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Im Dauereinsatz war Miesbachs Bauhof im vergangenen Winter. Vor allem das Schneeräumen auf den Parkplätzen wie hier am Habererplatz wurde kritisiert.

„Wir haben uns umfassend verbessert“

Aus dem K-Fall gelernt: Bauhof Miesbach hat einiges beim Winterdienst geändert 

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Unter Druck offenbaren sich Defizite. So gesehen hat sich der vergangene Winter, der sich zum Katastrophenfall ausgewachsen hatte, für die Winterdienste im Landkreis als Härtetest erwiesen.

In Miesbach hat man die Sommermonate genutzt, um die Arbeit gegen Schnee und Eis auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern. Was für den anstehenden Winter geändert wurde und welche Hürden dabei beachtet werden müssen, ließen wir uns von Bauhofleiter Jürgen Fischer erklären.

Herr Fischer, Stadt und Bauhof haben die Erkenntnisse aus dem vergangenen Winter in den vergangenen Monaten analysiert und bewertet. Zu welchen Ergebnissen ist man gekommen?

Vor allem ist uns aufgefallen, dass wir fast immer zu 100 Prozent ausgeplant waren. Damit blieb nur sehr wenig Puffer bei Fahrzeugen und Personal, um besser reagieren zu können. Hier haben wir umgeplant und auch die Rahmenbedingungen besser berücksichtigt, die wir beachten müssen. Dazu gehören ausreichend Ruhezeiten, Lenkzeiten von maximal zehn Stunden, das Ausgleichen von Überzeit innerhalb von drei Wochen und die elfstündige Pause zwischen den Arbeitstagen. Wir haben unsere Planung umfassend verbessert.

Viele Gespräche geführt

Ein komplexes Thema.

Ja, wir haben im Sommer viele Gespräche geführt. Wir haben im Team Routen besprochen, die Einsatzgebiete besser eingeteilt, Straßenbreiten berücksichtigt, aber auch die Fahrzeiten, die es braucht, um von einem Einsatzort zum nächsten zu fahren. Wir haben das alles stärker ins Visier genommen, so Schwerpunkte gesetzt und Zeitpläne erstellt. Auch die Bedürfnisse von Gewerbe, Schulen und Arztpraxen haben wir berücksichtigt.

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Wie groß ist denn die Miesbacher Winterdienst-Truppe?

Inklusive der Kleintraktoren stehen uns 16 Fahrzeuge zur Verfügung. Im Schnitt sind sechs Fahrer und drei Handstreuer im Einsatz. Hinzu kommen vier bis sechs Fahrzeuge, die unsere externen Partner – Firmen und Landwirte – mitbringen. Auch bei diesen haben wir umgestellt und auf Wechselwünsche reagiert. Auch unser externer Spähdienst ist gut besetzt.

Fahrzeugtechnisch gut ausgestattet

Der Spähdienst?

Der Spähdienst alarmiert im konkreten Fall unsere Bereitschaft. Er prüft, ob die Witterungsbedingungen so eingetreten sind, wie wir sie aufgrund der Wettervorhersagen in unseren Planungen berücksichtigt haben. Sieht der Ist-Zustand anders aus, wird entsprechend alarmiert.

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Mit der technischen Ausstattung sind Sie zufrieden?

Absolut. Fahrzeugtechnisch sind wir von der Stadt gut ausgestattet – nicht zuletzt durch unser neues GPS-System.

Wofür brauchen Sie das?

Es verbessert unseren Überblick. Die GPS-Daten zeichnen nicht nur permanent in Echtzeit die Routen auf, die die Fahrzeuge fahren, sondern auch, ob geräumt und gestreut wird. Sogar die Streumengen werden dokumentiert.

Fahrwege optimiert

Wozu braucht man so genaue Daten?

In erster Linie dient das der Wirtschaftlichkeit. Es gibt so weniger Überschneidungsfahrten, und die eingesetzten Mengen beim Streuen werden den tatsächlichen Verhältnissen angepasst und so optimiert. Wir haben eine bessere Analyse auf Grundlage von Fakten und weniger nach Bauchgefühl. Und auch bei Anfragen von Bürgern können wir so detailliert Auskunft geben. Generell muss man feststellen: Die Anforderungen an unsere Nachweise werden immer strenger. Der handgeschriebene Zettel hat ausgedient. Es gibt so mehr Transparenz, und die wird auch gefordert.

Aus dem K-Fall gelernt: Bauhof Miesbach hat einiges beim Winterdienst geändert

Dann ist der Bauhof ja gut vorbereitet.

Ja, wir sind bestens vorbereitet. Es funktioniert gut. Auch wenn der Wechsel auf den Winter immer etwas schwierig ist.

Warum genau?

Weil wir unsere Fahrzeuge jetzt noch nicht komplett für den Winterdienst umbauen können. Es gibt ja in der Übergangszeit immer noch Arbeiten, für die wir die Sommerausstattung brauchen, wie zum Beispiel Mäharbeiten, Baumzuschnitt und Unkrautvernichten mit dem Verdampfer. Und der Umbau eines Fahrzeugs mit Justieren und Testen der Ausrüstung braucht im Schnitt einen Tag. Es ist immer ein Abwägen: Sollen wir noch warten? Wird es noch mal schön?

Bei einem erneuten K-Fall dürfte es aber wieder schwierig werden, oder?

Solche Schneemengen haben wir immer schon gehabt, aber noch nie war der Schnee so nass und schwer wie 2018/19. Das hat erhebliche Probleme mit sich gebracht – für Mensch und Maschine. Irgendwann läuft man hinterher, zumal man immer neu entscheiden muss. Bei der Frage, wann fahren wir den Schnee aus der Stadt raus, geht es auch um Kosten – und zwar nicht um 3000 Euro, sondern um richtig viel Geld. Aber egal, wie es läuft: Wir müssen eben immer vorbereitet sein. Diese Erkenntnis nehmen wir mit in den neuen Winter.

ddy

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