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Gratulation zum Umweltpreis: Preisträger ist in diesem Jahr der Irschenberger Klaus Lintzmeyer (M.). Kreisvorsitzender Hannes Gräbner (l.) und Laudator Florian von Brunn gratulierten.

Bei Umweltpreisverleihung der Kreis-SPD

SPD-Abgeordneter stichelt gegen grünen Landrat

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn hat den Umweltpreis der Kreis-SPD an Klaus Lintzmeyer aus Irschenberg überreicht. Dabei stichelte er gegen den grünen Landrat Wolfgang Rzehak.

Landkreis Der Umweltpreis ist benannt nach Anton Bauer, der als roter Landrat in der frühen Nachkriegszeit in der empfindlichen Miesbacher Egartenlandschaft mit entsprechenden Verordnungen viele Landschaftsschutzgebiete durchgesetzt hat. Klaus Lintzmeyer hält Bauers Tun, das damals erhebliche Widerstände in den Gemeinden hervorrief, weil man um das Urlaubsgeschäft fürchtete, für „vorbildlich“. Und forderte anlässlich der Preisverleihung in der Vitalwelt in Schliersee, dass der Kreis eine Gedenktafel aufstellen soll, um an die Leistungen des Umweltpioniers zu erinnern.

Für den Landtagsabgeordneten Florian von Brunn, der bekanntlich Vorsitzender der Bayern-SPD werden will, war es „eine große Ehre“, die Laudatio zu halten. Von Brunn sagte sogar frank und frei, Lintzmeyer habe den Umweltpreis der SPD „eher verdient“ als er. Der Münchner Parlamentarier hatte die Auszeichnung im vergangenen Jahr erhalten. Lintzmeyer wurde verglichen mit Bauer, stehe für ein „unglaubliches und mutiges Engagement“ (von Brunn). Kreisvorsitzender Hannes Gräbner bescheinigte ihm ein „starkes Heimatbewusstsein“.

Zum langen Engagement für den Schutz der Heimat gehört Lintzmeyers aktives Mitwirken im „Verein zum Schutz der Bergwelt“, der älteste Umwelt-Organisation im europäischen Alpenraum. Der Irschenberger ist hier im Vorstand und gleichzeitig Redakteur der Vereinszeitschrift. Sein Kampf zum Schutz der Rotwand reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Brunn erinnerte an Pläne, beispielsweise durch die Flurbereinigung in den 1970er Jahren, als sieben Almen erschlossen wurden, die auf asphaltierten Straßen zu erreichen sind.

„Hat der Landrat kein Interesse oder Angst?“

Einem weiterer „Skandal“ wurde 1986 der Weg bereitet, als im Landtag beschlossen wurde, in der Rotwandzone ein Naturschutzgebiet einzurichten. Denn: „Das wird bis heute verhindert“, rügte von Brunn die Miesbacher Kreispolitik. „Selbst ein grüner Landrat hat daran kein Interesse“, sagte der Abgeordnete mit Blick auf Wolfgang Rzehak. „Oder hat er Angst?“

Auf diesem Gebiet verfügt der Landkreis Miesbach in der Tat über ein Alleinstellungsmerkmal. Die Gebietskörperschaft ist die einzige in Oberbayern und dem Allgäu, die keinen Naturschutzraum aufzuweisen hat. Obgleich man im Rotwandgebiet bei der Biotop-Kartierung seltene Pflanzen entdeckt hat und wissenschaftlich erwiesen ist, dass dies „einzigartig“ im Mittelstock der Alpen ist.

Lintzmeyer sieht es auch an der Zeit, wegzukommen von Reden und Aktivitäten von Privatpersonen. „Es ist schon alles gesagt.“ Jetzt müssten die Fachbehörden und die Politik ran, um mit allen Beteiligten einen Kompromiss zu schmieden. Denn, so Lintzmeyer: „Für Fakten gibt es keine Alternativen.“

Laudator von Brunn ließ nicht unerwähnt, dass Lintzmeyers Frau Anneliese ihren Mann auch fachlich zur Seite stand. Die Pflanzenkundlerin, Vorstandsmitglied im Bund Naturschutz auf Kreisebene, hat bereits den Anton-Bauer-Umweltpreis der SPD bekommen. „Belohnt“ wurde ihr Feldzug gegen die „Landschaftsverschandlung“ durch die Ansiedlung einea McDonald’s an der Autobahn bei Irschenberg. „Damals kämpfte David gegen Goliath“, erinnerte von Brunn, der sich für die Arbeit der beiden „sehr dankbar“ zeigte.

Hugo Molter

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