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Entgrünt: Der Efeu, der den Baum vor dem ehemaligen Café Kern in Miesbach umrankt hat, ist weg. 

„Einfach nur traurig.“

Bauhof entfernt Efeu von Baum: Wo sollen jetzt die Spatzen wohnen?

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Ziemlich nackt steht der Kirschbaum vor dem ehemaligen Café Kern in Miesbach da. Der Bauhof hat ihn vom Efeu befreit. Kritiker machen sich Sorgen um die Spatzen.

Miesbach – Jedes Mal, wenn Peter Rosner am Kirschbaum beim ehemaligen Café Kern in Miesbach vorbeispazierte, hörte er die Spatzen zwitschern. „Das war Musik in meinen Ohren“, sagt der Miesbacher. Seit Anfang der Woche ist der Vogelchor – Rosner schätzt die Population auf etwa 50 Tiere – verstummt. Der Efeu, der den Baum umrankte, ist weg. Der Bauhof hat ihn entfernt, berichtet Rosner, der sich bei der Alpenvereinssektion Miesbach um Naturschutzthemen kümmert.

Für ihn ein echtes Drama: Spatzen seien nicht nur geschützt, sondern auch standorttreu. „Die suchen sich nicht so einfach einen neuen Unterschlupf“, sagt Rosner. Selbst, wenn sich dieser nur auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet – wie die Kastanie an der Sparkasse. Ein existenzielles Problem für die Tiere, gerade während des Frosts der vergangenen Tage. Rosner hegt eine schlimme Vermutung: „Im Herzen Miesbachs dürfen keine Spatzen mehr singen“, sagt er. „Einfach nur traurig.“

Dritter Bürgermeister Michael Lechner bestätigt die Aktion des Bauhofs. Einen Skandal kann er darin aber nicht erkennen. Nicht nur er als städtischer Grünanlagenreferent, sondern auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sei einbezogen gewesen, betont Lechner. „Das ist alles sauber und ordnungsgemäß abgelaufen“, sagt Lechner. Er habe zwar nicht mit Begeisterung zugestimmt, erachte die Entfernung des Efeus aber als „notwendiges Übel“, um die rund 40 bis 50 Jahre alte Kirsche zu erhalten.

Immer hätten sich Anlieger bei der Stadt beschwert, dass der Baum und sein Umfeld ungepflegt wirken würden. Verbunden mit der Forderung, ihn gänzlich umzuschneiden. Das sei für ihn nicht in Frage gekommen, sagt Lechner. Er habe aber eingesehen, dass der Efeu die Kirsche geschwächt habe. Weil am 1. März die Brutzeit der Vögel beginne und die Stadt ab diesem Zeitpunkt keine Baumpflegemaßnahmen mehr durchführe, habe der Bauhof den Efeu Anfang der Woche entfernt und die Äste des Baums gestutzt. Für Bauamtsmitarbeiter Johannes Löw letztlich eine Renaturierungsmaßnahme: „So sieht er wieder nach was aus und hat die Chance, sich zu erholen.“

Gerhard Kinshofer, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), sieht das anders. „Efeu ist Natur und Lebensraum“, schimpft er. „Die Spatzen sind da zum Schlafen rein.“ Die Stutz-Aktion halte er daher für „völligen Unsinn“. Obendrein habe der bewachsene Baum schön ins Stadtbild gepasst.

Dass es auch anders geht, hat Rosner in der Landeshauptstadt beobachtet. Als dort für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke eine von Spatzen bewohnte Buchenhecke weichen musste, habe die Stadt München als Umzugshilfe eine mobile Thujenhecke aufgestellt. „Auf eigene Kosten“, wie Rosner betont. Eine ältere Frau würde die Spatzen nach dem Kirchgang füttern. Rosners Fazit: „Rührend.“

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