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Ein Dorf inmitten der Kreisstadt: Die Kulisse für das Stück „Die Rumplhanni“, die der Miesbacher Trachtenverein an seiner Trachtenhütte aufbaut, hat ein reales Vorbild: Es steht im Freilichtmuseum Großgmain bei Salzburg.

100 Jahre Stadterhebung Miesbach

„Die Rumplhanni“: Hier gibt‘s einen Blick hinter die Kulissen

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Das Stück „Die Rumplhanni“, das der Miesbacher Trachtenverein zum Jubiläum 100 Jahre Stadterhebung aufführt, ist auch beim Bühnenbau eine besondere Herausforderung. Innerhalb einer halben Stunde soll aus einem Dorf das alte München werden. Ein Blick hinter die Kulissen.

Miesbach – Nach Feierabend wird der Hang zwischen Trachtenhütte und Waitzinger Park in Miesbach zur Baustelle. Ein Teil eines oberbayerischen Dorfs soll entstehen – zumindest gerade so viel, dass sich die Zuschauer unterhalb der Trachtenhütte so fühlen, als befänden sie sich mitten in einem solchen.

Stefan Baumgartner bringt gehörig viel Erfahrung, wenn es darum geht, für ein Stück den passenden Rahmen zu bauen. Seit 20 Jahren leitet der 58-Jährige beruflich den Kulissenbau am Münchner Residenztheater. Dieses Wissen fließt nun – mit vergleichsweise einfachsten Mitteln, denn das Budget ist klein – in die Bühne der Rumplhanni. „Es muss alles authentisch sein“, erklärt Baumgartner, „denn es ist ein ernstes Stück.“ Damit müssen die Proportionen der Gebäude zu den Darstellern passen. Wären die Häuser zu klein, würde es seltsam wirken. „Das geht vielleicht bei einer Komödie, aber nicht hier.“

Schrauben am Bühnenbild: Stephan Rühl (vorne) sowie (v.l.) Gabriel Sack Mütze, Michael Gremb und Klaus Ruml.

Die Szenerie besteht aus drei Gebäuden. In der Mitte steht der Kripperlstadl der Trachtler, der als aufklappbare Bühne funktioniert und die Dorfwirtschaft darstellen soll. „Man kann ihn von vorne öffnen und innen spielen“, erklärt Baumgartner. Das ermögliche es, Szenen in Häuser zu verlegen, ohne das Publikum auszusperren. Damit ist er die Ausnahme, denn die beiden Häuser daneben – links ein Bauernhof, rechts das Geburtshaus der Hanni – sind nur Kulisse: Man kann davor spielen oder am offenen Fenster, aber zumeist findet die Rumplhanni im Freien statt. „Denn dort“, sagt Baumgartner, „spielt das dörfliche Leben.“

Zweimal pro Woche trifft sich die Gruppe der Bühnenbauer in ihrer Freizeit, um den Dorfplatz für die Rumplhanni entstehen zu lassen. Etwa 15 Leute sind regelmäßig und zuverlässig dabei, hämmern, schrauben, messen und bemalen Teile. Alles soll echt aussehen, aber nicht echt sein. Entsprechend sind die Anforderungen an die verschiedenen Materialien. „Sie müssen leicht sein, aber auch stabil“, sagt Baumgartner. „So leicht wie möglich und so stabil wie nötig.“ Immerhin muss die Kulisse auch den einen oder anderen Schauspieler tragen können.

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Das Publikum – und das ist der Clou bei der Miesbacher Rumplhanni – befindet sich gefühlt mitten im Geschehen. Die Bühne ist ein Halbkreis, der ins abfallende Gelände integriert ist. „Das ist nicht einfach, in die Schräge zu bauen“, stellt Baumgartner fest, „aber es verspricht visuelle Spannung.“ Und mit 30 Metern Bühnenbreite ist ein breiter Aktionsradius garantiert, bei dem es viel zu sehen gibt.

Die eigentliche Herausforderung ist der zweite Teil des Stücks. Der erste spielt in Hannis Dorf, der zweite in München – im Armenviertel Au. Gerade mal eine halbe Stunde hat das Technikerteam Zeit, die Verwandlung der Szenerie zu vollziehen. Der Trick ist einfach und doch verblüffend: Die Stadtfassaden werden auf bedruckten Rollfolien vor das Dorf gehängt – bis zu sechs Meter hoch.

Auge fürs Detail: Alles hat seinen Platz. Stefan Baumgartner (l.) und Franz Xaver Laußer montieren das Geweih.

Generell entsprangen die Fassaden in Dorf und Stadt nicht der Fantasie. Sie haben reale Vorlagen, wie Paul Martin erklärt: „Das Original steht im Freilichtmuseum Großgmain bei Salzburg.“ Für den Nachbau sei es einfacher, ein bestehendes Gebäude zu nehmen, statt eines neu zu berechnen. Was aber bedeutet, dass man das Einverständnis des Eigentümers braucht.

Die Anforderungen, die eine Bühnenkulisse hat, kennt der Schreiner und Zweite Vorsitzende der Miesbacher Trachtler, der bei der Rumplhanni als Werkstattleiter fungiert, bestens. Denn der 52-Jährige hat auch beruflich mit Bühnenbau zu tun. Er kennt die Tricks, die es braucht, damit das Stück seine maximale Wirkung entfalten kann. So werden beispielsweise die Häuserteile auf der Rückseite mit einer schwarzen Folie bespannt, damit das Publikum dahinter scheinendes Licht nicht durch die Ritzen schimmern sehen kann. „Das, was wir hier bauen, ist ja nur für den Moment“, sagt er, „und nicht für die Ewigkeit.“ Was eigentlich schade ist angesichts des Herzbluts, das darin steckt. „Mal sehen, vielleicht können wir ja das eine oder andere Bauteil aufheben und nochmals verwenden.“

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Auf die raffinierte Kulisse ist nicht nur Martin stolz, sondern auch Baumgartner – weil so viel Idealismus darin steckt. „Wer so etwas realisiert, hat Freude daran, wenn möglichst viele Leute kommen. Das ist die Wertschätzung für unsere Arbeit, wenn die Ränge voll sind und die Leute sich freuen, weil sie etwas Außergewöhnliches erlebt haben.“ Sehenswert sei die Rumplhanni in jeder Hinsicht. „Es verspricht beeindruckendes Theater zu werden.“

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