Martin Greifenstein, Schulleiter BSZ Miesbach
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Erfinderisch: Weil bereits ab Montag rund zwei Drittel der BSZ-Schüler wieder in die Klassen kommen werden, es dort aber sonst eng zugeht, hat Schulleiter Martin Greifenstein neue Konzepte ausgetüftelt.

„Im Grunde wie beim Bäcker“

BSZ Miesbach und Corona: Alles wird anders

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Martin Greifenstein muss bis zu Öffnung der Schulen mehr Probleme lösen als die meisten Direktoren. Die Ideen des Schulleiters des Beruflichen Schulzentrums Miesbach (BSZ) zeigen, wie Schulen Corona meistern können.

Miesbach Als Martin Greifenstein am Donnerstag hörte, dass die Abschlussklassen bereits ab 27. April wieder an die Schulen zurückkehren werden, dachte er: „Das ist zu früh“. Der Schulleiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Miesbach (BSZ) hatte auf einen Start nach Pfingsten gehofft. Er sorgt sich vor allem um die älteren Lehrer seiner Schule, für die eine Corona-Infektion gefährlich werden könnte. Wegen zwei Problemen fällt es ihm schwerer, sie zu schützen, als anderen Direktoren.

Zu früh kommt Greifenstein die Schulöffnung auch heute noch. Doch inzwischen ist er sicher, dennoch guten und sicheren Unterricht bieten zu können. Er hat Konzepte erarbeitet, um mit den Problemen umzugehen.

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Fast alle Schüler zurück

Greifensteins erstes Problem: Von Anfang an kommt der Großteil seiner Schüler zurück in den Unterricht. Während bayernweit nur rund jeder siebte Schüler zu einer Abschlussklasse gehört und ab Montag wieder zur Schule gehen wird, sind es am BSZ rund zwei Drittel. Dort bleiben Schüler nur zwei oder drei Jahre. Die Abschlussprüfungen schreiben fast alle auf die letzten beiden Schuljahre verteilt. Also stellt sich der größte Teil der BSZ-Schüler heuer einer Hälfte der Tests – und kommt ab Montag wieder in die Schule.

Die Folge: Wo andere Schulleiter Anti-Corona-Strategien zunächst im Kleinen testen und verfeinern können, müssen Greifensteins Konzepte von Anfang an sitzen. Fehler kann er sich nicht leisten.

Um der Herausforderung gerecht zu werden, hat der Direktor jeder Schulart ein eigenes Stockwerk zugeteilt. Er hat die Pausen so versetzt, dass ein Teil der Schüler lernt, während ein anderer frei hat. Und er hat getrennte Ein- und Ausgänge eingerichtet, damit die Schüler zum einen Eingang in die Schule hinein und zum anderen wieder hinausgehen. „Im Grunde wie beim Bäcker“, sagt Greifenstein und schmunzelt. „Wir haben ein großes Haus. Da ist Flexibilität da. Es wird gehen.“

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Unterricht wie früher

Greifensteins zweites Problem: Er muss den Unterricht umbauen. Normalerweise setzt er auf modernen handlungsorientierten Gruppen-Unterricht, bei dem Schüler zu fünft oder sechst Lösungen erarbeiten. Die Lehrer arbeiten auf Augenhöhe mit. Das ist modernes Lernen, wie es sein soll – aber völlig Corona-untauglich. Greifenstein muss Sicherheitsabstände schaffen.

Vorerst heißt das: höchstens 15 Schüler pro Raum und Frontalunterricht wie früher – keine Projekte, keine Gruppen. „Das ist nicht ideal, aber es geht nicht anders.“ Außerdem will Greifenstein die Schülerzahl im Haus begrenzen. Alle, die über der Grenze liegen, sollen weiter digital lernen. „Die Gesundheit hat Vorrang“, sagt er. Die BSZ-Schüler seien alle technisch versiert genug, um online weitgehend ohne Verluste zu lernen. „Die Lehrer sagen, das klappt ganz ordentlich.“

Erfolg mit Videokursen

Für die, die zuhause bleiben, hat Greifenstein die Unterrichtssoftware um Videotelefonie ergänzen lassen. Nun können die Lehrer mit Schülern einzeln oder in Gruppen reden und schwierige Zusammenhänge erklären. Trotz Corona würden die Schüler gut auf ihren Beruf und die bevorstehenden Abschlussprüfungen vorbereitet.

Auch mit den bisherigen Lernergebnissen ist Greifenstein zufrieden. Die Schüler arbeiteten zwar während der Zwangspause in ihren Unternehmen, doch diese sollten ihnen in der Zeit, in der sie sonst Schule hätten, Zeit zum Lernen geben. Das habe gut funktioniert. „Die Rückmeldungen von den Lehrern sind positiv.“

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