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Trügerische Ruhe: Bisweilen geht es auf dem Abenteuerspielplatz am Miesbacher Nordgraben wild zu. Erwachsene Störenfriede machen Familien Angst.

"Nix zu sehen außer Bierflaschen und Scherben"

Mamas sauer über Störenfriede am Abenteuerspielplatz

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Miesbach - Ein verwunschener Ort für kleine Abenteurer – das war der Spielplatz am Miesbacher Nordgraben früher einmal. Heute sorgen dort große Störenfriede für wilde Zustände - zum Ärger der Eltern.

Abenteuerlich geht es von Zeit zu Zeit auf dem Spielplatz am Miesbacher Nordgraben zu. Das liegt weniger an Hutschn, Holzturm und Seilbahn, sondern vielmehr an Glasscherben, Zigarettenkippen und einem – vorsichtig ausgedrückt – unpassenden Publikum aus jungen Männern. „Die haben sich auch schon geprügelt“, sagt Xani Reckmann, die mit ihrer Familie im nahegelegenen Gewerbegebiet Nord wohnt. Sicher fühlt sie sich auf dem Abenteuerspielplatz schon lange nicht mehr. Alleine hingehen lassen will sie ihre beiden Töchter im Alter von sechs und acht Jahren erst recht nicht. Das macht sie traurig. „Es wäre ja eigentlich ein schöner Spielplatz.“

Reckmann ist mit ihrem Unmut nicht allein. Auch auf der Facebook-Seite des Miesbacher Merkur tauchen immer wieder Kommentare von besorgten Eltern auf. „Weit und breit nix zu sehen außer Bierflaschen und Scherben“, schreibt eine Mutter. „Traut sich da jemand mit Kind noch hin?“, fragt eine andere.

Eine Entwicklung, die auch den Mitgliedern des Förderkreises Erholungsgebiete Miesbach ein Dorn im Auge ist. Sie kümmern sich in Absprache mit der Stadt ehrenamtlich um den Abenteuerspielplatz. Eine Aufgabe, die dem Vorsitzenden Thomas Faltlhauser bisweilen wie der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen vorkommt. Besonders schlimm war es im vergangenen Jahr. „Da haben wir 200 leere Wodka-Flaschen eingesammelt“, berichtet er. Auch ein Feuer wurde schon mal mutwillig gelegt. 

Die Übeltäter seien vorrangig junge Männer, auch für manche Asylbewerber oder Obdachlose ist der Spielplatz offenbar ein beliebter Aufenthaltsort. „Wir haben ja nix dagegen, wenn dort jemand Brotzeit macht“, sagt Faltlhauser. Aber bitte ohne Alkohol zu konsumieren oder Glasscherben und Zigarettenkippen zu hinterlassen.

Um der ungeliebten Gäste Herr zu werden, haben die Förderkreismitglieder – darunter viele Rentner – bereits die Polizei um Hilfe gebeten. Die Beamten empfahlen ihnen, Hinweisschilder mit klaren Nutzungsregeln aufzustellen. „Damit sie eine Handhabe haben, die Störenfriede rauszuschmeißen“, erklärt Faltlhauser. Tatsächlich ist der Abenteuerspielplatz seitdem offiziell nur noch für Familien mit Kindern bis zwölf Jahren und bis 20 Uhr geöffnet. Ob die Regeln eingehalten werden, überprüfen Polizeistreifen sowie die Förderkreismitglieder selbst. „Immer wenn wir in Miesbach unterwegs sind, fahren wir am Nordgraben vorbei und schauen nach dem Rechten“, erklärt Faltlhauser.

Eine Kontrolle rund um die Uhr sei aber nicht möglich. Und den Spielplatz zusperren will der Förderkreis auch nicht. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die ungeliebten Gäste immer wieder auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Eine bisweilen abenteuerliche Angelegenheit.

sg

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