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Auf dem Laufsteg: Elf verschiedene Werkstätten präsentieren ihre Trachtengewänder bei einer Modenschau im Waitzinger Keller.

Brauchtum - Tracht - Tradition in Miesbach

Markt verregnet – Stimmung bewölkt

Miesbach - „Brauchtum, Tracht, Tradition“ hieß der große Markt am Wochenende. Das schlechte Wetter forderte aber seinen Tribut. Vor allem die Standbetreiber waren alles andere als glücklich.

Liebevoll und mit viel Überlegung hatten die Veranstalter ein Gesamtpaket geschnürt, doch bei dem Wetter wollten selbst in den wenigen Sonnenstunden am Samstag die Leute offenbar nicht vor die Tür. Eine Vielzahl von Aktivitäten war rund um den Marktplatz geplant. Ein Stand mit einem Glasmacher, ein Ledersäckler und eine Schaukelpferd-Schnitzerei gab es zu bestaunen, ansonsten war hier sozusagen das Esszimmer der Veranstaltung eingerichtet. Ob süße Zuckerwatte und Herzerl, Bratwurscht und Hopf-Getränke oder Kaffee und Kuchen: Der Untere Markt sollte dem gemütlichen Zusammensein dienen. Hauptattraktion war der Stand „Haare bayerisch flechten“. Unterm Zeltdach ließen sich viele junge Mädchen die Haare schön aufstecken oder gleich zeigen, wie sie es selbst machen können. Die Schlierseer Goaßlschnalzer präsentierten ihre Kunst, und auch ein Schaukampf der Waldecker unterhielt die Zuschauer.

Aber kräftige Regengüsse verlangten dann immer wieder Improvisationstalent. Eigentlich wollte die Kindergruppe des Trachtenvereins Miesbach auf der Bühne ihre Plattler und Dreh-Fähigkeiten zeigen, musste dann aber auf langsamere Tänze umstellen, weil der Bühnenboden einfach zu rutschig und nass war. Der Musikverein Miesbach sorgte dennoch für schöne Klänge.

Am Sonntag wurde das Markttreiben draußen eingestellt. Man verlegte einige Stände in den Waitzinger Keller oder baute ganz ab. Wer vom Unteren Markt zum Waitzinger Keller hinaufwanderte, konnte sich bei einer kleinen Stadtführung die Stadt Miesbach genauer anschauen. Am Habererplatz gab es als Pausenunterhaltung einen „Hau den Lukas“- Stand und eine nostalgische Foto-Wand, wie sie um 1900 Attraktion auf jedem Jahrmarkt war.

Einigermaßen enttäuscht äußerten sich die Aussteller um den Waitzinger Keller. „Ich bin extra aus der Holledau hierher angereist“, sagte der Verkäufer einer Gärtnerei. „Aber es ist nix los. Für mich rentiert es sich schon nicht mehr.“ Ob Käse, Hüte oder eben Schönes für den Garten: Es gab schlicht zu wenig Käufer, obwohl 700 Besucher am Samstag gezählt wurden. „Am Sonntagmittag sind dann doch mehr Leute zum Waitzinger Keller geströmt“, informierte Veronika Leo vom Waitzinger Keller-Organisationsteam. „Und trotz des schlechten Wetters hatten wir hier eine wunderbare Stimmung.“

Die Leute konnten im Trockenen schöne Trachten und Handwerksarbeiten bewundern. 30 Aussteller aus Miesbach und der Region zeigten Taschen, Messer, selbstgestrickte Loiferl und Wadlstrümpf sowie handgemachte Dirndl. Auch schöne Haarsteck-Accessoires und Trachten-Schmuck vom Haushamer Goldschmied Geissler gab es zu sehen. Bei einer Modenschau präsentierten elf Werkstätten ihre Produkte. Das Schöne: Mit ausgewählten Stoffen, besonderen Schnitten und Gespür fürs Gute zeigten sich die Gewänder pfiffig und modisch, aber nicht zu ausgefallen. Organisatorin Leo zieht trotz allem ein positives Resümee: „Wir sind stolz drauf, dass wir in der Stadt, die die Wiege der Tracht ist, soviel Anklang mit unserem Markt finden.“

Sonja Still

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