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Neues Projekt: Auf dem Gelände der alten Tennisplätze an der Oskar-von-Miller-Straße soll im westlichen Teil (vorne) ein Boradinghouse entstehen. Im Osten sind Personalwohnungen vorgesehen.

Bauvorhaben im Gewerbegebiet

Ausschuss sauer wegen Gefälligkeitsvorwurf

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Die Stadt Miesbach will zwei Bauvorhaben im Gewerbegebiet Nord unterstützen, doch Kreisbaumeister Werner Pawlovsky widerspricht. In einer Stellungnahme sprach er sogar von einer Gefälligkeitsplanung – eine Wortwahl, die für großen Unmut im Bauausschuss sorgte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kreisbaumeister Werner Pawlovsky anderer Meinung ist als die Stadträte der Kreisstadt. Doch während beim Streit um die Architektur des geplanten Neubaus des Pfarrheims die scharfen Töne eher aus den Reihen der Ratsmitglieder kommen, verärgerte der oberste Bauwächter am Landratsamt den Bauausschuss mit der Formulierung „Gefälligkeitsplanung“.

Das Vorhaben, das dieses Prädikat verliehen bekam, ist die Änderung des Bebauungsplans im Gewerbegebiet, die einem Baustoffhändler den Neubau einer Kaltlagerhalle ermöglichen soll. Dabei wird eine freiliegende Hoffläche überdacht. Das Problem: Die Wand des neuen Bauwerks ist mit 10,40 Meter einen Meter höher als die des benachbarten Molkereibetriebs.

Für den Kreisbaumeister ist das Vorhaben überdimensioniert und zu voluminös. „Das wird ein Exot, und es besteht die Gefahr, dass andere auch aufstocken wollen.“ Das Vorhaben, so führte er in seiner Stellungnahme aus, sei weder von städtebaulicher noch ortsplanerischer Bedeutung. Deshalb sei dies als „Gefälligkeitsplanung“ zu bewerten.

Der Bauausschuss reagierte darauf mit Unverständnis – allen voran Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU). „Das ist geradezu unverschämt“, entgegnete die Vize-Landrätin auf den Sachvortrag von Bauamtsleiter Lutz Breitwieser. „Wir befinden uns im Gewerbegebiet. Das Vorhaben ist der Umgebung angemessen. So geht man nicht miteinander um.“

Pawlovsky bleibt auf Nachfrage unserer Zeitung bei seiner Feststellung: „Das ist eine normale Bezeichnung. Für dieses Bauvorhaben gibt es keinen städteplanerischen oder ortsplanerischen Grund, sondern man entspricht dem Wunsch eines Bauwerbers.“ Zwar hätten die Gemeinden bei der Bauleitplanung „den Hut auf“, jedoch sei es ungut, wenn Kommunen nur das umsetzen, was der Bauwerber wolle. Auch im Gewerbegebiet solle es nicht aussehen „wie Kraut und Rüben“.

Dem widerspricht Breitwieser: „Nur weil man einem Antrag entspricht, ist es noch keine Gefälligkeitsplanung.“ Eine solche liege vor, wenn das Vorhaben jeglicher Konzeption widerspreche oder ein Kurs verlassen werde. Doch dies sei hier nicht der Fall. Zumal es im Gewerbegebiet auch um die Anforderungen gehe, die der Betrieb mit sich bringe.

Und auch beim zweiten Vorhaben will Miesbach dem Landratsamt die Stirn bieten: Das Hotel Bayerischer Hof plant für sein Eckgrundstück im Nordosten im westlichen Bereich ein Boardinghouse, in dem Menschen vorübergehend wohnen können, und im östlichen Teil Betriebswohnungen für Angestellte.

Auch dagegen legt der Kreisbaumeister sein Veto ein mit der Begründung, Wohnen sei im Gewerbegebiet nicht erlaubt. Vor allem bei den Personalwohnungen sehe er keine Möglichkeiten.

Anders Breitwieser. „Im Gewerbegebiet ist es immer möglich, Wohnungen für Betriebsleiter, Aufsichts- und Bereitschaftspersonen zu schaffen“, erklärt der Bauamtsleiter. Die Stadt wolle den Bebauungsplan auch nur dahingehend ändern, diese Ausnahme in diesem eng eingegrenzten Bereich generell zuzulassen. Basis sei ein entsprechendes Lärmgutachten. Die Einwände seitens des Landratsamts seien durchaus berechtigt, jedoch nicht an dieser Stelle des Verfahrens. „Das ist beim konkreten Bauantrag zu prüfen, jedoch nicht bei der Änderung des Bebauungsplans.“

Die Ausschussmitglieder zeigten kein Verständnis für die ablehnende Haltung des Kreisbaumeisters. „Wir versiegeln wahnsinnig viel Fläche“, gab Franz Mayer (CSU) zu bedenken. „Dann baut einer auf seinem Grundstück – wo ist das Problem?“ Und Florian Ruml (FW), früher Bauamtsleiter von Hausham, stellte fest: „Wir sind im Gewerbegebiet. Werte wie die Grundflächenzahl sind mir da Knödelwasser.“

ddy

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