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Seine Tage sind gezählt: In wenigen Monaten wird der störanfällige Integral durch moderne Dieselzüge vom Typ Coradia Lint ersetzt. Batteriebetriebene Züge im Oberland sind derzeit keine Option.

Testbetrieb in Sachsen läuft

Batteriezüge für BOB keine Option - Fokus auf Elektrifizierung

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Ab 2023 kommen in Sachsen – erstmals im deutschen Regionalverkehr – Batteriezüge zum Einsatz. Eine Alternative auch fürs Oberland? Eher nicht, sagt die BOB.

Landkreis – Nur noch wenige Monate, dann werden die störanfälligen Integrale und Talent-Züge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) der Vergangenheit angehören. Ab dem Frühsommer ersetzt das Unternehmen die Fahrzeuge stufenweise gegen moderne Dieselzüge vom Typ Coradia Lint des Herstellers Alstom. Wie berichtet, sollen diese bis zur geplanten Elektrifzierung der Bahnstrecken im Oberland einen stabilen Zugverkehr gewährleisten.

Bis die Bahn auf den 84 Zugkilometern im Oberland elektrisch fährt, kann es noch Jahrzehnte dauern. Nach der Vertragsunterzeichnung im Juni vergangenen Jahres laufen derzeit gerade mal die Vorbereitungen für die erste Planungsphase. Diese allein dauert zwei bis drei Jahre. Aufhorchen lässt deshalb eine Mitteilung des Zugherstellers Alstom, der ab 2023 elf Coradia-Continental-Batteriezüge auf die Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig in Sachsen bringt. Der 80-Kilometer-Abschnitt ist nicht elektrifiziert. Die Züge sind mit Hochleistungsbatterien auf dem Dach ausgestattet, haben eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern und können sowohl unter einer Oberleitung als auch auf nicht elektrifizierten Strecken betrieben werden. Im Batteriemodus haben sie laut Alstom eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der fahrdrahtlose Betrieb auf der Strecke Chemnitz – Leipzig sei ohne Leistungs- und Komforteinschränkung sichergestellt, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Batteriezüge auch eine Option fürs Oberland?

Wäre das eine Option fürs Oberland? Züge also, die von München bis Holzkirchen unter der bestehenden Oberleitung und von dort aus weiter im Batteriebetrieb fahren? BOB-Geschäftsführer Fabian Amini winkt ab – und lässt durchblicken, dass es fahrlässig wäre, sich von den gerade in Schwung gekommenen Elektrifizierungsplänen zu verabschieden. „Nach unserem Kenntnisstand gibt es aktuell kein geeignetes serienreifes Batterie-Hybridfahrzeug, welches für die Anforderungen des Oberlandnetzes geeignet wäre“, macht er auf Nachfrage unserer Zeitung deutlich. „Die von den Herstellern angegebenen Reichweiten der verfügbaren Modelle stellen Idealwerte dar, die beim Betrieb im Oberland deutlich niedriger ausfallen würden.“ Gründe sind unter anderem die Streckenbeschaffenheit, die Taktung und das Wetter. Amini: „Plakativ formuliert müssten wir im Winter unsere Fahrgäste fragen, ob sie entweder fahren oder lieber in einem beheizten Fahrzeug sitzen möchten.“

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Der BOB-Chef geht davon aus, dass sich der aktuelle Stand der Technik in den kommenden Jahren verbessert. „Bei einem Stunden- oder Halbstundentakt lohnt sich langfristig aber immer die Elektrifizierung“, zitiert er aus einer Studie der Technischen Uni Dresden, die von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) in Auftrag gegeben wurde. Sie sei die ökologisch und ökonomisch nachhaltigste Lösung. Amini geht davon aus, dass Batteriezüge wegen der höheren Anschaffungs- und Folgekosten bereits nach zwölf bis 16 Jahren die Kosten für die Elektrifizierung der 84 Streckenkilometer deutlich übersteigen.

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Für die nächsten Jahre sind elektrisch betriebene Züge gleich welcher Art ohnehin keine Option. Inwieweit ein Elektrobetrieb bereits in die Neuausschreibung der Oberland-Strecken ab 2024 aufgenommen wird, muss der Planungsfortschritt bis dahin zeigen. Vorerst also setzt die BOB auf ein „tausendfach erprobtes Serienfahrzeug mit um die 90 Prozent niedrigeren Stickoxid- und Feinstaubwerten gegenüber den heute eingesetzten Fahrzeugen“, wie Amini betont. „Die Flotte“, sagt der BOB-Chef, „steht dann bis zur angestrebten Elektrifizierung des Oberlands als erprobte Übergangslösung zur Verfügung.“

sh

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