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10 500 Quadratmeter Bauland: Der Habererplatz (vorne) und der anschließende AOK-Parkplatz (hinten) sollen mit Wohnungen, einer Tiefgarage und einem Hotel bebaut werden. Der Waitzinger Park mit seiner markanten Linde soll erhalten bleiben.

Bebauung von Habererplatz und AOK-Parkplatz

Der Stadtrat zeigt Interesse

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Es ist ein deutliches Signal, das der Stadtrat in seiner Sondersitzung gesendet hat: In wenigen Jahren könnte die Bebauung von Habererplatz und AOK-Parkplatz erfolgen. Die grundsätzliche Bereitschaft seitens der Fraktionen ist da. Doch die Umsetzung wird kompliziert.

Die Bebauung des Habererplatzes in Miesbach und des angrenzenden AOK-Parkplatzes wird konkret. Erstmals seit dem Scheitern der Tiefgaragenpläne 2006 hat der Stadtrat sich am Donnerstagabend mit der Idee beschäftigt, dort Wohnungen, ein Hotel und eine Tiefgarage bauen zu lassen – das alles aber nur ganz allgemein. Wie bereits im März berichtet, gibt es mehrere Investoren, die an einer Entwicklung des Areals interessiert sind. Deren konkrete Projekte waren in dieser Sitzung öffentlich kein Thema – aber anschließend im nicht öffentlichen Teil: Ein Investor stellte sich dem Stadtrat vor.

Zuvor hatten diese Herren live erfahren, unter welchen Voraussetzungen sich die Stadträte die Bebauung ihrer Filetgrundstücke vorstellen können. Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) warb für eine gemischte Lösung bei den Wohnungen – je ein Drittel Eigentumswohnungen, bezahlbare Miet- und Sozialwohnungen. Ein Hotel mit 100 Betten sei für die SPD vorstellbar, zusätzliche Gastronomie dagegen nicht. Auch Supermärkte brauche Miesbach keine mehr. Zudem regte er an, Erbbaurecht prüfen zu lassen, damit die Stadt die Fläche nicht auf ewig verliere. Der Waitzinger Park solle erhalten bleiben.

Franz Mayer wertete die Entwicklung des Areals als große Chance. „Wir hatten bislang immer Geld-, Zeit- und Öffentlichkeitsdruck“, stellte der CSU-Sprecher fest. Diesmal könne man sorgfältig an die Sache herangehen. „Wir müssen nichts verschnalzen.“

In der Bevölkerung sei das Interesse nach den ersten Berichten in unserer Zeitung sehr groß gewesen, berichtete Mayer und forderte, die Gelegenheit auch dafür zu nutzen, um über einen Aufzug am Waitzinger Keller und eine Tiefgarage den tiefer gelegenen Marktplatz barrierefrei erreichbar zu machen. Sein Fraktionskollege Dirk Thelemann („Ich bin sehr für eine Bebauung“) warnte jedoch, dass man beim Wunschkatalog die Wirtschaftlichkeit für den Investor nicht aus den Augen verlieren dürfe.

Auf ein Hotel verzichten würde Dritter Bürgermeister Michael Lechner (Freie Wähler): „Wir sollten versuchen, etwas zu realisieren, aber ich rede dabei nur über Wohnungen am AOK-Parkplatz. Ich warne jedoch davor, am Habererplatz was reinzustellen.“ Er sei dankbar, dass der Park nicht angetastet werden soll.

Dem widersprach sein Fraktionskollege Markus Seemüller. Er möge den Park, aber man könne ihn auch schöner machen. „Deshalb gehört er für mich in die Planung mit rein.“ Insgesamt sei das eine historische Chance. Auch Manfred Burger (Grüne) warnte Lechner davor, den Habererplatz auszuklammern: „Man muss alles im Blick behalten.“

Zuvor hatte Stadtplaner Otto Kurz eine Bebauung begrüßt. Bereits in seinem Stadtentwicklungskonzept hatte er festgestellt, dass das Areal fürs Parken zu schade sei. Besser sei eine städtebauliche Entwicklung mit Wohnungen – auch für Senioren. Davon könne auch der benachbarte Stadtplatz profitieren, der auch mal gestärkt werden soll.

Die Sitzung zeigte auch, dass sich die Umsetzung eines solchen Projekts über Jahre ziehen wird. Denn: Die Stadt hat die Grundstücke mit Geld der Städtebauförderung erworben – und damit auch den AOK-Parkplatz komplett erstellt. Deshalb unterliegt er einer Bindung, die aber im November 2020 ausläuft. Der Habererplatz, den die Stadt im Jahr 2005 freigekauft hat, wäre dagegen sofort ohne Beschränkung verwertbar.

Auch sonst wird das Verfahren kompliziert, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte. Sollte die Stadt bei einem Verkauf einem Investor Vorgaben machen wollen – was absehbar ist – , müsse sie EU-weit ausschreiben. Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) warnte, es werde viel Zeit ins Land gehen. Die Stadt müsse sich planerische, rechtliche und wirtschaftliche Hilfe von außen holen. Alfred Mittermiaer (CSU) mahnte ebenfalls: „Wir sollten aber schon zu Potte kommen und nicht drei Jahre diskutieren.“

ddy

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