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Alle Bandbreiten auf einer Karte: Reinhard Stephan, Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Miesbach, hat als Breitbandmanager alle Internetanschlüsse im Landkreis erfasst.

Interview zum schnellen Internet

Breitbandmanager zu Problemen: „Die hohe Nachfrage hat alle überrascht“

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Viele Bürger im Landkreis warten weiter auf das schnelle Internet. Offene Baugruben sorgen für Ärger. Wir haben Breitbandmanager Reinhard Stephan zu den Problemen befragt.

Miesbach – Papier hat Reinhard Stephan (62) größtenteils von seinem Schreibtisch verbannt. Nur wenn es unbedingt sein muss, greift er auf Ausdrucke oder alte Karten zurück. Ansonsten arbeitet der Breitbandmanager aber digital. Damit das auch alle anderen Bürger im Landkreis können, braucht es flächendeckend schnelles Internet. Für den Aufbau der nötigen Infrastruktur ist Stephan als Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Miesbach nun seit rund viereinhalb Jahren zuständig. Wie es aussieht mit der Datenautobahn und wo es sich noch staut, haben wir ihn im Interview gefragt.

-Wie schnell sind Sie im Internet unterwegs, Herr Stephan?

Reinhard Stephan: Hier im Büro mit 50 Mbit pro Sekunde. Das aber erst seit Anfang dieses Jahres. Da hat ein Netzbetreiber nach einer europaweiten Ausschreibung für die digitale Erschließung aller bayerischen Behörden rund zehn Kilometer Glasfaser von Irschenberg zu uns und und weiteren Ämtern in Miesbach verlegt. Glauben Sie aber nicht, dass bei uns alles reibungslos geklappt hat. Auch wir hatten wochenlang eine Baugrube vor der Tür.

-Für viele Bürger ist das ein Sinnbild für die schier endlosen Probleme und Ärgernisse mit dem Breitbandausbau im Landkreis. Woran hakt es denn?

Reinhard Stephan: Das kann man so pauschal nicht beantworten. Man muss vielmehr zwischen dem bayerischen Förderverfahren und der konkreten Umsetzung unterscheiden. Für grundsätzliche Fragen zum ersten Teil ist die Vermessungsabteilung im Finanzministerium verantwortlich. Um die Unterstützung der Kommunen vor Ort kümmere ich mich gemeinsam mit einem Mitarbeiter und den von den Gemeinden beauftragten Beratungsfirmen. Teil zwei ist Aufgabe der Netzbetreiber und der Baufirmen. Dass es nun beim Ausbau klemmt, liegt letztlich auch an der hohen Nachfrage am Förderverfahren.

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-Inwiefern das?

Reinhard Stephan: In weniger als fünf Jahren sind 422 von 500 Kommunen in Oberbayern neu ins Breitbandförderverfahren eingestiegen. Im Landkreis Miesbach waren zeitweise alle 17 Kommunen dabei, jetzt sind es noch 15. In Tegernsee und in Holzkirchen realisieren die Netzbetreiber den Komplettausbau auf eigene Kosten. Dass das Förderverfahren so hervorragend angenommen wird, hat alle überrascht.

-Der Breitbandausbau leidet also gewissermaßen am eigenen Erfolg?

Reinhard Stephan: So sehe ich das. Das Verlegen und Anschließen der Glasfaserkabel ist komplex, dazu braucht man Fachleute. Diese, insbesondere die Baufirmen, sind überlastet. Die Netzbetreiber tun ihr Bestes, damit das Verfahren nicht weiter ins Stocken gerät. Die Telekom greift deshalb verstärkt auf Unternehmen aus dem Ausland zurück.

-Mit der Folge, dass in vielen Kommunen offene Löcher klaffen, das schnelle Internet aber weiter auf sich warten lässt...

Reinhard Stephan: Es ist richtig, dass es dabei immer wieder zu ärgerlichen Zwischenfällen oder Folgeschäden kommt. Nur auf die Telekom zu schimpfen, greift aber zu kurz. Zumal ein zügiger Abschluss der Arbeiten ja auch im Interesse der Netzbetreiber liegt. Sie wollen als Wirtschaftsunternehmen keine Negativwerbung, sondern Geld verdienen.

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-Daran sollte es aber doch eigentlich nicht scheitern. Den Aufbau der Infrastruktur zahlen ja der Staat und die Gemeinden.

Reinhard Stephan: Das schon, aber der laufende Betrieb kostet auch viel Geld. Alleine die Kästen, in denen die Lichtsignale der Glasfasern in die elektromagnetischen Impulse für die Kupferkabel zu den Hausanschlüssen umgewandelt werden, verbrauchen pro Jahr etwa so viel Energie wie ein Einfamilienhaus. Wenn dann nur eine Hand voll Vertragsnehmer dran hängt, die alle 40 Euro pro Monat bezahlen, wird es eng mit der Wirtschaftlichkeit. Gerade bei weit verstreuten Siedlungen, wie wir sie auch im Landkreis Miesbach oft antreffen, ist das ein großes Problem. Das spüren übrigens auch die Gemeinden beim Ausbau.

-Wie sieht es denn da aktuell aus?

Reinhard Stephan: Die Baufirmen sind im Schnitt für 80 bis 85 Prozent der Haushalte im Landkreis mit dem Ausbau Bandbreite auf mindestens 30 Mbit pro Sekunde beauftragt. Nach Abschluss aller Arbeiten werden aus heutiger Sicht 95 bis 98 Prozent aller Gebäude einen schnellen Internetzugang haben. Im Oktober 2013 waren wir noch bei unter 30 Prozent. Man sieht also, dass sich schon einiges getan hat. Dahinter steckt aber eine Menge Arbeit. Gerade die Anfangszeit war schwierig.

-Warum?

Reinhard Stephan: Weil wir Breitbandmanager – jeder Landkreis hat einen – kaum Vorlaufzeit hatten. Nach der Landtagswahl 2013 ist die Aufgabe der Breitbandberatung den Leitern der 51 Vermessungsämter zugefallen. Im Frühjahr 2014 haben wir nahezu bei null angefangen. Wir mussten in allen von den Gemeinden ausgewählten Erschließungsgebieten die Bandbreite für jedes einzelne von 28 234 Wohn- oder Geschäftsgebäuden prüfen. Parallel haben wir die Gemeinden auf den Einstieg ins Verfahren vorbereitet.

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-War da viel Überzeugungsarbeit notwendig?

Reinhard Stephan: Alle Bürgermeister waren sich einig, dass etwas passieren muss. Hemmschuh war und ist die Komplexität des neunstufigen Verfahrens. Die ist aber notwendig, um die korrekte Vergabe der Steuergelder sicherzustellen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Gemeinden je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit einen Eigenanteil von 10 bis 40 Prozent der Investitionssumme stemmen. Alles in allem geht es im Landkreis Miesbach beim Breitbandausbau um die Vergabe von circa 40 Millionen Euro.

-Allein mit Geld lässt sich die Umsetzung aber offensichtlich nicht beschleunigen.

Reinhard Stephan: Problem ist wie gesagt der praktische Ausbau durch die überlasteten Baufirmen. Die Telekom ist daher bei den Umsetzungsterminen schon zurückhaltender geworden und spricht mittlerweile von einem Realisierungszeitraum von 48 Monaten ab Vertragsabschluss mit den Gemeinden. Anfangs war noch von 12 Monaten die Rede.

-Besteht dann nicht die Gefahr, dass die Bandbreiten bei ihrer Freischaltung längst wieder veraltet sind?

Reinhard Stephan: Es kommt darauf an, wie man das Internet nutzt. Für mich privat reichen 30 Mbit pro Sekunde absolut, im geschäftlichen Bereich natürlich nicht. Das wird von den Gemeinden auch berücksichtigt, indem sie im jetzigen Förderverfahren für Betriebe die Erschließung mit erheblich höheren Bandbreiten verlangen. Außerdem wird es ab 2019/2020 ein neues Förderverfahren für Bandbreiten von flächendeckend 200 Mbit pro Sekunde und mehr geben. Wie lange das ausreicht, kann derzeit niemand sagen.

-Aber ist es dann nicht fahrlässig, dass derzeit immer noch in Kupferkabel investiert wird?

Reinhard Stephan: Dieser Irrglaube hält sich hartnäckig. Fakt ist, dass sich auch aus Kupferkabeln bis zu 200 Mbit pro Sekunde rausquetschen lassen, solange die Strecke nicht zu lang wird. Bis zum Verzweigerkasten wird ja bereits Glasfaser verlegt. Ohne diese Kombination wäre der Breitbandausbau in der Fläche momentan nicht machbar. Langfristig führt aber an Glasfaser bis ins Haus kein Weg vorbei. Das ist aber auch eine Kostenfrage.

-Weil die Kabel so teuer sind?

Reinhard Stephan:  Nein, die sind mit drei Euro pro laufendem Meter sogar relativ günstig. Anders sieht es bei den Grabarbeiten aus. Je nach Untergrund werden zwischen 20 und 80, teilweise sogar bis zu 250 Euro pro Meter fällig. Wenn man den Leuten erklärt, wie sich das auf ihre Internetkosten auswirken würde, ist der Bedarf auf einmal nicht mehr so hoch.

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