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So soll das Kirchenareal gestaltet werden: Grau eingezeichnet sind Foyer und Verwaltungsgebäude.

Bauprojekt der evangelischen Kirche Miesbach: Grünes Licht für Baupläne

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Der Miesbacher Bauausschuss erteilte das gemeindliche Einvernehmen für den Bau eines Foyers und eines Verwaltungsgebäudes an der Apostelkirche. Dennoch wurde die Planung kritisch diskutiert.

Miesbach – Die evangelische Kirchengemeinde Miesbach ist ihrer Baugenehmigung einen Schritt näher gekommen. Der Bauausschuss stimmte den beiden getrennt eingereichten Vorhaben zu.

Wie berichtet, soll die alte Sakristei abgerissen und in einem neuen Foyer integriert werden, das das 35 Jahre alte Gemeindehaus und die mehr als 100 Jahre alte Kirche miteinander verbindet. Architekt Johannes Wegmann stellte den Glasbau den Ausschussmitgliedern nun konkret vor. Das Foyer, das nun den Bereich der bisherigen Sakristei einschließen soll, bereitete rechtlich keine Probleme. Als Zwischenbau ohne konkrete Nutzung braucht es auch keinen Stellplatznachweis.

Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) fand dennoch einen Haken: das Dach des Foyers. Das soll einfach nur eine schiefe Ebene sein, die vom Kirchendach runter zur Traufe des Gemeindehauses führt. Das Problem: In dieser Rinne würde sich die gesamte runtergerutschte Schneelast des Kirchendaches sammeln. „Da kann sich eine Menge ansammeln“, warnte Lechner mit Blick auf den aktuellen Winter.

Kritischer wurde der geplante Verwaltungsbau mit Pultdach hinter der Kirche diskutiert, der vom Privathaus des Pfarrerehepaares Sergel nach Süden verlaufen soll. Gleichzeitig wird der bestehende Verbindungstrakt vom Privathaus zur Sakristei entfernt. Ziel sei es, so Wegmann, dem Pfarrer mehr Privatsphäre zu ermöglichen. Deshalb werde die Westseite des Anbaus fensterlos gehalten, um den Eindruck einer Gartenmauer zu vermitteln. Dies sei auch mit der Denkmalschutzbehörde abgeklärt. Licht falle über ein Oberlicht ins Gebäude. „Auf diese Weise“, so der Planer, „wird der private und der öffentliche Bereich klar getrennt.“ Und dennoch könne man trockenen Fußes vom Wohnhaus ins Verwaltungsgebäude gelangen.

Bei den Ausschussmitgliedern warf es jedoch Fragen auf, warum der Bau nur eingeschossig geplant wird – ohne Keller und ohne Obergeschoss. „Mir gefällt’s leider nicht“, bekannte Franz Mayer (CSU). „Warum wird nur eingeschossig gebaut und ohne Keller?“ Mit einem zweistöckigen Bau ließe sich das 24 Meter lange Gebäude gut verkürzen.

Gefälliger Anbau: Das Foyer mit Sakristei soll sich an das Kirchengebäude schmiegen.

Die Antwort lieferte Erwin Sergel. „Das liegt daran, dass unsere Kirchenvorschriften Barrierefreiheit vorsehen“, erklärte der Pfarrer. Was Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) aber nicht überzeugte: „Das würde man auch mit einem Aufzug schaffen.“ Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) störte sich jedoch mehr daran, dass das Verwaltungsgebäude wie ein Riegel ausschaut: „Das könnte man doch etwas auflockern, indem man einen Teil einen Meter zurücksetzt.“ Wegmanns Einwand, dass das nicht so leicht sei, konterte Fertl lässig: „Das können Sie schon.“

Lesen Sie auch: Sanierungspläne: Evangelische Kirchengemeinde braucht mehr Zeit

Immerhin: Ein Problem, das derzeit die katholische Pfarrei der Kreisstadt beschäftigt, hat die evangelische Kirchengemeinde nicht – zu wenig Parkplätze. Obwohl der 40 Quadratmeter große Bau zwei weitere Stellplätze erfordert, reichen die vorhandenen aus, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte: Insgesamt werden 17 benötigt – 13 sind nachgewiesen, und vier wurden bereits abgelöst.

Auf die Entscheidungen hatten die Einwände keine Auswirkung. Beiden Vorhaben wurde das gemeindliche Einvernehmen erteilt – beim Foyer gegen eine, beim Verwaltungsgebäude gegen zwei Stimmen.

Große Spende macht der evangelischen Kirchengemeinde Mut

Das grüne Licht der Stadt ist nicht die einzige gute Nachricht, wie Pfarrer Erwin Sergel berichtet. Auch finanziell läuft es gut. Die Baukosten betragen insgesamt zwei Millionen Euro. 1,6 Millionen Euro kommen als Zuschuss von der Landeskirche und aus den Eigenmitteln. „Damit bleiben 400 000 Euro, für die wir Unterstützung brauchen“, rechnet Sergel vor. Wobei 230 000 Euro bereits eingesammelt worden seien. „Wir haben im Advent viele große und kleine Spenden bekommen“, sagt der Pfarrer. Darunter ein großer Betrag von der Hubertus-Altgelt-Stiftung, die das jugendbezogene Potenzial fördern will. Wie berichtet, wird – außerhalb des Baugenehmigungsverfahrens – auch das Gemeindehaus saniert. So werden im Untergeschoss die Gruppen- und Jugendräume, und die Böden erneuert. Auch die WC-Anlagen werden modernisiert. Zudem will man den Keller von außen dämmen, einen Aufzug für die Barrierefreiheit einbauen und den Saal zum Vorplatz hin durch größere Türen öffnen. „Wir sind jedenfalls sehr froh, dass wir bereits mehr als die Hälfte des fehlenden Geldes haben“, sagt Sergel. „Jetzt kann man glauben, dass es klappt.“ 2020 soll der Bau beginnen. Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Kirchengemeinde: www.miesbach-evangelisch.de/das-neue-gemeindehaus.

ddy

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