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„Undankbare Arbeit“: Mitarbeiter müssen Ausflugsticker weiter per Hand befüllen - Gelder von Aiwanger fehlen

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Von: Jonas Napiletzki

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Autos zählen will die ATS mit Sensoren entlang der B 318 zwischen Holzkirchen und Tegernsee. Das Nadelöhr ins Tal ist wie auf diesem Archivbild, das zwischen Dürnbach und Gmund entstanden ist, oft verstopft.
Autos zählen will die ATS mit Sensoren entlang der B318 zwischen Holzkirchen und Tegernsee. Das Nadelöhr ins Tal ist wie auf diesem Archivbild, das zwischen Dürnbach und Gmund entstanden ist, oft verstopft. © Thomas Plettenberg

Mit einigem Brimborium eingeführt und sogleich mit einem ADAC-Preis ausgezeichnet, hat der Ausflugsticker Oberbayern noch nicht alle Erwartungen erfüllt.

Landkreis – Für den Landkreis Miesbach befüllt das Kommunale Tourismus-Unternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) den Ticker. Und der zuständige Produktentwickler räumt ein: Die Einführung des Werkzeugs kam womöglich etwas früh.

In Feldafing (Landkreis Starnberg) gastierte kürzlich Bayerns Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger (FW) persönlich – um sich ein Bild von der Besucherlenkung zu machen (wir berichteten im Bayernteil). Er unterstrich den Stellenwert der Technologie und versprach für deren Ausbau 30 Millionen Euro Fördergeld. Die Mittel sollen in Sensortechnik fließen, und die wird im Kreis Miesbach dringend gebraucht, damit der Ticker wirklich etwas bringt.

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ATS-Entwickler: „Die Plattform ist noch nicht ganz fertig“ - Kritik an frühem Ticker-Start

Untätig ist die ATS jedoch nicht, wie Tim Coldewey erklärt. Der für die ATS tätige Produktentwickler sagt, digitale Besucherlenkung sei im Kreis Miesbach „eine wichtige und erfolgreiche, aber im Augenblick noch etwas undankbare Arbeit“. Coldewey befüllt den Ausflugsticker redaktionell.

Mit seinem Bergsportbericht, der am Wochenende erscheint, und handgetippten Informationen zu Verkehr, alternativen Ausflugszielen sowie Tipps für Auswärtige sei die Plattform durchaus beliebt. „Der Landkreis Miesbach hat aktuell die höchsten Zugriffszahlen im oberbayernweiten Ausflugsticker“, sagt Coldewey.

Aber: „Die Plattform ist noch nicht ganz fertig.“ Die Bayern Tourismus Marketing GmbH habe im März dieses Jahres den ATS-eigenen Ticker abgelöst. „Die neue Plattform bietet zwar viele Möglichkeiten, kam aus meiner Sicht aber etwas zu früh“, sagt der ATS-Mitarbeiter. Er vermutet hinter dem schnellen Start eher politische Motive – „vielleicht weil Tourismusregionen im März-Lockdown hoch frequentiert waren und schnelle Abhilfe gebraucht wurde“. Bis heute werde die Plattform sukzessive nachprogrammiert. „Eigentlich ist sie für Wetterdaten, Sensorik und automatisierte Verkehrsdaten ausgelegt.“

Doch die Technik, die das Portal mit Daten füttern soll, fehlt. Mitte Mai hatte das Bayerische Wirtschaftsministerium die „Förderung von Maßnahmen zur Erfassung, Verarbeitung und Bereitstellung von Echtzeitauslastungsdaten zur Besucherlenkung“ beschlossen.

Aiwanger verspricht 30 Millionen Euro Förderung - doch auch fünf Monate nach Ticker-Start fehlt die Technik

Coldewey erklärt: „Wir haben bereits Förderanträge gestellt.“ Etwa entlang der B318 zwischen Holzkirchen und Tegernsee will die ATS im Rahmen des Förderprojekts „Smarte Tourismus Region“ den Verkehr elektronisch zählen. So könnte der Ansturm aufs Tal gemessen werden. Doch die Gelder sind noch nicht geflossen. Coldewey: „Deshalb ist der Ticker für uns noch Handarbeit.“

Er und seine Kollegen würden Sperrungen einpflegen und Prognosen zur Verkehr- und Parksituation abgeben. Wobei die Baustellen in Hausham und Schliersee im Ticker nicht auftauchen. Die von der ATS verwendeten Prognosedaten stammen hierbei aus der Auswertung von Mobilfunkdaten, ergänzt um Wetterdaten. „Der nächste Schritt wird sein, lokalen Partnern wie Bergbahnen und Bädern Codes zur Verfügung zu stellen.“ Die Betreiber könnten dann die Auslastung („voll, mittel, leer“) per Scan an die ATS übermitteln.

„Die flächendeckende Detailgenauigkeit lässt aber freilich noch zu wünschen übrig.“ Etwas Abhilfe schafft der Coldewey, indem er Touren an weniger frequentierten Orten bewirbt. „Zum Beispiel in Holzkirchen beim Geolehrpfad ist meist noch Luft.“

Der ATS-Tipp, als Ausflügler einen Plan B vorzubereiten, werde jedoch selten angenommen. Ohne ein zweites Ziel im Kopf würden sich Besucher oft stundenlang zu ihrem Wunschort stauen. „Es ist schade, dass viele da so eindimensional denken.“ In der nächsten Zeit werde der Ausflugsticker aber sukzessive besser – „und nach Freigabe der Fördergelder hoffentlich digitaler“. Coldewey hofft auf Sensordaten ab Herbst dieses Jahres. „Das ist aber eine grobe Schätzung.“ (dak/nap)

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