Bayerische Oberlandbahn BOB: Diesel-Züge derzeit ohne Alternative
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Dieselzüge sind – wie hier bei Holzkirchen – derzeit auf den Bahnstrecken im Oberland unterwegs.

Kreisrat Zehendmaier wirbt für Wasserstoffantrieb

FWG-Kreisrat fordert Wasserstoff-BOB - Neue Diesel-Züge sind schon bestellt

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Keine Dieselzüge, keine elektrischen Oberleitungen – das fordert der Kreuther Kreisrat Franz Zehendmaier für die Bahnstrecken im Oberland. Er propagiert Wasserstoffzüge.

Landkreis – Der Vortrag hatte stellenweise Züge eines Nikolausbesuchs. „Wir kriegen Dieselzüge für die nächsten zehn bis 20 Jahre – stimmt des?“, fragte Franz Zehendmaier (FWG) mit donnernder Stimme und bebendem Vollbart seine Kollegen im Kreistag. Um sich die Antwort dann selbst zu geben: „Genau. Wir brauchen aber elektrische Züge, und zwar schnell.“ 

Franz Zehendmaier (FWG), Kreisrat aus Kreuth.

Der 70-jährige Kreuther, der seit 15 Jahren Roller mit Elektroantrieb baut und für eines seiner Modelle 2010 sogar den Bundesinnovationspreis bekommen hat, kennt sich – zumindest bei der Personenbeförderung im Kleinen – aus mit elektrischen Antrieben und sieht darin auch Optionen für den Schienenverkehr im Oberland

Mit Wasserstoff betriebene Züge seien die sauberste Zukunftslösung. Zumindest aber sollte man über E-Tender nachdenken, die sich unter der bestehenden Oberleitung zwischen München und Holzkirchen aufladen und dann im Akkubetrieb ohne Oberleitung weiter bis Bayrischzell oder Lenggries fahren. „Grundsätzlich“, sagte Zehendmaier, „sollten wir uns auf keine dieselbetriebenen Züge mehr einlassen.“ Stattdessen möge der Landkreis schwerpunktmäßig die Brennstoffzellentechnik unter Einsatz von Wasserstoff in Betracht ziehen.

Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) lobte Zehendmaiers leidenschaftlichen Vortrag, fand aber, dass der Antrag angesichts der Winter im Oberland nicht zu Ende gedacht sei. „Wir brauchen einen stabilen Schienenverkehr und ein zuverlässiges Verkehrsmittel“, sagte er. „Ich verstehe nicht, warum der Diesel so verteufelt wird.“

Zwei Resolutionen - pro Elektrifizierung und contra Wasserstoff

Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) untermauerte das. Er begrüßte die Bestellung und baldige Auslieferung von 31 neuen, deutlich umweltfreundlicheren Lint-Dieselzügen, „weil noch einen harten Winter mit dem vorhandenen Material überleben wir nicht“. 

Überdies habe der Kreistag 2015 einstimmig eine Resolution zur Elektrifizierung der Bahnstrecken im Oberland verfasst. Der Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wiederum habe sich Ende Oktober in einer Resolution gegen den Einsatz von Wasserstoffzügen ausgesprochen. Begründung: Nach dem einst holprigen Start mit den Integral-Zügen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) wolle man nicht wieder Versuchskaninchen sein. „Laut dem Hersteller Alstom sind Wasserstoffzüge für unsere Breiten derzeit auch nicht geeignet“, ergänzte Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Mobilität am Landratsamt.

Der Antrag Zehendmaiers sei geeignet, um Verwirrung zu stiften, warnte Grünen-Fraktionssprecher Robert Wiechmann. Es bestehe auch die Gefahr, einen Keil zwischen die beiden betroffenen Landkreise Miesbach und Tölz zu treiben. „Wir wollen die Elektrifizierung, und zwar bald und nicht in 30 Jahren“, stellte Wiechmann klar.

„Oberleitungen mit hohen Kosten verbunden“

Immerhin erntete der Kreuther mit seinem Vorstoß auch Zustimmung. So sprach sich Thomas Mandl (SPD) dafür aus, der Prüfung von Alternativen gegenüber aufgeschlossen zu sein. „Oberleitungen sind mit großen Schwierigkeiten und Kosten verbunden“, erinnerte er. Man dürfe sich dem technologischen Fortschritt nicht verwehren, sagte auch Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU). „Da tut sich enorm viel.“

Letztlich zog Zehendmaier seinen Antrag zurück – auch vor dem Hintergrund, dass der Begriff Elektrifizierung in der Absichtserklärung des Kreistags weit gefasst ist. „Wir dürfen jetzt wichtige Schritte in Richtung Elektrifizierung nicht untergraben“, mahnte CSU-Fraktionssprecher Josef Bierschneider, der die Intention des Antrags lobte. Die Prüfung von Alternativen im Blick zu haben, sei aber in Ordnung.

sh

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