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Ausweichroute: Über diese Stahlbrücke sollen Fußgänger und Radfahrer während des Abrisses der Johannisbrücke im kommenden Jahr die Schlierach überqueren. Auch die Versorgungsleitungen werden hier ausgelagert.

Straße voraussichtlich ab Freitag wieder frei

Brückensperrung: Geschäftsleute beklagen Einbußen

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Miesbach - Die Tage der Brückensperrung sind gezählt. Während die Baufirma die letzten Arbeiten ausführt, war im Stadtrat bereits von schmerzhaften Folgen für die Geschäftswelt die Rede.

Gleich zwei Johannisbrücken werden die Miesbacher in den kommenden Monaten zur Auswahl haben. Mitte vergangener Woche wurde die Fußgänger- und Spartenbrücke über der Schlierach eingehängt, am kommenden Freitag soll dann das Hauptbauwerk wieder für den Verkehr freigegeben werden. „Wir liegen sehr gut im Zeitplan“, sagt Franz Braun, der die Großbaustelle für die Stadt betreut. In den kommenden Tagen würden nun noch die Leerrohre für Wasser, Strom und Telefon verlegt. Umso mehr überrascht Braun, was ihm Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) aus der jüngsten Stadtratssitzung berichtet hat.

Da nämlich ließ Markus Baumgartner (CSU) kein gutes Haar an den Vorgängen, die sich rund um die Brückensperrung in den vergangenen sechs Wochen in Miesbach abgespielt haben. „Wir haben aus dem Sundheimer-Abriss nichts gelernt“, schimpfte Baumgartner. Er sei tief enttäuscht vom Baustellenmanagement durch die Stadt, die keinerlei Kreativität bewiesen habe. Die Auswirkungen auf die Geschäfte in der Innenstadt seien dramatisch. Er kenne Läden, die 17 Prozent Einbußen hinnehmen mussten. „Stellt Euch vor, Euch würden am Jahresende plötzlich zwei Monatseinnahmen fehlen“, sagte Baumgartner, der am Miesbacher Bahnhofsplatz das Textil- und Bettengeschäft Thoba betreibt, in Richtung seiner Stadtratskollegen.

Gesperrte Johannisbrücke - das sind die Umfahrungen

An die politischen Versprechen und „erbärmlichen Entschuldigungsversuche“ könne er deshalb nicht länger glauben. „Der seidene Faden zu den Geschäftsleuten reißt immer mehr ein“, wetterte Baumgartner. Mit großer Sorge blicke er auf die mindestens viermonatige Brückensperrung 2017. „Da fahren wir mit Vollgas gegen die Wand.“

Zumindest im Stadtrat war Baumgartner mit seiner Kritik nicht allein. Auch Erhard Pohl (CSU) hatte einen dicken Hals. Ihn ärgerte, dass die Brücke an den arbeitsfreien Wochenenden nichts weiter sei als ein Maschinenparkplatz. „Warum kann man da die Absperrung nicht wegmachen?“, fragte Pohl. Dazu müsse man nicht mal die Beschilderung ändern. „Das wäre ja nur ein Entgegenkommen für die Anwohner.“

Für die Bürgermeisterin kam das nicht in Frage. Eine zeitweise Aufhebung der Sperrung würde nur für Verwirrung sorgen. Zudem könne das die Stadt nicht alleine entscheiden. „Die Verkehrssicherungspflicht liegt bei der Baufirma“, erklärte Pongratz. Überhaupt konnte sie die harschen Worte ihrer Fraktionskollegen nicht nachvollziehen. So sei die Fußgängerbrücke eine Woche früher eingesetzt worden als geplant. Und letztlich sei eine schnellstmögliche Öffnung der Baustelle ja auch im Sinne der Geschäftsleute.

Rückendeckung erhielt Pongratz von Franz Mader (FWG). „Die Geschäftseinbrüche müssen ja nicht endgültig sein“, sagte Mader. „Vielleicht verschieben die Leute ihre Einkäufe einfach auf die Zeit nach der Sperrung.“ Auch er als Arzt würde die Folgen der Baustelle zu spüren bekommen und bei Hausbesuchen im AWO-Seniorenzentrum regelmäßig im Stau feststecken.

Dass nicht alle Geschäftsleute so schwarz sehen wie Markus Baumgartner, bestätigt GWM-Sprecherin Stephanie Liebhardt auf Nachfrage unserer Zeitung. Zwar habe sie auch von Einnahmeeinbrüchen gehört. Zum Beispiel, weil sich manche Pendler in der Früh bei Bäcker und Metzger keine Brotzeit mehr holen würden. Noch schlechter sei die Stimmung jedoch bei manchen Anwohnern. Einer zeitweisen Öffnung der Brücke steht auch Liebhardt eher skeptisch gegenüber. Sie befürchtet, dass es dadurch ein Durcheinander geben könnte. Statt auf Konfrontation mit der Stadt zu gehen, sucht sie ohnehin lieber das Gespräch. „Wir müssen gemeinsam schauen, was man nächstes Jahr besser machen kann.“

Das forderte im Stadtrat auch Verena Assum (CSU). „Es ist schade, dass so viel geschimpft wird“, sagte sie in Richtung ihrer polternden Fraktionskollegen. „Ein normaler Ton würde uns allen guttun.“ Die Bürgermeisterin sieht das ähnlich: „Wenn man immer nur alles schlecht redet, macht man sich letztlich selbst das Geschäft kaputt.“

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