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Miesbach ist nicht nur Kreisstadt, sondern auch Heimat für Schulen und Behörden. Für die Bürger bedeutet das kurze Wege.

Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz im Interview

„Die Bürger sind stolz auf ihre Kreisstadt“

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An Miesbach führt kein Weg vorbei. An der Schlierachtal gelegen, gibt die Kreisstadt nicht nur dem Landkreis seinen Namen, sondern ist auch Standort für Landratsamt, Kriminalpolizei, Finanzamt, Amtsgericht, Schulen sowie das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung.

Was dies im Alltag bedeutet und welche Besonderheiten damit einhergehen, haben wir uns von Ingrid Pongratz erklären lassen, die seit 17 Jahren Bürgermeisterin der Kreisstadt ist.

Frau Pongratz, Sie sind seit 17 Jahren die Bürgermeisterin von Miesbach. Was ist das Besondere der Kreisstadt? Gibt es spezielle Aufgaben?

Nein, die gibt es nicht. Miesbach ist auch als Kreisstadt eine kreisangehörige Gemeinde und hat damit dieselben Aufgaben und Pflichten wie alle anderen Kommunen im Landkreis auch. Nur das Arbeitsvolumen ist größer, denn es macht einen Unterschied, ob man für 12 000 oder nur für 4000 Einwohner zuständig ist. Das kennt man auch in Holzkirchen.

Besondere Ausgaben

Wie sieht es bei den Erwartungen an die Kreisstadt aus? Mit Drehleiter, Eisstadion und Warmfreibad hält Miesbach Angebote vor, die nicht selbstverständlich sind, die aber trotzdem Geld kosten.

Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz

Das sind Punkte, die nicht miteinander zu vergleichen sind. Als wir 2011 eine neue Drehleiter gekauft haben, die dem gesamten Landkreis zugutekommt, vor allem aber den Gemeinden im Schlierach-/Leitzachtal, hätten wir uns mehr finanzielle Solidarität gewünscht. Miesbach ist da letztlich in der Pflicht, weil wir höhere Häuser haben und damit den zweiten Fluchtweg sichern müssen. Aber die Leitstelle fordert sie auch für andere Einsätze an – und diese Einsätze sind dann kostenfrei. Dabei ist klar, dass es mit den Spritkosten nicht getan ist. Diesen Aufwand müssen wir tragen.

Lesen Sie auch: Alle Namen - diese Kandidaten stehen bereits für die Kommunalwahl im Landkreis Miesbach fest

Wie sieht es beim Bad aus?

Auch andere Gemeinden haben Freibäder – da ist Miesbach nicht allein. Unseres erfreut sich großer Beliebtheit, weil es beheizt ist. Das ist aber eine Angelegenheit der Stadt, die der Stadtrat politisch entscheiden muss. Das ist auch jetzt bei der Sanierung der Fall. Dabei muss man sagen, dass die letzte 1970 vorgenommen wurde.

Prädikat Kreisstadt bedeutet Prestige

Und das Eisstadion?

Beim Eisstadion ist die Stadt nicht Eigentümerin, sondern der TEV Miesbach, der dort in Erbpacht gebaut hat. Die Stadt unterstützt den Verein mit jährlich 170 000 Euro. Wenn viele Besucher aus dem ganzen Landkreis kommen, freut uns das, denn das bedeutet für den TEV auch Einnahmen.

Prestige bedeutet der Titel Kreisstadt aber schon, oder?

Auf jeden Fall. Die Miesbacher sind schon stolz darauf, dass sie dem Landkreis ihren Namen verleihen. Einigen ist der Unterschied zwischen Stadt und Landkreis dabei gar nicht bewusst. Wir bekommen im Rathaus immer wieder Post, die eigentlich ins Landratsamt gehört.

Welche Bedeutung haben die Schulen und Behörden in der Kreisstadt?

Auf die sind wir natürlich auch stolz. Egal, ob Schulen, Behörden, Gericht, Freizeiteinrichtungen: Sie alle tragen dazu bei, dass die Menschen zu uns kommen und bei uns auch einkaufen. Und es sind Standortfaktoren bei der Ansiedlung. Wer einen neuen Wohnort sucht, prüft eben, wie es mit Schulen, Versorgung, Kinderbetreuung und Verkehrsanbindung aussieht.

Bürgermeisterin wünscht sich maßvolles Wachstum

Mit den Wohnbauprojekten Am Gschwendt und Müller am Baum ist ja neuer Wohnraum in Aussicht.

Ja, auch wenn es gerade bei Müller am Baum sehr viele Hürden zu meistern gilt. Für unsere Verwaltung ist das eine sehr große Herausforderung, aber für den Wohnungsmarkt ist es gut. Momentan gibt es sonst kaum Grundstücke, und der Siedlungsdruck aus München macht sich auch in Miesbach bemerkbar. Hinzu kommen die Einheimischen, die hierbleiben wollen und etwas suchen. Allen gerecht zu werden, ist dabei schwer.

Wenn Miesbach größer wird: Wäre es dann eine Option, den Status einer Großen Kreisstadt anzustreben? Damit könnte die Stadt einige Aufgaben des Landratsamts selbst übernehmen.

Nein, eine Große Kreisstadt ist in meinen Augen nicht erstrebenswert. Zum einen bräuchten wir dafür 30 000 Einwohner, und das wäre ein zu großes Wachstum. Mit dem Ausweisen von Grundstücken ist es ja nicht getan, denn auch die gesamte Infrastruktur müsste mitwachsen. Das Rathaus müsste einige Abteilungen, die das Landratsamt bereits hat, selbst vorhalten. Wir bräuchten mehr Räume, mehr Personal. Wirtschaftlich wäre es nicht sinnvoll. Deshalb würde ich dem neuen Bürgermeister und dem neuen Stadtrat ans Herz legen, unsere Stadt nur gemäßigt wachsen zu lassen, nicht zu viel auf einmal. Vor allem wünsche ich Miesbach dabei junge Familien, die auch die Vereine beleben und unsere Stadt nicht nur als Schlafstätte nutzen.

ddy

Zu dieser Serie

Bis zur Kommunalwahl am 15. März sind wir in jeder der 17 Städte und Gemeinden im Landkreis zu Gast, um die Bedeutung kommunalpolitischer Themen an praktischen Beispielen zu erläutern.

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