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Miesbacher Marktplatz: Die Fassaden sind dem Stadtrat heilig. Trotzdem gibt‘s jetzt eine Ausnahme.

Bauausschuss Miesbach 

Balkonschild als Politikum

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Keine Regel ohne Ausnahme: Der Bauausschuss Miesbach hat einen Antrag der Chocolaterie befürwortet.

Miesbach – Die Fassaden am Marktplatz sind den Miesbachern heilig. Als „besonders schutzwürdig“ bezeichnet die Werbeanlagensatzung der Kreisstadt das Altstadtgebiet, das unter Ensembleschutz steht. Mit den Auswirkungen dieser Bestimmungen hatten nun auch die Inhaber der Chocolaterie zu kämpfen. Weil sie ein Schild mit dem Titel ihres Ladens an die Balkonbrüstung des Hauses am Marktplatz schrauben wollten, brauchten sie eine Ausnahme von den Auflagen der Satzung. 

Den ersten entsprechenden Antrag hatte der Bauausschuss jedoch abgelehnt. Mit der Begründung, keinen Bezugsfall schaffen zu wollen. „Die befürchteten Bezugsfälle gibt es aber bereits“, sagte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) nun bei der erneuten Behandlung des Antrags im Gremium. „Sind die denn genehmigt?“, wollte Hedwig Schmid (SPD) wissen. Bauamtsmitarbeiter Johannes Löw schüttelte den Kopf. „Dann sind es keine Bezugsfälle“, befand Schmid. Ihr Fraktionskollege Fertl ließ das nicht gelten. Eine gewisse Gleichbehandlung sollte es schon geben, meinte er.

Auf die komplizierte Situation der Chocolaterie wies auch Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) hin. „Wo sollen sie denn das Schild anbringen, wenn nicht am Balkon?“, fragte er. Florian Ruml (FWG) gab Lechner recht. Mit einer sachlichen Begründung sei eine Abweichung von der Satzung möglich. „Und die liegt hier vor“, sagte Ruml. An der Fassade sei kein Platz für ein Schild, und eine Positionierung im Schaufenster sei gestalterisch eine noch schlechtere Lösung. Die Antragsteller hätten zudem zugesichert, die Tafel an die Wölbung des Balkons anzupassen, sagte Fertl. Auch Manfred Burger (Grüne) sprach sich für eine Befreiung von den Auflagen aus. Das Schild würde sich gut in die „Werbeachse“ am Marktplatz einfügen. 

Schmid ließ sich trotzdem nicht überzeugen. „Wir haben nie einer Werbeanlage an einem Balkon zugestimmt“, sagte sie. Auch Franz Mayer (CSU) wollte sich nicht mit einer Ausnahme anfreunden. Er schlug vor, zunächst über die anderen Fälle zu beraten. Eine Alternativlösung brachte Markus Baumgartner (CSU) ins Gespräch. Er empfahl, das Schild unter den Balkon zu hängen und zu beleuchten. Das gehe gar nicht, echauffierte sich Ruml. „Wir sollen in Gottes Namen nicht für den Antragsteller planen, sondern uns zu seinen Wünschen äußern“, polterte er. 

Es war der Zweite Bürgermeister, der die Diskussion schließlich beendete und zur Abstimmung aufforderte. „Man kann ja auch dagegen sein“, sagte Fertl in Richtung der Kritiker. Das letzte Wort habe ohnehin die Denkmalschutzbehörde. Gegen die Stimmen von Schmid, Mayer und Baumgartner gab der Bauausschuss dem Vorhaben der Chocolaterie schließlich grünes Licht. Spürbar erleichtert sagte Lechner: „Die Schokolade ist gelutscht.“

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