Bäuerin Nina Bartl zeigt Fleischprodukte aus eigener Aufzucht, die sie auf dem Gschwandtnerhof in Festenbach bei Gmund in einem Automaten direkt vermarktet.
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Bäuerin Nina Bartl zeigt Fleischprodukte aus eigener Aufzucht, die sie auf dem Gschwandtnerhof in Festenbach bei Gmund in einem Automaten direkt vermarktet.

Einkaufen rund um die Uhr

Regionale Produkte unabhängig von Öffnungszeiten: Alle Automaten im Landkreis Miesbach mit interaktiver Karte

  • vonKatrin Hager
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Immer mehr Bauernhöfe, Läden und Lokale bieten regionale Produkte unabhängig von Öffnungszeiten: Die Automaten und Selbstbedienungsstände in Miesbach, Tegernsee und Holzkirchen im Überblick.

Landkreis – Mancherorts ist es ein Holzhütterl, andernorts ein schlichter Kühlautomat oder einfach ein Kasten mit kleiner Blechkasse daneben. Anders als im klassischen Hofladen heißt es hier: Selbst ist der Kunde. Kein Personal, kein Service – dafür regionale Produkte zu jeder Zeit: Milch zum Selberzapfen, frische Eier und Käse oder die Basis für ein spontanes Weißwurstfrühstück am Sonntag. Immer mehr Bauernhöfe, Läden und Lokale setzen auf Selbstbedienung rund um die Uhr. Wir haben uns einen Überblick über das Angebot in der Region Miesbach, Holzkirchen und Tegernsee verschafft und bei einigen Betreibern näher nachgehakt.

Lebensmittel-Automaten im Landkreis Miesbach: Regionale Produkte zur Selbstbedienung

Metzger Georg Kleeblatt jun. (r.) und Sohn Julian am Automaten der Metzgerei Kleeblatt in Oberlaindern.

Die Familie Kleeblatt betreibt gleich zwei Automaten: an der Produktion der Metzgerei in Oberlaindern und am Ladengeschäft in Holzkirchen. „Meiner kracht und scheppert – der geht richtig gut“, sagt Georg Kleeblatt jun. über den Automaten am Produktions- und Wohnort der Metzgerfamilie in Oberlaindern. Zweimal am Tag füllt er neu auf. Seit einem Jahr gibt es dort Fleisch und Wurst für alle Lebenslagen.

Selbstbedienungsautomat in Miesbach: Metzgerei in Oberlaindern hat Fleisch und Wurst im Angebot

Zum spontanen Grillen, wenn es am Sonntag doch aufreißt. Oder für echte Notfälle: „Ich hab’ schon nachts um eins eine SMS von der Feuerwehr bekommen: ,Hatten einen Einsatz, Du hast jetzt keine Würstl mehr drin.‘“ Sogar als Treffpunkt taugt der Automat, wenn Kleeblatts Tante daneben aus dem Fenster schaut und die Frauen aus dem Dorf auf einen Ratsch bleiben.

Der Metzger will das SB-Angebot bald um eine zweite Kühleinheit samt Holzhütte erweitern. Knapp 7500 Euro müsse man rechnen, bis der Automat steht, sagt Kleeblatt über seine Variante; das Modell der Firma Regiomat, wie es der Laden seiner Schwester in Holzkirchen nutzt, komme noch teurer, dafür kann er Kartenzahlung. Dass sich der Trend zum Automaten nach Corona wieder gibt, glaubt Kleeblatt übrigens nicht.

Regional Einkaufen in Holzkirchen: Feinkostladen füllt Automaten jeden Tag frisch auf

Auch sein Neffe Maximilian Eck, Juniorchef im Feinkostladen in Holzkirchen, sieht den Automaten ganz unabhängig von Corona. Die Idee entstand, nachdem der Laden wegen anhaltenden Personalmangels einen zusätzlichen Nachmittag schließen musste. „Mit dem Automaten können wir trotzdem etwas anbieten.“

Seit Oktober steht er, jeden Tag füllt Eck frisch auf. Das Sortiment unterscheidet sich von dem in Oberlaindern. In Holzkirchen gibt es mehr verarbeitete Produkte, auch Bolognese und Suppen oder abgepackte Kaspressknödel. Eck sieht den Automaten als Chance, neue Kunden zu gewinnen. Wie ein Schaufenster, in das man reingreifen kann.

Lebensmittelautomat in Miesbach: Bauernhof in Festenbach verkauft Bio-Produkte

2018 haben Nina und Korbinian Bartl die Landwirtschaft auf ihrem traditionsreichen Gschwandtnerhof in Festenbach auf Bio umgestellt. Sie bauten einen neuen Laufstall für ihre Rinder und schufen die Möglichkeit zum ganzjährigen Weidegang. Auf dem Hof, zu dem auch die Rettenbäckalm an der Bodenschneid gehört, rührt sich mächtig was: Zu den 70 Fleckviehkühen und ebenso vielen Jungtieren gesellen sich eine Schar Angusrinder, Hausschweine und Hühner.

Die Corona-Pandemie und die Schließung des Kälbermarkts seien Anstoß gewesen, ein ohnehin geplantes Projekt zügig in die Tat umzusetzen: die Direktvermarktung der Bio-Produkte vom Hof. Los ging’s mit Fleisch-Paketen, die übers Internet angeboten wurden. „Die Resonanz war sehr gut“, berichtet Bäuerin Nina Bartl. Dabei blieb es nicht. Seit Kurzem steht ein Verkaufshäusl auf dem Hof-Gelände, elf Quadratmeter groß und ebenso liebevoll wie sinnvoll ausgestattet.

Regionale Produkte in Miesbach: Bio-Bauernhof hat Milch zum Selbstzapfen und Weidefleisch vom Erzeuger

Da gibt es eine Milchtankstelle zum Selberzapfen und einen Kühlautomaten, gefüllt mit Fleisch- und Wurstwaren zur Selbstbedienung. „Täglich muss ich ihn frisch befüllen“, sagt Bartl, die sich dem Label Miesbacher Weidefleisch der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland angeschlossen hat und sich über die ständig steigende Nachfrage freut.

Künftig sollen neben den hofeigenen Produkten auch ausgewählte Schmankerl von Freunden, wie Wildspezialitäten, Liköre, Marmeladen und Honig verkauft werden. Für die engagierte Bäuerin steht fest: So will sie die Landwirtschaft in gutem Licht präsentieren und in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Regional Einkaufen in Hausham: Imker verkauft Honig in Selbstbedienungskasten

Imker Max Stoib zeigt seinen Selbstbedienungskasten bei ihm daheim in Hausham. Dort verkauft er Honig, Bienenwachskerzen und Bienenwachstücher, die er und seine Frau herstellen.

Seit 45 Jahren ist Max Stoib aus Hausham Imker, das hat er vom Opa übernommen. Wer früher seinen Honig kaufen wollte, klingelte an der Tür. „Früher ging das, da waren die Schwiegerleute im Haus“, sagt Stoib. Sie starben vor zwei Jahren. Weil er und seine Frau berufstätig sind, hat Stoib einen Kasten aufgestellt und eine Kasse, damit die Kundschaft sich selbst bedienen kann. „Zu 80 Prozent sind die Leute ehrlich“, sagt Stoib.

„Aber wenn wir das nicht hätten, würden wir in der Zeit nichts verkaufen.“ An der Anonymität stört sich die Kundschaft nicht, im Gegenteil: „Viele wollen einen gar nicht belästigen.“ Kurz anhalten, Honig kaufen, weiterfahren – so läuft das. Auch Münchner, die beim Skifahren waren, legen gern so einen Zwischenstopp ein.

Regional Einkaufen im Landkreis Miesbach: Corona kurbelt Nachfrage nach heimischen Produkten an

Corona hat zwar auch bei Familie Stoib nicht den Ausschlag fürs SB-Angebot gegeben, wohl aber das Sortiment beeinflusst. Die Märkte, wo Stoib im Advent Bienenwachstücher – eine natürliche, wiederverwendbare Art „Frischhaltefolie“ – und Bienenwachskerzen verkauft, die er und seine Frau herstellen, fielen aus. Also stellten sie einen zweiten Kasten auf.

Die Nachfrage, da ist sich Stoib sicher, hat die Krise deutlich angekurbelt: „Man merkt, dass die Leute in Coronazeiten mehr heimische Produkte wollen.“

Dreharbeiten fanden vor Kurzem am Eichnerhof statt: Die Holzkirchnerin Stefanie Huber kommt als Hauswirtschafterin ins Fernsehen. Mut zeigt hingegen Metzer Mirko Göttfert aus Kreuth: Er setzt auf stressfreie Schlachtung. Alles aus der Region gibt‘s im Miesbach-Newsletter.

(ag/gr)

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