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Eng nebeneinander können die Bohrlöcher liegen, durch die die Asiatischen Laubholzbockkäfer nach dem Larvenstadium den Stamm verlassen. Dieser Baum wurde in Miesbach gefällt und beim Infoabend im Waitzinger Keller gezeigt. Zur Verdeutlichung hat unser Fotograf einen ALB hineinmontiert.

Interview zum ALB in Miesbach

Baumreferent Lechner: „Man muss das Mögliche ausloten“

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Auf die Bürger wartet eine schwere Zeit. Viele Bäume müssen fallen, um den Schädlingskäfer ALB in Miesbach auszurotten. Viele meinen: zu viele.

Um den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) in der Kreisstadt gemäß EU-Durchführungsbeschluss auszurotten, müssen im 100-Meter-Umkreis des Finanzamts alle Gehölze der 16 Gattungen entfernt werden, die dem Schädling als Wirtspflanzen dienen können. Dabei machte LfL-Sachbereichsleiter Frank Nüßer deutlich, dass man den Käfer nur mit der harten, konsequenten Methode Herr werden könne (wir berichteten). Wir baten Michael Lechner, Dritter Bürgermeister der Kreisstadt und Grünanlagenreferent des Stadtrats, um eine Einschätzung.

Herr Lechner, wie haben Sie die Infoveranstaltung erlebt? Sind Sie als Stadtrat und Baumexperte vollständig einverstanden?

Es war eine sehr professionelle und ausführliche Darstellung der Situation. Es hat sich auch gezeigt, dass immer noch viele Bürger hoffen, dass vom strengen Vorgehen Abstriche gemacht werden – gerade beim Fritz-Freund-Park mit seinen mächtigen Buchen. Auch wir im Stadtrat werden an dem Thema dranbleiben, wie der Stand der Dinge in Sachen Ausnahme beim Waitzinger Park ist. Wir erwarten, dass wir informiert werden – auch über etwaige Chancen, weniger fällen zu müssen.

Baumreferent Lechner zum ALB in Miesbach: „Man muss das Mögliche ausloten“

Und beim Fritz-Freund-Park?

Da brauchen wir das Baumkataster der LfL. Es wurde dort ja jeder Baum nummeriert. Wenn wir das haben, können wir überlegen, Ausnahmen zu beantragen. Wobei ich an dieser Stelle betonen möchte, dass nicht der eigentliche Park in die Fällzone fällt, sondern der unterhalb liegende Hang.

Der aber auch wichtig ist.

Ja, das ist ein ausgewiesener Wald, der den Hang stabilisiert und einen wertvollen Beitrag für die Stadt leistet – sei es für das Erscheinungsbild, die Luft oder als Lebensraum. Vielleicht kann man vor diesem Hintergrund ja die Fällzone etwas reduzieren, um das Fällen nicht so brutal durchzuführen. Denn es ist schon ein markanter Bereich.

Hilfe per Baurecht vorübergehend denkbar

Wie kann man das gegen die eigentlich eindeutigen Vorschriften schaffen?

Das geht über Dialog. Frank Nüßer von der LfL sagt, es geht nur auf striktem Weg. Am Grundsatz darf man nicht rütteln, aber trotzdem müssen wir versuchen, alles Mögliche auszuloten.

Anwohner der Carl-Fohr-Straße haben beklagt, dass sie wie auf dem Präsentierteller sitzen, wenn die Buchenhecke entfernt wird. Gibt es seitens der Stadt Möglichkeiten, in solchen Fällen baurechtlich zu helfen?

Ich bin kein Freund vom Planenaufhängen, über Holzelemente für exponierte Stellen muss man aber nachdenken. Ein Ersatz für die Dauer der, Stand jetzt, vierjährigen Quarantänezeit ist in Ordnung.

Betroffene verärgert, weil Wurzelstöcke nicht entfernt werden

Ein anderes Ärgernis ist der Umstand, dass das Entfernen der Wurzelstöcke finanziell vom Freistaat nicht übernommen wird. Verständlich?

Ja, das kann ich verstehen. Der Käfer geht da halt nicht rein. Andererseits muss auch nicht jeder Wurzelstock aus dem Boden raus. Ökologisch ist das jedenfalls nicht nötig. Man kann ja daneben neu anpflanzen. Und der neue Baum profitiert vom langsam verrottenden Stock. Es gibt auch Leute, die einen Baumstumpf bewusst als Dekorationselement im Garten nutzen.

Wenn die betroffenen Bäume entfernt sind, steht man vor der Wahl: Bis zum Ende der Quarantänezeit warten, um derzeit verbotene heimische Wirtspflanzen neu zu setzen, oder gleich erlaubte Arten pflanzen? Was raten Sie?

Die Liste mit den in der Fällzone erlaubten Gattungen umfasst viele relativ unbekannte Bäume wie den Tulpenbaum, der vor unserer Bücherei steht und gut zurechtkommt. Eine Empfehlung kann ich nicht geben. Wer schnell nachpflanzen will, muss sich an die Liste halten. Vielleicht ist abwarten, bis wieder alles erlaubt ist, der bessere Weg. Bei der Riviera wird die Stadt schnell nachpflanzen – aber das ist auch eine Kostenfrage.

ddy

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