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Umstrittenes Bauland: Das freie Grundstück Am Gschwendt gegenüber des Friedhofs soll im Frühjahr 2017 mit Wohnungen für anerkannte Asylberechtigte und sozial Schwache bebaut werden. Die Nachbarschaft fordert eine umfassende Information über das Projekt durch die beteiligten Stellen.

„Drohende Ghettoisierung, Lärm, Wertverlust der Immobilien“

Bauprojekt Am Gschwendt: Anwohner wehren sich

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Miesbach - Am Gschwendt in Miesbach regt sich Widerstand. Die Anwohner wehren sich gegen den geplanten Bau von sechs Wohnhäusern für anerkannte Asylbewerber. Die Stadt plant eine Infoveranstaltung.

Bei den Anwohnern ist die Enttäuschung groß. Seit Juni wartet man darauf, dass der Freistaat Bayern als Bauherr der Wohnanlage öffentlich zu seinen Plänen Stellung nimmt und sich mit den Bedenken der Nachbarschaft auseinandersetzt – bislang vergeblich. Nun forderten 23 Anwohner aus dem Viertel – dazu gehören Am Gschwendt, Auf der Grün, Von-Vollmar-Straße und Albert-Schweitzer-Straße – Bürgermeisterin Ingrid Pongratz per E-Mail auf, sich für eine möglichst baldige öffentliche Information durch Freistaat und Staatliches Bauamt stark zu machen. Die Bürgermeisterin will dem folgen.

„Wir Anwohner und Nachbarn sehen die Stadt durchaus in der Pflicht“, erklärt Anwohnerin Barbara Ertel, „auch wenn diese nicht federführend ist. Immer nur auf das Bauamt in Rosenheim zu verweisen, ist uns zu wenig.“

Wie berichtet, hatte Pongratz in der vergangenen Stadtratssitzung berichtet, dass das Staatliche Bauamt als verantwortliche Durchführungsbehörde für den Bau eine Infoveranstaltung „in der aktuellen Projektphase als nicht sinnvoll erachtet, da weder zu den verwendeten Materialien noch zur späteren Belegung Aussagen getroffen werden können“. Wann das Amt eine solche als sinnvoll erachten wird, erklärte sie nicht. Fest steht aber, dass die Belegung von 70 Prozent der 22 Wohnungen durch die Regierung von Oberbayern erfolgen soll. Für die restlichen 30 Prozent bekommt die Stadt ein Belegungsrecht für sozial schwache Bürger, die keinen Asyl-Status haben.

Die Anwohner befürchten, dass durch die Bebauung wesentliche Probleme entstehen. In der Mail nennen sie „eine drohende Ghettoisierung, Lärm, Wertverlust der Immobilien, Parkplatznot“ sowie die Angst vor Übergriffen. „Hinzu kommt“, so heißt es weiter, „dass eine minderwertige Bausubstanz, die Grundstücksfläche der sechs Wohnhäuser, belegt mit Dutzenden von Bewohnern neben hochwertigen Einfamilienhäusern mit Gärten, schon im Vorfeld Unfrieden impliziert.“

Bei der Belegung der Asylwohnungen legen die Unterzeichner Wert darauf, dass Max Niedermeier als Integrationsbeauftragter des Landkreises „maßgebend eingebunden wird“. Auch Details bezüglich der Belegung von 30 Prozent der Wohnungen mit sozial Schwachen durch die Stadt seien zu erläutern.

Pongratz versteht die Bedenken der Anwohner. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte sie, dass möglichst zügig eine gemeinsame Infoveranstaltung mit Staatlichem Bauamt, Regierung und Polizei stattfinden soll. „Es ist ja nicht so, dass wir die Bedenken der Leute nicht nachvollziehen können oder nicht ernst nehmen“, sagt sie. Jedoch sei die Stadt für viele Aspekte nicht der richtige Ansprechpartner. Deshalb sei es ihr wichtig, dass Vertreter der jeweiligen Stellen an der Veranstaltung teilnehmen. Auch Niedermeier und Inge Jooß als Integrationsbeauftragte der Stadt sollen dabei sein. Ziel sei es, bei allen Beteiligten eine Sensibilisierung zu erreichen.

Offen ist, wann die Versammlung stattfindet. Pongratz könne erst „nach dem Weihnachtsfrieden“, also nach den Ferien, mit den Beteiligten einen Termin abstimmen. Dieser soll aber zügig erfolgen.

Dass die Stadt den neuen Wohnraum begrüßt, sei bei mittlerweile 46 Fehlbelegern in staatlichen Unterkünften nachvollziehbar. Diese müsse die Kommune unterbringen, wenn sie die bisherigen Unterkünfte verlassen müssen – was angesichts der Auflösung der Traglufthallen laut Pongratz absehbar ist. „Aber natürlich wäre es schön, wenn auch die Stadt bei der Belegung der Wohnungen zumindest gehört werden würde.“

Demnächst läuft im Rahmen der Zustimmung durch die Nachbarschaft eine Unterschriftensammlung. Pongratz geht davon aus, dass nicht alle unterschreiben werden. Dann kommt es nach Artikel 73 Bayerische Bauordnung zum Zustimmungsverfahren bei der Regierung, die sich selbst quasi grünes Licht geben kann.

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