Bayerische Regiobahn wehrt sich gegen Kritik

BRB verteidigt Lint-Züge

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Die Bayerische Regiobahn stellt in einem Positionspapier Aussagen zum Lint den Fakten gegenüber. Damit wehrt sich die BRB gegen den Vorwurf, die Züge seien nicht barrierefrei.

Blick in den Lint: Rollstuhlfahrer-Bereich vor der Toilette.

Landkreis - Bereits vor dem Pressegespräch hat die Bayerische Regiobahn (BRB) ein umfangreiches Positionspapier zur Barrierefreiheit des Lint 54 veröffentlicht. In einem sechsseitigen Anhang stellt der Zugbetreiber „Aussagen und Fakten“ zu den neuen Fahrzeugen gegenüber. Zur Veranschaulichung sind Fotos und Planausschnitte sind beigefügt. Den einzelnen Punkten vorangestellt hat die BRB eine grundsätzliche Klarstellung: Alle für den Eisenbahnverkehr maßgeblichen Vorschriften der EU-Verordnung TSI PRM seien „vollumfänglich erfüllt“. Im „Sinne dieser Norm“ seien die neuen Triebwagen also barrierefrei. Durch zahlreiche Neuerungen sogar deutlich mehr als die alten Integrale oder Talente.

Lint Züge: Zweite Schwelle nur 1,5 Zentimeter hoch.

Spalt zwischen Bahnsteig und Zug soll mit Service ausgeglichen werden

Die BRB verschweigt aber auch nicht, dass es einen Nachteil im Vergleich zum Integral gibt: den etwas breiteren Spalt zwischen Bahnsteigkante und Zug, der ein Überbrücken erforderlich mache. „Diesen Nachteil möchten wir mit besserem Service wettmachen“, beteuert die BRB. Über außen und innen am Zug angebrachte Rufknöpfe könnten mobilitätseingeschränkte Fahrgäste aber Unterstützung durch einen Kundenbetreuer oder Triebfahrzeugführer anfordern. Dieser lege daraufhin die unmittelbar neben dem „deutlich gekennzeichneten Einstieg“ liegende und damit in „kürzester Zeit einsatzbereite“ mobile Faltrampe aus. Eine Voranmeldung für diesen Service sei – anders als bei anderen Eisenbahnunternehmen in Deutschland – nicht notwendig, betont die BRB. Es erleichtere aber die Disposition.

Vorteile überwiegen aus Sicht der BRB die Nachteile

Obendrein hätten die Neufahrzeuge etliche Vorteile, die „diesem einen Nachteil des größeren Spalts“ gegenüberstünden, schreibt der Zugbetreiber: einen zweiten Rollstuhlfahrerplatz mit zwei separaten Begleitersitzen in unmittelbarer Nähe, eine eindeutige räumliche Trennung vom Mehrzweckbereich für Fahrradfahrer, zusätzliche Notrufknöpfe, eine große, barrierefreie Toilette sowie zahlreiche neue, taktile und akustische Elemente für sehbehinderte Fahrgäste. Als weitere Erleichterung und Schritt zum unabhängigen Reisen werde die BRB wieder mobile Überfahrrampen (Riffelbleche) beschaffen und in den Zügen anbringen, sodass diese auch von Begleitpersonen oder anderen Fahrgästen an den Türen angelegt werden können. Damit sei das Verständigen des BRB-Personals nicht mehr zwingend notwendig.

„Wir haben vollstes Verständnis, dass sich Vertretende für Mobilitätseingeschränkte und Sehbehinderte für echte Barrierefreiheit im Sinne eines möglichst eigenständigen und selbstbestimmten Reisens einsetzen“, betont der Zugbetreiber. Diese Diskussion dürfe aber nicht „einseitig zulasten der BRB und deren Neufahrzeuge im Oberland“geführt oder hiermit verwechselt werden. Die BRB könne weder europaweite Vorgaben verändern, noch Richtlinien anderer Eisenbahnunternehmen außerhalb des Oberlands oder gar die unterschiedlichen Bahnsteighöhen in Deutschland beeinflussen.

Rampe mit Begleit-Sitzen in den neuen Lint-Zügen

Hochflur-Variante des Lint war keine Option

Auch mit einem Gerücht räumt die BRB auf: So werde behauptet, dass mit dem Lint 54 die falsche Zugversion bestellt worden sei. So würde vielmehr der Lint 54 H über die passende Einstiegshöhe von 76 Zentimetern verfügen. Die BRB kontert mit einer Aussage des Herstellers Alstom aus dem November 2018: „Eine Lieferung der Hochflur-Variante ist nicht möglich, da diese keine Zulassung gemäß der aktuell gültigen TSI-Norm besitzt.“

Lesen Sie auch, mit welchen Argumenten sich die Arbeitsgruppe „Barrierefrei" gegen die Lint-Züge einsetzt, und warum sich Anwohner über den Lärm der Züge und insbesondere über das Kreischen beschweren.

Rubriklistenbild: © THOMAS PLETTENBERG

Auch interessant

Kommentare