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Eingespieltes Ensemble: Das Orchester des Freien Landestheater Bayern probt derzeit im Waitzinger Keller für die Oper „Der Freischütz“. Ab sofort sind die Musiker auch für andere Veranstalter buchbar.

Sie werden aus Osteuropa mit dem Bus angekarrt

Billig-Orchester machen heimischen Musikern Konkurrenz

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Landkreis - Sie sind eingespielt, haben die wichtigsten Klassiker drauf – und sind billig zu haben. Orchester aus Osteuropa machen selbst etablierten Musikern im Landkreis Miesbach Konkurrenz. 

Das Angebot klingt verlockend. Ein komplettes Orchester mit jeder Menge Klassikern im Repertoire. Und das zum absoluten Billigpreis – Generalprobe inklusive. Ein Anruf genügt, und ein Bus voller Musiker rollt aus Tschechien, Polen oder Ungarn in den Landkreis. Ein Traum für alle vom Budgetzwang geplagten Chorleiter, Kirchenmusiker oder Kulturveranstalter, möchte man meinen. 

Während ein Mittelklasse-Musiker hierzulande im Schnitt 120 Euro pro Konzert kostet, spielen die Kollegen aus dem Osten für ein Drittel dieser Summe auf. Eine ernstzunehmende Konkurrenz also für alle Orchester, die ihre Geiger, Flötisten und Cellisten mit deutschen Löhnen bezahlen müssen? „Der europäische Tourneemarkt ist in der Tat hart umkämpft“, bestätigt Rudolf Maier-Kleeblatt. Der Miesbacher hat das Freie Landestheater Bayern (FLTB) gegründet und dirigiert das hauseigene Orchester mit 50 Musikern. Schon in den vergangenen Jahren spielte das Ensemble auch außerhalb des Theaterdienstes, zum Beispiel bei Gottesdiensten und Konzerten im Münchner Liebfrauendom. Gut 100 Termine kamen pro Jahr zusammen. 

Seit Anfang Januar steht das Orchester nun offiziell allen bayerischen Veranstaltern zur Verfügung. Dazu hat sich ein eigener Trägerverein gegründet: die Orchesterfreunde Bayern. Vorsitzender und Solo-Flötist Andreas Haas, seine Stellvertreterin und Konzertmeisterin Maria Andersohn und dritter Vorsitzender Maier-Kleeblatt haben ein gemeinsames Ziel: „Unser Orchester soll sich weiterentwickeln“, sagt Maier-Kleeblatt. Und sich damit von der günstigen Konkurrenz aus dem Osten abheben, wie Haas betont: „Wir wollen ein Gegengewicht zur Überschwemmung des Landes mit osteuropäischen Billigorchestern bieten.“ 

Für Sebastian Schober, Dirigent des Palestrina Motettenchors Tegernsee und künstlerischer Leiter der Konzertreihe „Musica Sacra Tegernsee“, ist das Angebot aus Osteuropa nichts neues. „Das gibt’s seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs“, sagt er. Und an der Qualität gebe es an sich nichts auszusetzen. „Das sind hervorragende Musiker, die gut zusammenspielen“, sagt Schober. Ein echter Vorteil für Konzertveranstalter. Denn statt aufwändig 30 bis 40 Einzelpositionen zu besetzen, sei mit einem Anruf alles erledigt. Doch obwohl sein System – nachmittags Probe, abends Konzert – an sich gut zu den Sinfonieorchestern aus Pilsen und Prag passen würde: Gebucht hat Schober diese nie. Er setzt lieber auf einen festen Stamm von freiberuflichen Orchestermusikern aus dem Münchner Raum. Aus gutem Grund: „Nur da kann ich meine eigene Handschrift einbringen“, sagt Schober. Bei einem Komplettpaket spiele das Ensemble dagegen nur das, was der Konzertmeister vorgibt. Was bei einem Neujahrskonzert mit Strauss und Co. kein Problem ist, wird bei speziellen Oratorien zum Problem. Und das macht für Schober der günstigere Preis nicht wett.

Aber auch so habe er bislang noch keine Musterrechnung aufgemacht. Davon rät Maier-Kleeblatt auch allen anderen Veranstaltern ab. Denn was im Preiskampf gerne untergeht, ist der moralische Aspekt. „Die Bedingungen, unter denen Musiker in Osteuropa arbeiten, sind teilweise skandalös“, sagt er. Nicht nur in Bezug auf den Verdienst, sondern auch im Hinblick auf die Arbeitszeiten. „Die steigen um 4 Uhr in der Früh in den Bus, spielen nachmittags die Generalprobe, machen kurz Brotzeit, geben ein Konzert und fahren wieder heim“, berichtet Maier-Kleeblatt. Ein Gefühl für den Spielort oder eine persönliche Beziehung zum Chor könnten sie dabei nicht entwickeln. Dabei sei das ausgesprochen wichtig für die Interpretation. Nicht nur deshalb plädiert der Dirigent dafür: „Das Finanzielle darf in der Kunst eigentlich keine Rolle spielen.“

Das Orchester des FLTB ist auch für alle Veranstalter aus dem Landkreis buchbar. Infos erteilt Rudolf Maier-Kleeblatt unter 08025/7307 sowie per E-Mail an r-m-k@fltb.de.

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