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Kaum etwas los am Miesbacher Bahnhof am Dienstagmorgen.

„Das kommt bei den Falschen an“

BOB: Miesbacher Pendlerin findet Streik "rücksichtslos"

Schliersee - Die Mitarbeiter von BOB und Meridian haben am Dienstagmorgen den Ausstand geprobt. Was der Streik für die Fahrgäste in Schliersee und Miesbach bedeutet hat, haben wir auf dem Bahnhof erfragt. 

Es ist 7 Uhr morgens und noch dunkel, außerdem ist es klirrend kalt. Der Bahnhof in Schliersee ist wie ausgestorben. Auf den Gleisen steht die BOB, Eiszapfen haben sich am Fahrwerk gebildet und das Licht ist aus. Nur die 14-jährige Susanne Maier steht dort. Sie muss nach Miesbach in die Schule, doch von ihren Schulkameraden fährt keiner ab Schliersee und von ihrer Familie kann sie niemand mit dem Auto fahren. „Von der Schule hieß es, wir müssen auf jeden Fall kommen und sollen Fahrgemeinschaften bilden“, erzählt sie. Nirgendwo ist angeschrieben, wann der Bus fährt oder ob doch ein Zug kommt. Für das Mädchen heißt es warten, und das bei Minusgraden.

Am Dienstag hat die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) ihre Drohung wahr gemacht: Mitarbeiter von BOB und Meridian waren zum Warnstreik von 2 bis 9 Uhr aufgerufen. Betroffen waren vor allem Pendler.

Am Miesbacher Bahnhof warten ein paar dieser regelmäßigen Zugfahrer. Es ist 7.30 Uhr und verhältnismäßig wenig los. Carmen Herzog aus Wörnsmühl muss nach München zur Arbeit, erst im Bus auf dem Weg nach Miesbach hat sie von dem Streik erfahren. Was sie jetzt machen soll, weiß sie nicht. Den Streik findet sie „rücksichtslos“. „Das kommt bei den Falschen an“, sagt sie.

Um 7.48 Uhr fährt ein Zug in den Bahnhof ein. Er soll die Wartenden nach Holzkirchen bringen, ab da können sie mit der S-Bahn weiter nach München. Auf diesen Zug wartet auch Matthias Leifer aus Miesbach. Er muss wie viele andere nach München. Auf die BOB ist er extrem sauer, aber nicht erst seit dem Streik. „Am Samstag bin ich mit einigen anderen in München gestrandet“, erzählt der 42-jährige Miesbacher. Der letzte Zug um 0:05 Uhr sei einfach nicht gefahren, die Telefonhotline habe ihm gesagt, er solle sich eben ein Taxi nehmen. Und nun, zwei Tage später, steht Leifer schon wieder am Bahnhof und wartet auf den Zug. „Ich fahre gern mit der Bahn, aber nicht wenn ich immer nur zu spät komme und Ärger habe“, erklärt er frustriert.

Aus dem Zug, der in Miesbach hält, steigt Siegfried Maier. Er kommt aus Neuhaus und arbeitet in der Kreisstadt. „Ich habe mich im Internet informiert, wann etwas fährt“, erzählt er. Zuhause hätten sie dann besprochen, wie sie den Tag organisieren und wie die Kinder in die Schule kommen. Für Maier sei der Streik kaum ein Problem gewesen. Ab Neuhaus fährt er allerdings immer gemeinsam mit Kollegen. „Alle anderen sind heute gar nicht gefahren“, sagt er. Ob die sich einen Tag Urlaub genommen haben – streikbedingt – oder sich anderweitig organisiert haben, weiß der Neuhauser nicht.

Ein Bahnstreik bedeutet für alle Pendler einen hohen organisatorischen Aufwand. Aber auch mit guter Planung kommt man nicht immer da an, wo man hin möchte. Zumindest nicht pünktlich. In der Miesbacher Bahnhofshalle wartet Alicia Weber (20) mit einer Freundin. Die beiden kommen aus Dachau und müssen zu einem Ergotherapie-Praktikum ins Krankenhaus nach Agatharied. Um 8 Uhr haben sie bereits einen Marathon hinter sich: mit der S-Bahn zur Donnersbergerbrücke, von dort weiter zum Münchner Hauptbahnhof, hier in die S-Bahn nach Holzkirchen und dann mit dem Bus nach Miesbach. „Ich bin seit 6 Uhr unterwegs“, erzählt die 20-Jährige. Sie habe mehrere Male im Internet geschaut, bei dem Zug, den sie normalerweise bis Agatharied nimmt, habe gestanden, dass er normal fahre. Die beiden Praktikantinnen schütteln nur den Kopf, sie nehmen die Situation einigermaßen gelassen. „Streik ist halt Streik“, sagt Weber. Bis sie allerdings weiter fahren kann zum Praktikum wartet sie lieber drinnen. Verständlich, bei diesen Temperaturen.

Zum aktuellen Stand: BOB und Meridian gehen in einer Pressemitteilung davon aus, dass sich der Zugverkehr in Kürze wieder planmäßig einstellt. Der Streik sei seit 9 Uhr beendet, die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Bis mindestens kommenden Mittwoch, 27. Januar, soll nun eine Streikpause eintreten. Das verlautete aus Gewerkschafts-Kreisen. An diesem Tag werden sich EVG und BOB-Geschäftsführung erneut zu Verhandlungen zusammensetzen. Voraussetzung ist, dass die BOB-Geschäftsführung bis dahin ein neues Angebot vorlegt, über das verhandelt werden kann (dw).

Von Nina Probst

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