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Beeindruckende Maschine: Zehn Löcher treibt das Bohrfahrzeug an der Miesbacher Johannisbrücke in den Boden der Schlierach. Diese werden mit Beton aufgefüllt und sichern so die Stützwand ab. 

Bauarbeiten in Miesbach

Zehn Bohrlöcher sorgen für Sicherheit

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Miesbach - Schwere Geschütze haben die Baufirmen an der Miesbacher Johannisbrücke aufgefahren. Die Arbeiten liegen im Zeitplan – zur Freude der Geschäftsleute in der Innenstadt.

Im Prinzip läuft es ab wie beim Zahnarzt. Bohren, Füllen, Aushärten, fertig. Allerdings ein paar Nummern – oder besser Dimensionen – größer. Statt ein paar Millimeter in den Backenzahn frisst sich der Bohrer an der Miesbacher Johannisbrücke sechs Meter in das Flussbett der Schlierach. Und statt nur einem Loch braucht es ganze zehn, um die marode Stützwand bis zum vollständigen Abriss im Frühjahr 2017 abzusichern.

 Anders als beim Karies im Mund zielt der massive Bohrkopf auf dem Fahrgestell eines am Ufer parkenden Baggers bewusst ein gutes Stück an der Johannisbrücke vorbei. „Wir wissen nicht, ob die alte Wand senkrecht oder schräg nach unten geht“, erklärt Franz Braun, der die Großbaustelle für die Stadt Miesbach betreut. Ein unbeabsichtigtes Anknabbern könnte die Statik der Brücke zusätzlich gefährden. Sollte das passieren, würde aus der knapp einmonatigen Vollsperrung eine dauerhafte.

Entsprechend behutsam arbeitet sich der Bohrer in die Tiefe. „Das geht geschmeidig wie durch Butter“, sagt Franz Ostler vom gleichnamigen Lenggrieser Ingenieurbüro. Tatsächlich sind kaum Erschütterungen zu spüren. „Außer man steht direkt daneben“, sagt Braun. Oder ein dicker Stein liegt im Weg. 

Aber auch davon lässt sich die Maschine nicht abhalten. Im ersten Schritt schraubt sie mit ihrem schwenkbaren Arm ein Metallrohr in den Untergrund. Das ist an der Unterseite mit spitzen Zähnen besetzt. Den Inhalt – Kies, Lehm und Steinbrocken – befördert der Bohrer an die Oberfläche. Übrig bleibt besagtes, sechs Meter tiefes Loch. Kurz darauf wird es wieder verfüllt. Zuerst mit einem zehn Meter langen Bewehrungskorb – eine Röhre aus Stahlgitter –, dann mit Beton. Ist der ausgehärtet, steckt ein 90 Zentimeter dicker Pfeiler im Boden. Vier Meter ragen über die Schlierach hinaus. Voraussichtlich am Dienstag ist die Bohrpfahlwand laut Braun fertig. 

Die stützt nicht nur die alte Mauer der Brücke, sondern dient auch als Auflagefläche für die Behelfskonstruktion, über die Fußgänger und Radfahrer während des Neubaus 2017 die Schlierach überqueren können. Lkw liefern die fünf Einzelteile der stählernen Behelfsbrücke an. „Die werden mit dem Autokran eingehoben und vor Ort zusammengeschraubt“, erklärt Braun. Bis zum 18. September soll alles erledigt sein. Die Umlegung der Versorgungsleitungen erfolgt bereits wieder unter laufendem Autoverkehr. 

Darauf bauen auch die Miesbacher Geschäftsleute. Wie berichtet, hatten sie im Vorfeld der Brückensperrung befürchtet, dass viele Kunden die Innenstadt meiden könnten. Tatsächlich herrscht aktuell wenig Frequenz, berichtet Stephanie Liebhardt, Sprecherin der Initiative „Wir für Miesbach“. Das könne aber auch an der Ferienzeit liegen, meint sie. „Wir können das momentan nicht zuordnen.“ Zudem würden sich Kunden aus dem Tegernseer Tal durch die Baustellen in Agatharied und Gmund derzeit gleich lieber in Richtung Bad Tölz orientieren. Fest stehe dafür, dass die Brückenbonus-Karte von den Kunden gut angenommen wird. „Die Leute sind durchweg begeistert“, sagt Liebhardt. 

Aus Sicht der Geschäftsleute positiv gelaufen ist die Informationspolitik der Stadt. So seien die Ladeninhaber nicht nur zeitnah per Mail über den Beginn der Sperrung informiert worden, sondern durften sich auch bei der Umleitungsbeschilderung einbringen. Ein Fazit wollen „Wir für Miesbach“ und die Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) bei der Hauptversammlung im Oktober ziehen. Bis dahin ist auch der gigantische Zahnarztbohrer wieder abgerückt.

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