Foto mit Sappl samt Fass und Brot entsteht am 22.4.
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Foto mit Sappl samt Fass und Brot entsteht am 22.4.

Unzählige Liter landeten im Abfluss

Emotionales Getränk steckt in der Krise: Weil Wirtshäuser geschlossen sind, leiden Brauereien

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Seit der Corona-Pandemie steckt das Fassbier in einer tiefen Krise. Unzählige Liter wurden seither einfach weggeschüttet, weil Wirtshäuser geschlossen sind. Drei Brauereien aus dem Landkreis berichten, was das für sie bedeutet. Sappl Bräu aus Holzkirchen wirbt derweil mit Bierbrot.

Landkreis – Geschmacklich sei der Unterschied gar nicht so groß zwischen Flaschenbier und Fassbier, meint Wolfgang Sappl. Es gehe vielmehr um das Gefühl. „Ein Fassbier ist etwas Besonderes, das kriegt man zu Hause nicht“, sagt der Holzkirchner Braumeister. Man genießt es im Kreise seiner Freunde, in einer Wirtschaft. „Es ist ein emotionales Getränk.“ Doch seit Corona steckt das Fassbier in der Krise. Es wird nicht mehr abgefüllt. Sappl Bräu, die Weißbierbrauerei Hopf in Miesbach und das Brauhaus Tegernsee berichten, wie sie damit umgehen.

Im Herbst 2020 stellte Sappl Bräu, eine kleine Zwei-Mann-Brauerei, die Fassbier-Produktion ein, berichtet Sappl. „Weil im November die Wirtschaften schließen mussten.“ Eine Zeitlang lagerten sie die Fässer ein. „In der Hoffnung, dass die Lokale öffnen.“ Schließlich wollte man die Wirte, die Hauptabnehmer für die Fässer, nicht sitzen lassen. Doch als kein Ende in Sicht war, kam der Brauer in einen Gewissenskonflikt. Gut neun Monate sei das Bier zwar im Fass haltbar. „Aber je länger es lagert, desto mehr verändert sich der Geschmack.“ Irgendwann wird es schlecht. Das Fassbier wegzuschütten, das brachte Sappl nicht fertig. Schließlich gehe es nicht nur ums Geld. „Wir machen Bier aus Leidenschaft, es ist ein Handwerk.“

Emotionales Getränk steckt in der Krise: Weil Wirtshäuser geschlossen sind, leiden Brauereien

Da kam ihm die Idee mit dem Bierbrot. Wobei, ganz neu war sie nicht. Bereits während der Fastenzeit 2020 machte die Holzkirchner Bäckerei Ratschiller’s Brot aus Sappls Fassbier. Damals durfte Sappl sogar mal einen Tag in der Backstube mithelfen. Deshalb wurde man sich dieses Mal schnell einig. Heuer belieferte Sappl die Bäckerei mit 800 Litern Fassbier. Die leicht malzig-hopfigen Aromen schmecke man raus. „Ich bin ein totaler Fan davon“, sagt Sappl. Weil es gut angenommen wurde, gibt es das Bierbrot noch länger, also bis Mitte Mai.

Insgesamt sei der Gastroanteil bei Sappl Bräu gering. „Wir sind auf das Flaschenbier, den Einzelhandel spezialisiert“, erklärt Sappl. Insofern könne seine Brauerei die Ausfälle gut wegstecken. Weitaus mehr tun die geschlossenen Wirtschaften der Weißbierbrauerei Hopf in Miesbach weh. Der Gastroanteil liege in normalen Zeiten bei 33 Prozent, berichtet Geschäftsführer Tilo Ruttmann. Der Fassbieranteil wiederum mache 15 Prozent aus. Der fehlende Umsatz sei hier verkraftbar. Aber unschön.

Bier steckt in der Corona-Krise: „Einen Teil haben wir weggeschüttet“

Auch die Weißbierbrauerei stoppte im Oktober 2020 die Fassbierproduktion. Einen Teil der an die Lokale ausgelieferten Fässer nahm die Brauerei wieder zurück. „Einen Teil haben wir weggeschüttet.“ So groß seien die Mengen allerdings nicht gewesen. „Der Lockdown war ja absehbar“, meint Ruttmann. Das überschüssige Fassbier weiterverarbeiten möchte die Miesbacher Brauerei nicht: „Da lohnt sich für uns der Aufwand nicht.“

Etwas anders sieht es beim Brauhaus Tegernsee aus. Ein kleiner Bruchteil des Fassbiers gehe in die Brotfertigung, berichtet Geschäftsführer Christian Wagner. „Ein paar Anbieter sind im Lockdown dazu gekommen.“ Darunter ein Schnapsbrenner, der einen Bierbrand herstellt. In normalen Zeiten macht das Fassbier laut Wagner etwa ein Drittel des Geschäfts aus. „Das ist für uns jetzt alles andere als erfreulich.“ Auch das Brauhaus stellte die Fassbierproduktion ein. Und habe viele Fässer von den Gastronomen zurückgenommen. „Aus Kulanz, nicht aus Verpflichtung.“ Auch, um in Kontakt zu bleiben und die Wirte, die stark unter der Krise leiden, zu unterstützen.

Bier in der Krise: Ausfälle können teilweise durch Flaschenverkauf kompensiert werden

Angesichts des begrenzten Haltbarkeitsdatums musste viel Bier – insgesamt 2500 bis 3000 Fässer – vernichtet werden, heißt: in den Kanal geschüttet. Klinge zwar nicht schön. „Hilft aber nichts.“ Wie berichtet, hatte das Brauhaus fünf Fässer à 30 Liter an das Landratsamt verbilligt verkauft. Daraufhin stand der Verdacht der Vorteilsnahme im Raum, inzwischen hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aber eingestellt.

Gestiegen seien die Absätze in Richtung Getränkemärkte, sagt Wagner. „Dadurch kann ein Großteil der Ausfälle etwas kompensiert werden.“ Bier werde im Moment eben mehr zu Hause konsumiert. Fassbier herstellen will das Brauhaus erst wieder, „wenn es Klarheit gibt“, meint Wagner. Ähnlich geht man in Miesbach vor. Wenn es wieder losgeht, könne es aber schnell gehen, erklärt Sappl aus Holzkirchen. Nach zwei Wochen sei das Bier fertig. Der Herstellungsprozess sei derselbe wie beim Flaschenbier, es werde eben nur anders abgefüllt. „Dann ist es sofort verzehrfertig.“

von Marlene Kadach

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