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Bessere Stauinfos für Navis: Pilotprojekt Saturn geht in Praxistest

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Von: Sebastian Grauvogl

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Bereit für Phase zwei von Saturn: (v.l.) Dr. Wolfgang Kieslich (Saturn-Projektsteuerer), Sabine Effner (Mobilitätsreferat München), Benjamin Bursic (Geschäftsleitung Zweckverband), Barbara Bogner (Vize-Vorsitzende Zweckverband und Bürgermeisterin Sauerlach), Josef Niedermaier (Landrat Bad Tölz-Wolfratshausen), Michael Braun (Geschäftsführer Zweckverband), Olaf von Löwis (Landrat Miesbach), Caroline Sester (Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Zweckverband), Christoph Göbel (Landrat München) und Thorsten Preßler (Vize-Geschäftsführer Zweckverband).
Bereit für Phase zwei von Saturn: (v.l.) Dr. Wolfgang Kieslich (Saturn-Projektsteuerer), Sabine Effner (Mobilitätsreferat München), Benjamin Bursic (Geschäftsleitung Zweckverband), Barbara Bogner (Vize-Vorsitzende Zweckverband und Bürgermeisterin Sauerlach), Josef Niedermaier (Landrat Bad Tölz-Wolfratshausen), Michael Braun (Geschäftsführer Zweckverband), Olaf von Löwis (Landrat Miesbach), Caroline Sester (Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Zweckverband), Christoph Göbel (Landrat München) und Thorsten Preßler (Vize-Geschäftsführer Zweckverband). © Zweckverband

Bessere Stauinfos sollen bald die Navigationssysteme von Autofahrern im Landkreis Miesbach bekommen. Jetzt geht das Pilotprojekt Saturn in den Praxis-Test.

Landkreis – Die Mission Saturn braucht genaue Navigationsdaten. Denn obwohl es sich dabei nicht um einen Weltraumflug, sondern um ein Pilotprojekt für intelligentes Verkehrsmanagement handelt, gilt auch hier: Nur wenn möglichst präzise und aktuelle Informationen über Baustellen oder Sperrungen vorliegen, lassen sich die jeweils optimale Route berechnen und damit unnötige Staus vermeiden. Wie das in der Praxis aussehen kann, haben die Beteiligten des Bundesforschungsprojekts Strategiekonformes multimodales Routing (SATURN), zu denen auch Gemeinden aus dem Landkreis Miesbach gehören, nun im Rathaus Bad Tölz besprochen.

Wie berichtet, ist Saturn vor einem Jahr unter Federführung des Zweckverbands Kommunale Dienste Oberland gestartet. 41 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und München machen mit, indem sie in ihren „Pilotkorridoren“ Verkehrsdaten erzeugen. Ziel des Projekts ist es laut Pressemitteilung, den Verkehr in besonders stark frequentierten Bereichen rechtzeitig umzudirigieren und Autofahrern frühzeitig unter Einbindung von Navi-Anbietern Alternativen über Routen oder Ziele aufzuzeigen.

Testbetrieb startet

Im ersten Halbjahr 2023 soll nun der Testbetrieb anlaufen. Dabei werden 18 Kommunen im Tegernseer Tal, im Isarwinkel und im südlichen München „öffentliche Lenk- und Leitstrategien“ erarbeiten. Wie dies in der Praxis ablaufen soll und was die teilnehmenden Gemeindeverwaltungen dafür liefern müssen, erklärten die Vertreter des Zweckverbands und des für Planung und Konzeption zuständigen Büros Trafficon Consulting nun den Landräten Olaf von Löwis (Miesbach), Josef Niedermaier (Bad Tölz-Wolfratshausen), Christoph Göbel (Landkreis München) sowie Sabine Effner, Stadtdirektorin des Mobilitätsreferats der Stadt München. Die zentrale Plattform ist laut Steffen Sesselmann (Trafficon) die zentrale Mobilitätsdatenbank des Bundes, die sogenannte Mobilithek.

Hier sollen künftig nicht nur die Daten aus dem Baustelleninformationssystem des Bundes, sondern auch die von den jeweiligen Rathäusern beziehungsweise Landratsämtern gemeldeten Sperrungen eingepflegt werden. Mit der Folge, dass diese dann auch als Hindernisse in den Navigationssystemen der Autofahrer angezeigt werden.

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Doch das ist nur der erste Schritt, erklärt Sesselmann. Mindestens genau so wichtig sei es, den Pkw-Lenkern dann die jeweils in Sachen Verkehrsfluss günstigste Ausweichroute anzuzeigen. Auch hier sei man auf die Expertise der örtlichen Verwaltungen angewiesen. Diese würden die entsprechenden Strecken ausarbeiten und an den Zweckverband weiterleiten. Der digitalisiere die Navigationshinweise dann in einer eigens dafür beschafften Software und stelle sie wiederum in die Mobilithek ein. Die Navi-Anbieter könnten sie dann hier abgreifen und in Echtzeit in die verbundenen Autos einspielen.

Navi-Anbieter dabei

Mittelfristig sollen hier laut Caroline Sester, beim Zweckverband zuständig für Verkehrs- und Mobilitätsmanagement, auch der aktuelle Verkehrsfluss (unabhängig von Baustellen oder Sperrungen) sowie die Auslastung von Parkplätzen, an deren Erfassung bekanntlich die Tourismusexperten der Regionalentwicklung Oberland (REO) gerade feilen, einfließen. „Wir sind hier in einem engen Austausch“, versichert Sester und betont, dass man keine Doppelstrukturen erarbeiten werde. Auch die großen Navi-Anbieter Tom Tom und Here seien direkt im Saturn-Projekt eingebunden.

Anders Google Maps, das gerade Autofahrer ohne eingebautes Navigationssystem gern nutzen. Auf den Algorithmus des Suchmaschinenriesen habe man leider keinen Zugriff, bedauert Sesselmann. „Das ist eine Blackbox für uns.“ Er gehe aber davon aus, dass die Navigationssoftware der Fahrzeughersteller in Zukunft über Anwendungen zum (teil)autonomen Fahren wieder an Bedeutung gewinnen werde.

Präsentation bei IAA

Wie effektiv eine strategische Verkehrsführung in Sachen Stauvermeidung sein kann, zeigte Steffen Sesselmann anhand von Simulationen auf Basis aktueller Baustellen, etwa die sechswöchige Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Finsterwald in der Gemeinde Gmund im Spätsommer und Herbst dieses Jahres. Das überzeugte auch die Landräte. Sie sicherten zu, für den geplanten Testbetrieb ab 2023 Fachpersonal bereitzustellen und den weiteren Projektverlauf aktiv zu unterstützen. Auch die Landeshauptstadt werde sich einbringen, versprach Effner.

Eine zusätzliche Motivation steuerte Zweckverbands-Geschäftsführer Michael Braun bei. Er verkündete, dass das Saturn-Projekt im Herbst 2023 auf großer Bühne präsentiert werde: bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in München.

sg

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