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Miesbacherin berichtet von Mosaic-Expedition im Polarmeer

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Von: Dieter Dorby

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Ein Eisbär inspiziert die Ausrüstung der Forscher auf dem Eis.
Ein Eisbär inspiziert die Ausrüstung der Forscher auf dem Eis. © ALFRED-WEGENER-INSTITUT/HEUCK

Während die Menschen im heimischen Miesbach die Sommertemperaturen genießen, weht Laura Schmidt der kalte Wind der Arktis um die Nase. Wie berichtet, nimmt die 33-Jährige an der Mosaic-Expedition im Nordpolarmeer teil und erlebt dort einen Sommer der anderen Art.

Neun Wochen ist es mittlerweile her, dass sie Bremerhaven in Richtung Nordpol verlassen hat. Nach einer Woche erreichten die beiden Schiffe, die für den deutschen Forschungseisbrecher „Polarstern“ Nachschub an Lebensmitteln und Material sowie neue Forscher, Mitarbeiter und Mannschaftsmitglieder transportierten, Spitzbergen/Norwegen. Dort fand der Teilnehmer-Austausch mit dem deutschen Forschungseisbrecher „Polarstern“ statt.

Bekanntschaft mit einem der größten Landraubtiere der Welt

Schmidt fungiert bei dem internationalen Forschungsprojekt, an dem 20 Nationen teilnehmen und das die Auswirkungen des Klimawandels untersuchen will, als Eisbärenwächterin. Drei Stunden steht sie pro Schicht auf dem Eis und passt auf, dass die Forscher und Wissenschaftler keine unliebsame Bekanntschaft mit einem der größten Landraubtiere der Welt machen.

Und Kontakt gab es schon. „Gleich zu Beginn hatten wir tatsächlich vom Schiff aus eine Eisbärenbegegnung – Mutter mit Kind“, berichtet die Geografin und Glaziologin. „Gott sei Dank war das am Abend, und alle Leute waren auf dem Schiff.“ 

Ansonsten sind die Tage klar strukturiert. Besprechungen, Sport und strikte Essenszeiten: Frühstück 7.30 bis 8.30 Uhr, Mittagessen 11.30 bis 12.30 Uhr und Abendessen von 17.30 bis 18.30 Uhr. Dazu Kuchen um halb vier nachmittags. „Noch gibt es frisches Gemüse, aber Salat ist schon weg, und die Äpfel werden auch weniger.“

Folge des Klimawandels? Immer mehr einjähriges Eis

Zudem gibt es Parallelen zu heimischen Breitengraden: Auch in der Arktis ist derzeit Sommer, und die Sonne lässt das Eis schmelzen. Im Polarmeer allerdings nicht die Kugel in der Waffel, sondern den Boden unter den Füßen. „Die Schmelzperiode setzt ein. Es ist nicht zu kalt, zwischen Minus zwei und Plus zwei Grad“, sagt die Miesbacherin. Allerdings fühle es sich richtig kalt an, wenn der Wind über das Eis fegt.

Für das Eis bedeutet das: Wachsen im Winter, Schmelzen im Sommer. Doch hier lasse sich eine klimatische Veränderung beobachten, berichtet Schmidt: „Es gibt immer weniger zweijähriges Eis, das zwei Jahre überstanden hat. Dafür immer mehr einjähriges Eis.“ Was das mit dem Klimawandel zu tun hat, wird auf der „Polarstern“ untersucht. „Der Kern der Mission ist die Veränderung des Klimas in der Arktis. Hier haben viele Forscher unterschiedliche Missionen – alle in ihren Bereichen, von Atmosphäre bis hin zur Biologie.“ Für diese Forschungen seien lange Messreihen notwendig.

Für die Expeditionsteilnehmer ist das Leben im Eis eine Herausforderung. „Man sieht nur weiß, und es ist immer hell. Eisrücken ohne Ende, die sich durch Wind- und Eispress bilden.“ Hinzu kommt: Während des Polartags von Mitte März bis Mitte September sind auch die Nächte hell.

Mittlerweile driftet die „Polarstern“ nach Westen in Richtung Grönland. „Unsere Heimatscholle ist nun voll sogenannter Meltponds“, berichtet Schmidt. Das sind Schmelzwassertümpel, die sich zunehmend bilden und den Untergrund zunehmend instabil machen. „Ich frage mich, wann unsere Scholle zerbricht.“ Dann wird die Forschungsarbeit noch mal eine Spur anspruchsvoller.

ddy

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