Bereit zum Anstecken: Thomas Christ, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Miesbach, zeigt das einspeisefähige Notstromaggregat fürs Feuerwehrhaus.
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Bereit zum Anstecken: Thomas Christ, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Miesbach, zeigt das einspeisefähige Notstromaggregat fürs Feuerwehrhaus.

Katastrophenplan wird überarbeitet

Bereit für den großen Blackout: Notstrom für Feuerwehrhäuser im Landkreis Miesbach

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Der ganz große Stromausfall ist bisher ein theoretisches Szenario geblieben im Landkreis Miesbach. Dennoch rüstet sich der Katastrophenschutz für potenzielle Blackouts - mit Notstrom.

Miesbach/Landkreis – Wenn es rundherum stockfinster wird, braucht es Leuchttürme, um nicht die Orientierung zu verlieren. Was Seefahrer seit jeher zu schätzen wissen, soll nun auch im Katastrophenschutz zum Einsatz kommen. Um bei großflächigen Stromausfällen – sogenannten Blackouts – einsatzbereit zu bleiben, sollen die Feuerwehren im Landkreis ihre Gerätehäuser mit Notaggregaten ausstatten. Und so zugleich eine Anlaufstelle für alle die Bürger werden, die mangels Strom ebenfalls gekappter Handy- und Telefonverbindung keinen Notruf mehr selbstständig absetzen können.

Zumindest im Kleinen ist letzteres im Leitzachtal schon mal vorgekommen. Bei der Hauptversammlung der Feuerwehr Hundham berichtete ein Bürger von einem Stromausfall in diesem Sommer, der sogar die Mobilfunkverbindung kurzzeitig lahmgelegt hat. Er wollte wissen, was in diesem Fall zu tun sei. Feuerwehrkommandant Michael Floßmann leitete die Frage an den ebenfalls anwesenden Kreisbrandmeister Christian Probst weiter. Und der erklärte, dass das Thema bereits auf höherer Ebene angegangen wird.

Landratsamt überarbeitet Alarmplan für Blackouts

Das Team des Katastrophenschutzes am Landratsamt sei bereits seit 2018 in enger Abstimmung mit den Gemeinden und den örtlichen Feuerwehren, um die sogenannten „kritischen Infrastrukturen“ zu erfassen, teilt die Behörde auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Der bestehende Alarmplan „Stromausfall“ sei überarbeitet worden und werde derzeit final abgestimmt. Gesprächspartner seien die Bürgermeister, die Feuerwehren, weitere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), die Energieversorger sowie die Integrierte Leitstelle. Überholte Abläufe des alten Alarmplans seien bereits angepasst und deren Umsetzung in die Wege geleitet. So werde der Katastrophenschutz bei einem flächendeckenden Stromausfall durch die Leitstelle alarmiert. Parallel werde geprüft, ob die technische Ausstattung für alle Szenarien ausreichend ist und wie künftige Lösungsmöglichkeiten aussehen könnten.

Laut Kreisbrandinspektor Florian Dirscherl soll dabei den Feuerwehrgerätehäusern eine „Leuchtturmfunktion“ zukommen. Sie sollen flächendeckend mit Notstromaggregaten ausgestattet werden, die dank Einspeisefunktion die Versorgung des gesamten Gebäudes sicherstellen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Die Feuerwehr bliebe einsatzfähig und die Bürger hätten bei Notfällen eine dank der dezentralen Verteilung im Landkreis gut erreichbare Anlaufstelle.

Feuerwehrhaus Miesbach bereits mit Notstrom ausgestattet

In Miesbach steht bereits so ein Leuchtturm. Vor eineinhalb Jahren hat die Stadt in eine „mobile Netzersatzanlage“ fürs Feuerwehrhaus investiert, berichtet Kommandant Matthias Resch auf Nachfrage unserer Zeitung. Rund 30 000 Euro plus Einbau habe das rund zwei mal einen Meter große und gut eine Tonne schwere Dieselaggregat gekostet. Es leiste 50 kVA und sorge dafür, dass nicht nur Licht, Heizung und Warmwasser bei einem Blackout weiterlaufen, sondern auch einsatzkritische Geräte wie Atemluftkompressoren und Funkanlagen.

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Dass Miesbach bereits in den Genuss der neuen Ausstattung gekommen ist liegt laut Resch auch daran, dass das hiesige Gerätehaus eine von drei Koordinierungsstellen im Landkreis ist, die bei Katastrophenlagen zur Entlastung der Integrierten Leitstelle in Rosenheim aktiviert werden. Da das Aggregat über Rollen verfügt und trotz seiner Größe und Masse ins Versorgungsfahrzeug der Feuerwehr passt, könne man es sogar mobil einsetzen.

Den Ernstfall erlebt hat das Notstromaggregat bislang noch nicht, berichtet Resch. Bisher habe es nur sporadische, kurze Stromausfälle im Feuerwehrhaus gegeben. „Da reicht unsere USV-Anlage zur Überbrückung aus“, erklärt der Kommandant. Trotzdem schließt die Feuerwehr das Gerät immer wieder probeweise an. Denn nicht nur Resch weiß: Irgendwann wird er kommen, der große Blackout. Und dann genügen im Miesbacher Feuerwehrhaus wenige Handgriffe, um den rettenden Leuchtturm einzuschalten.

sg

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