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Besucherlenkung im Landkreis Miesbach: Freizeitsportler weiter sensibilisieren

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Von: Stephen Hank

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Besucherlenkung im Landkreis Miesbach: Freizeitsportler weiter sensibilisieren
Aufklärungsarbeit: Wie hier im Oktober 2016 an der Rotwand war Marco Müller (r.) in den vergangenen acht Jahren sommers wie winters im Mangfallgebirge unterwegs, um Freizeitsportler für die Natur zu sensibilisieren. © Landratsamt (Archiv)

Nach acht Jahren hat der scheidende Gebietsbetreuer Marco Müller eine positive Bilanz gezogen. Freizeitsportler für die Natur zu sensibilisieren, funktioniert. „Es braucht aber noch mehr Mitstreiter.“

Landkreis – Ende April ist Schluss. Nach acht Jahren Gebietsbetreuung im Landkreis Miesbach zieht es Marco Müller in den Bayerischen Wald. Der 36-Jährige wird dort – wie schon kurz berichtet – Ranger. „Es hat rein private Gründe. Von unserer Wohnungssituation her stellen wir uns etwas anderes vor – das ist hier im Landkreis nicht leistbar“, gestand Müller im Kreistag.

Aus beruflicher Sicht habe dagegen alles gepasst. In den acht Jahren, in denen Müller als Gebietsbetreuer im Landkreis tätig war, hätten unter seiner Leitung 78 naturkundliche Führungen mit rund 1100 Teilnehmern und 55 Vorträge mit rund 1600 Teilnehmern stattgefunden. Das freilich war nur ein Teil seiner Arbeit. Zielsetzung der Gebietsbetreuung ist es vor allem, Freizeitsportler für die Natur zu sensibilisieren. Im vergangenen Jahr wurde aus der am Landratsamt angesiedelten Teil- eine Vollzeitstelle, 20 Prozent der Kosten trägt der Landkreis. In ganz Bayern wurden laut Müller im vergangenen Jahr 17 neue Gebietsbetreuerstellen geschaffen.

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Besucherlenkung im Landkreis Miesbach: Freizeitsportler weiter sensibilisieren

Dass Besucherlenkung und Aufklärung Not tut, zeigen Müllers Erfahrungen. Gerade bei den Skitouren- oder Schneeschuhgehern sei die Informationslage im zurückliegenden Winter schlechter geworden. Der Grund: 80 Prozent waren Neueinsteiger. „Der Tourentrend ist ungebrochen und nimmt weiter Fahrt auf“, berichtete Müller. „Gerade auch nachts.“ Immerhin sei es gelungen, die Sportler über die Jahre für den Lebensraum des Birkhuhns zu sensibilisieren. Dessen Bestand steige seit 2016 wieder an. „Man darf das allerdings nicht überinterpretieren, weil der Birkhuhn-Bestand immer noch am unteren Ende liegt“, warnte der Gebietsbetreuer.

Ziel in den kommenden Jahren müsse es sein, das Netzwerk an Mitstreitern auszubauen und die sogenannten Multiplikatoren weiterzubilden. Dabei helfen auch das Projekt „Modellregion Naturtourismus“ und die damit einhergehende enge Verzahnung mit den Touristikern. Wie berichtet, sollen ab diesem Jahr im Rotwandgebiet die ersten Besucherlenkungsmaßnahmen in der Praxis erprobt werden. An besonders besucherstarken Tagen ist auch der Einsatz von Rangern denkbar, die Wanderer und Mountainbiker gezielt ansprechen und auf ein mögliches Fehlverhalten aufmerksam machen.

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Besucherlenkung im Landkreis Miesbach: Was bringen Geldstrafen?

„Ich fürchte, dauerhaft kommen wir mit Goodwill nicht mehr weiter“, merkte Michael Lechner (FWG) an. „Uneinsichtige sind nur mit Strafen zur Einsicht zu bewegen.“ Dass – meist nur geringe – Geldbußen den gewünschten Erfolgt bringen, bezweifelte Umweltabteilungsleiter Thomas Eichacker. Ohnehin sei eine flächendeckende Überwachung personell nicht leistbar. „Es gibt Ort, wo es nicht schlecht wäre, wenn wir mehr Befugnisse hätten“, bekannte Müller. „Aber ein Ranger ist ganz weit weg vom hoheitlichen Ansatz.“

Wer Müller beerbt, ist derzeit noch offen. „Wir hoffen auf einen guten Nachfolger“, sagte CSU-Fraktionssprecher Josef Bierschneider. Gerhard Waas (Grüne) lobte den 36-Jährigen als „extrem fach- und sozialkompetent“. Er habe bewiesen, dass die Arbeit des Gebietsbetreuers nicht verzichtbar ist. „Manche Leute folgen einfach einem Trend und brauchen Aufklärung“, merkte Waas an. Auch Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) bedauerte das Ausscheiden Müllers und lobte dessen ausgleichende Art. „Gleichzeitig“, sagte Rzehak, „ist er eine fachliche Koriphäe.“

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Kürzlich kam es zu einer Auseinander zwischen einem Wanderer und einem Mountainbikefahrer. Die Behörden hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Wanderer zu finden. Er soll den Radfahrer erheblich verletzt haben.

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