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Trump wird US-Präsident - wie wirkt sich das auf unsere Region aus?

Umfrage unter Unternehmern und Politikern nach der US-Wahl

Das bedeutet Trump für den Landkreis Miesbach

Landkreis – Donald Trump wird Präsident. Die Nachricht hat im Landkreis bei vielen für ein ungutes Gefühl beim Aufstehen gesorgt. Das sagen unsere Politiker, Unternehmer und Pfarrer.

Politik: Das sagt Bundestagsabegordneter Alexander Radwan

Hat das Gespür für Stimmungen in der Bevölkerung verloren: Alexander Radwan (CSU).

Im politischen Berlin hat sich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses eine gewisse Hilflosigkeit breitgemacht, berichtet der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan aus Rottach-Egern. Er selbst fühlte sich an das Brexit-Votum vor wenigen Monaten erinnert. Auch das wollte damals niemand für möglich halten. Für Radwan ein Indiz, wie wenig ausgeprägt mittlerweile das Gespür für Stimmungen in der Bevölkerung ist. 

„Die Politik auch in Berlin braucht den Blick auf die Realitäten der Menschen und muss diese Realitäten ernst nehmen. Sie fühlen sich von der Politik nicht mehr repräsentiert“, sagt der 52-Jährige. „Das ist die Hauptschlussfolgerung aus der US-Wahl für uns.“ Für Europa sei es jetzt wichtiger denn je, international Verantwortung zu übernehmen – und interne Konflikte zu beseitigen.

Finanzen und Wirtschaft

Auch wenn das ganz große Börsenbeben bislang ausgeblieben ist: Die Finanzwelt blickt mit Sorge auf die politische Entwicklung in den USA. Die Folgen werden auch die hiesigen Banken zu spüren bekommen, meint der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Martin Mihalovits. „Es ist zu befürchten, dass Trump die amerikanischen Märkte abschottet“, sagt Mihalovits. „Dies hat auch direkte Auswirkungen auf unsere exportorientierte Wirtschaft.“ Ferner seien größere Schwankungen auf den Finanzmärkten zu erwarten, was die Anlageentscheidung nicht leichter mache. Weil durch Trumps Wahlsieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Zentralbank FED gesunken sei, könne ein längeres Fortbestehen des aktuellen Zinsniveaus die Folge sein.

Umfrage: Wirkt sich die Trump-Wahl auf Ihre Reisepläne aus?

Unsicherheiten bei Investitionen und in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Amerika befürchtet der Vorsitzende des Unternehmerverbands Miesbach (UVM), Klaus-Dieter Graf von Moltke. „Der Trend zur Unkalkulierbarkeit in der Welt setzt sich fort“, sagt Moltke. Bislang gültige Werte wie Verlässlichkeit und Kontinuität gingen dadurch verloren, was sich auch im Geschäftsleben negativ bemerkbar machen könnte. Dennoch rät Moltke seinen Unternehmerkollegen zu „vorsichtiger Gelassenheit“. Solange man Trumps Kabinett und damit die Ansprechpartner für die Wirtschaft nicht kenne, sei das Ende offen.

Internationale Beziehungen

Seit knapp 50 Jahren reisen amerikanische Deutsch-Studenten der Universität Kansas über den gleichnamigen Freundeskreis nach Holzkirchen. Lisa Schlegl (60), Kassier und Gründungsmitglied des Vereins, ist nicht glücklich damit, dass der Republikaner Donald Trump der neue Präsident Amerikas wird. „Ich war geschockt“, sagt sie. „Bis Dienstag hatte ich noch gehofft, dass Hillary Clinton gewinnt“, erklärt Schlegl. „Dass so ein Mensch wie Trump gewählt wird, ist für mich unfassbar.“ Die Studenten, die in die Marktgemeinde kommen, seien in der Regel keine Anhänger der Republikaner. „Das sind die, die weltoffener sind“, meint Schlegl. „Wir wollen jetzt erst recht forcieren, dass Weltoffenheit in den Mittleren Westen nach Amerika kommt“, erklärt sie. „Denn dort in Kansas ist eigentlich Republikaner-Land.“ Insofern könne der Freundeskreis also durchaus seinen Beitrag leisten.

Tourismus

Patricia Dietz, Inhaberin des Holzkirchner Reisebüros Ambiente first class, organisiert Reisen in die USA. In der Wahlnacht hat sie kein Auge zugemacht. „Ich habe die Wahl auf der Couch verfolgt“, erzählt sie. Mit dem Ausgang ist die 53-Jährige persönlich unglücklich. Bis zum Schluss habe sie gehofft, dass Hillary Clinton gewinnt, „dass die Leute gescheiter geworden sind.“ Aber: „Das Gros der Amis ist dumm“, meint Dietz. „Das muss man leider so sagen.“ Für ihr Reisebüro befürchtet Dietz indes keine Einbrüche. Immerhin sei Amerika ein attraktives Reiseziel mit tollen Städten und Landschaften. Gerade heuer lag es im Trend. Die Leute würden weiterhin in die USA reisen „weil sich ja in Sachen Sicherheit vorerst nichts ändert.“ Und Urlaub dort im Vergleich zu Europa könnte noch günstiger werden. „Wenn der Dollar fällt, nutzen das viele aus.“

Glauben und Moral

Nicht wirklich überrascht vom Wahlausgang ist Matthias Striebeck, evangelischer Pfarrer in Neuhaus. Die Kirchen würden schon seit längerer Zeit mit Sorge feststellen, „dass man mit vereinfachten Botschaften immer mehr Menschen erreicht“. Bisher habe es aber eine gesellschaftliche Vereinbarung gegeben, sich nicht auf dieses Niveau herabzulassen. „Dieser Damm ist jetzt gebrochen“, sagt Striebeck. Um ihn wieder zu errichten, müsse man in allererster Linie in die Bildung investieren – und so die Menschen aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreien. Striebeck sieht hier auch dieKirchen als „Schiedsrichter der Wertestabilität “ in der Pflicht. In der Erschütterung über Trumps Erfolg liegt für den Pfarrer aber auch eine Chance: „Vielleicht sieht die Welt dadurch ein, dass es an der Zeit ist, sich zu besinnen.“ Den ersten Schritt muss laut Striebeck der neue US-Präsident machen: „Er muss sich bei vielen Menschen entschuldigen.“

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