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Willkommen in den 60ern: Stimmlich und tänzerisch nehmen die Miesbacher Gymnasiasten im Musical Hairspray ihr Publikum in der Oberlandhalle mit auf eine Reise ins Zeitalter des Twist.

Broadway-Atmosphäre in der Oberlandhalle

Gymnasium überzeugt mit Musical "Hairspray"

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Miesbach - Broadway-Atmosphäre in der Miesbacher Oberlandhalle: Mit 170 Mitwirkenden hat das Gymnasium Miesbach hier das Musical "Hairspray" aufgeführt. Und hier gibt's die Teenieträume zum Nachlesen.

Teenieträume duften nach Haarspray. Zumindest zieht im Laufe des Abends der süßliche Geruch von glänzenden Hochsteckfrisuren durch die Miesbacher Oberlandhalle. Oder ist das doch nur Einbildung? Ein Streich der angesichts der bunt wirbelnden Kleider der Tänzer, der aufbrausenden Stimmen des Chors und der fröhlich-dudelnden 1960er-Jahre-Melodien des Orchesters berauschten Sinne?

Immer wieder muss sich der Zuschauer bei der Aufführung des Musicals „Hairspray“ durch das Gymnasium Miesbach daran erinnern: Ja, das sind wirklich Laien da unten auf der Bühne. Schüler, die nebenbei für Schulaufgaben und Abi pauken. Denn das, was die 170 Gymnasiasten unter der Gesamtleitung von Musiklehrer Markus Zellinger auf, vor und neben der Bühne abfeuern, ist wirklich gut. Intensiv geprobt und authentisch zugleich, und richtig witzig obendrein.

Gekonnte Show: (vorne v.r.) Thomas Steinberger als Moderator Corny Collins, Niklas Brunner als Mädchenschwarm Link Larkin und Christina Waldschütz (rotes Kleid) als verwöhnte Prinzessin Amber von Tussle.

Wo andere Musicals einen Star haben, hat „Hairspray“ elf. Und alle haben ihre Solo-Parts in der Oberlandhalle. Klar: Die Geschichte dreht sich primär um Tracy Turnblad. Ein ganz normales Mädchen, das von einer großen Karriere träumt. Als Präsidentin der Welt zum Beispiel. „Oder im Fernsehballett“, plappert Tracy (Raphaela Stanzer) fröhlich-frech ins Mikro des hyperaktiven und dauerquasselnden Fernsehmoderators Corny Collins (Thomas Steinberger). Naiv, süß, liebenswürdig.

Doch die Grenzen im Baltimore der 1960er-Jahre sind starr. „Dicke oder schwarze Vogelscheuchen“ haben in der geschniegelten TV-Show-Welt von Produzentin und „Krabbenkönigin“ Velma von Tussle keinen Platz. „Pah, pah, pah“ kreischt Elisabeth Bügler als gekränkte Diva Velma und stöckelt wutschnaubend von der Bühne, als es Tracy am Ende doch ins Finale der „Miss Teenage Hairspray“ schafft. Und damit endlich in den Armen ihres Lieblingssängers Link Larkin (Niklas Brunner) landet.

Und damit in einer Welt, „in die Leute wie wir nicht gehören“, wie Tracys Mutter Edna ihrer Tochter erklärt hatte, als diese vor dem Fernseher in Form eines überdimensionalen Bilderrahmens ihren Schwarm anschmachtete. Der Mut, die Rolle der Edna wie im Original mit einem Mann zu besetzen, geht auf. Andreas Bichler wackelt in Blümchenschürze und Pantoffeln plump, aber nie platt über die Bühne. Ist witzig, aber nie lächerlich. Und packt im Duett „Du bist zeitlos für mich“ mit „Ehemann“ und Scherzartikelverkäufer Wilbur (Julius Sattler) eine Stimme aus, die ihm trotz seines mit Kissen ausgepolsterten Resonanzkörpers wohl kaum einer zugetraut hätte.

Mama, ich bin nicht mehr klein: (v.l.) Tracy Turnblad (Raphaela Stanzer) mit ihrer Mutter Edna (Andreas Bichler).

Im Laufe des Stücks mausert sich Edna so zum heimlichen Star des Abends. Sie hält zu ihrer Tochter, als diese mit ihren schwarzen Freunden um den ebenfalls furios aufsingenden Seaweed (Dominik Zangenfeind) einen Protestmarsch vor das Studio der „Corny Collins-Show“ anführt – und im Gefängnis landet. Die Gitter halten dabei die Tänzer des Ensembles. Eine der wenigen Requisiten bei der Inszenierung des Gymnasiums.

Den Rest des Bühnenbilds zeichnen die Akteure selbst. Und wie. Wer etwa Steinberger zuschaut, wie er als Moderator und DJ Haarspray-sprühend durch die twistende Menge wirbelt, fühlt sich in die Zeit der Hitparaden und Petticoats zurückversetzt. Fast schüchtern dagegen Tracys Schwarm Link Larkin. Im silbernen Anzug wickelt Brunner als Schnulzenbarde die Mädels fast ungewollt um den Finger. Eine Traumfigur, die sich Tracy bei ihren Zukunftsfantasien („Glocken klingen hell“) wie eine Schaufensterpuppe zurechtbiegt.

Doch sie will den echten Link. Den Jungen hinter dem glatten Fernsehgesicht. Sie bekommt ihn, als er sich endlich von seiner Freundin Amber von Tussle – gut getroffen von Christina Waldschütz’ Püppchen-Stimme – lossagt und Tracy im Kittchen besucht. „Du siehst fantastisch aus“, schwärmt er das mutige Mädchen mit dem großen Traum durch die Gitterstäbe an. „Schmaaarrn“, kichert Stanzer verlegen zurück. Das klingt bairisch, liab, echt. Und bei so viel Broadway-Atmosphäre tut ein Quäntchen Heimat in der Oberlandhalle richtig gut.

Weitere Aufführungen von „Hairspray“ zeigt das Gymnasium Miesbach am heutigen Freitag sowie am Samstag und Sonntag, jeweils ab 19.30 Uhr, in der Oberlandhalle

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