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Explosionsgefahr: Beim Vernichten von Nitrozellulose hat sich eine Mitarbeiterin des Landratsamts Miesbach schwere Verbrennungen zugezogen.

Was ist da schief gelaufen?

Betriebsunfall mit Sprengstoff: Was wir wissen, was wir nicht wissen

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Miesbach - Der schwere Betriebsunfall am Landratsamt, bei dem eine Mitarbeiterin Verbrennungen im Gesicht erlitten hat, wirft viele Fragen auf. Das wissen wir bis jetzt.

Wie der Betriebsunfall am Landratsamt Miesbach am 28. Juli genau abgelaufen ist, darüber tappt selbst die Kriminalpolizei Miesbach noch im Dunkeln. Das ist insofern nicht verwunderlich, als dass sie die Ermittlungen erst gestern aufgenommen hat. „Wir wussten vorher nichts davon“, sagt Andreas Guske, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung sind die Ermittler auf den Vorfall aufmerksam geworden. Die Behörde selbst hatte ihn nicht angezeigt.

Die Informationslage ist dünn. Zumindest so viel steht laut Polizei aber fest: Beim Entsorgen eines stark brennbaren Stoffes auf einer freien Fläche in Miesbach durch das Landratsamt hat sich eine 37-jährige Mitarbeiterin der Behörde Verbrennungen zweiten Grades im Gesichtsbereich und an den Armen zugezogen. Ob es sich bei der Unfallursache um eine Verpuffung oder lediglich um einen „schnellen Abbrand“ handelt, ist laut Guske Gegenstand der Ermittlungen. Auch die Art des Stoffes ist unklar. Landratsamtssprecher Gerhard Brandl nennt auf Anfrage unserer Zeitung Nitrozellulose-Pulver, umgangssprachlich als Schießbaumwolle bezeichnet.

Dass sich die Polizei für den Betriebsunfall interessiert, ist laut Guske nicht ungewöhnlich. Sobald diese von einem Vorfall Kenntnis erlange, bei dem möglicherweise eine Person durch eine andere verletzt wurde, werde ermittelt. „Es stehen Straftaten im Raum“, sagt Guske. Fragen wirft zudem auf, warum das Landratsamt den Vorfall nicht selbst angezeigt hat.

„Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Stefan Köck, Abteilungsleiter Kommunales, Sicherheit, Veterinärmedizin und Verbraucherschutz. Noch am Tag des Unfalls habe man die Personalabteilung und die Vorgesetzten informiert, einen Tag später habe auch der Landrat Bescheid gewusst. Der habe eine interne Prüfung angeordnet – unter anderem um zu klären, ob die Polizei eingeschaltet werden muss. Weil der zuständige Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit erst am Montag aus dem Urlaub zurückgekehrt sei, habe man vorerst noch abgewartet.

Zum konkreten Vorfall will sich Köck angesichts der nun laufenden Ermittlungen nicht äußern. Dass die Behörde gefährliche Stoffe entsorgen muss, komme immer wieder vor. Meistens handle es sich um Waffen, die von Erben des verstorbenen Besitzers angeliefert werden. Selten sei auch Sprengstoff darunter. „Sobald wir davon wissen, können wir die Annahme nicht verweigern“, erklärt Köck. Sollten die Besitzer den Sprengstoff wieder mitnehmen, hätte die Behörde wissentlich eine öffentliche Gefährdungslage in Kauf genommen.

Bis zur Entsorgung lagern Waffen, Munition und Sprengstoff in einem Tresor. In regelmäßigen Abständen würden sie unter hohem Sicherheitsaufwand zum Landeskriminalamt nach München transportiert. Bei bestimmten Stoffen sei auch eine Vernichtung durch die Behörde vor Ort möglich. Mehrere Mitarbeiter des Landratsamts haben dazu laut Köck die vom Sprengstoffgesetz vorgeschriebene Berechtigung und seien auch entsprechend geschult.

Der Betriebsunfall wird laut Köck intern genau untersucht. „Wir nehmen das zum Anlass, die Einhaltung der Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren“, sagt er. Ob dabei auch eine Straftat passiert ist, wird die Kripo klären. Die Zeugenvernehmungen sind laut Guske bereits angelaufen. Von einer Verschleierung seitens der Behörde sei aber aktuell nicht auszugehen.

sg

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