die die Apotheken allein stemmen mussten. Es wird nicht einfach.

Miesbach – Bei Corona geht es manchmal irre schnell. Und ohne Kreativität geht es nicht. „Am Mittwoch vergangener Woche gab es erste Stimmen, dass die Apotheken die Vergabe von FFP2-Masken organisieren sollen“, erinnert sich Fritz Grasberger, Inhaber der Alten Stadtapotheke in Miesbach. „Und am Donnerstag war es dann konkret. Wir wurden davon richtig überrascht.“

Die Folge davon war ein großer Beschaffungsaufwand. Denn die Apotheken werden nicht etwa vom Bundesgesundheitsministerium beliefert, sondern müssen sich ihr Kontingent selbst auf dem freien Markt beschaffen – und das auf eigene Kosten. Abgerechnet werden soll über Pauschalen aus dem sogenannten Nacht- und Notdienst-Fonds – basierend auf einem Rezept-Schlüssel aus dem dritten Quartal.

Das Beschaffen der Masken ist für viele Apotheker gewissermaßen ein Glücksspiel, sagt Wolfram Keller aus Schaftlach, der Sprecher der etwa 30 Apotheken im Landkreis. Er selber habe vor drei Wochen Masken bestellt, bis heute aber keine Rückmeldung vom Lieferanten bekommen. „Man hängt da ziemlich in der Luft.“

Genug Masken für alle

Grasberger bestätigt, dass es zu Beginn der Aktion schwierig werden könnte. Er selbst habe gestern noch bei einem Kollegen in München Nachschub geholt, der noch ein volles Lager hat. Denn geht Grasberger, der Vorstandsmitglied beim Bayerischen Apothekerverband ist, davon aus, dass die Masken für alle reichen werden. „Die Ausgabe läuft bei uns bis zum 31. Dezember. Daher ist es sinnvoll, wenn nicht alle Berechtigten gleich zu Beginn losstürmen.“

Um eine geordnete Vergabe zu gewährleisten, plant der Miesbacher Apotheker, einen Stand neben seiner Apotheke, auf dem Platz vor dem Haus der Gesundheit. Das soll helfen, die Abläufe möglichst reibungslos zu gestalten. „Draußen haben wir Platz zum Entzerren und sind an der frischen Luft.“ Zudem müssten die übrigen Kunden im Laden nicht zusätzlich warten.

Abgabe auch an Vertretungsberechtigte

Um die Risikogruppe auch beim Besorgen der Masken zu schützen, ist es möglich, Angehörige und andere Personen mit einer Vollmacht ausstatten, um die Masken abzuholen. Einen möglichen Missbrauch verhindert dies aber ebenso wenig wie eine „Eigenerklärung“ auf einem „Formblatt der Apotheke“. Denn theoretisch ist es möglich, unter Vorzeigen des Personalausweises oder Führerscheins das Alter zu belegen – und diese Prozedur bei weiteren Apotheken zu wiederholen. Grasberger will darauf verzichten – er setzt auf die Ehrlichkeit der Leute. „Wenn jeder nur das nimmt, was ihm zusteht, reicht es für alle.“

So kann man die Maske mehrfach verwenden

Grasberger rät den Risikopatienten und Senioren auch dazu, die FFP2-Maske zu benutzen. „Sie zeichnet sich durch eine deutlich höhere Filterleistung aus“, erklärt er. Und sie sei – anders als im Klinikbetrieb – nicht nur für den einmaligen Gebrauch gedacht. „Man kann die Maske tragen, bis sie durchfeuchtet ist und dann zu Hause aufhängen und trocknen.“ Auch 30 Minuten bei 70 Grad Celsius im Backofen helfe, Keime abzutöten.

Trotz des großen Aufwands sei die Gratis-Masken-Aktion eine gute Sache, findet Grasberger. Auch freut er sich, dass sich die Apotheken mit ihren bewährten Strukturen vor Ort einbringen können, um zu zeigen, wie wichtig die Apotheke vor Ort ist. Denn auch die hat mit der Online-Konkurrenz zu kämpfen.

(ddy)

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