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Kein Spielraum für 2016: Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (r.) erklärt den Miesbachern die Folgen der angespannten Haushaltslage in der Kreisstadt.

Ingrid Pongratz zeigt sich reumütig

Bürgerversammlung: Heiße Themen, wenig Fragen

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Miesbach - Brückensperrung, Haushaltsloch und ein Bauprojekt auf einem Spielplatz: Eigentlich perfekte Zutaten für eine hitzige Bürgerversammlung in der Kreisstadt. Herausgekommen ist das Gegenteil.

Am Ende wirkte selbst die Bürgermeisterin überrascht. Wenn es sonst keine Fragen mehr gebe, würde sie die Bürgerversammlung beschließen, sagte Ingrid Pongratz. Es gab keine mehr. Nach nur eineinhalb Stunden marschierten die ersten Miesbacher aus dem Bräuwirtsaal. Und das, obwohl sie gerade erfahren hatten, dass harte Zeiten auf sie zukommen.

„Wir haben heuer einen absoluten Nothaushalt“, hatte Pongratz zuvor in ihrem Sachvortrag erklärt. Nur dringend notwendige Maßnahmen könnten umgesetzt werden – wenn sie nicht zu teuer sind. Millionenprojekte wie Heimatmuseum oder Warmbadsanierung liegen ohnehin vorerst auf Eis. Egal, wie wichtig sie sind.

Nicht aufschiebbar sei dagegen die Sanierung der Johannisbrücke, sagte die Bürgermeisterin. Wie berichtet, hatte die angekündigte Vollsperrung für die Errichtung der Holzfußgängerbrücke von Juli bis Oktober bei den Geschäftsleuten hohe Wellen geschlagen. Pünktlich zur Bürgerversammlung hatten sich diese geglättet. Ihr Gespräch mit den Vertretern der Stammtische, Stephanie Liebhardt und Stefanie Mawick, sowie dem Vorsitzenden der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM), Luitpold Grabmeyer, sei sehr konstruktiv gewesen, erklärte Pongratz.

Doch sie zeigte sich auch selbstkritisch. Mit ihrer Mitteilung an die Stadträte habe sie den „worst case“ einer Vollsperrung beschrieben. Auch, um hinterher nicht „Salami-Taktik“ betreiben zu müssen. Rückwirkend betrachtet sei das vielleicht ein Fehler gewesen, räumte Pongratz ein. „Ich habe damit eine Lawine an Ärger, Unverständnis und Verunsicherung ausgelöst, was mir sehr leid tut.“ Tatsächlich würde sich nämlich erst nach der Submission zeigen, ob während der Verlegung der Versorgungsleitungen von der Johannis- auf die Ersatzbrücke nicht doch eine Fahrspur geöffnet bleiben könne. Das hänge in erster Linie von den Baumaschinen ab.

Selbst wenn es zu einer zeitweisen Vollsperrung kommt: „Miesbach ist nicht abgeschnitten“, sagte Pongratz. Sie könne die Bedenken der Geschäftsleute zwar verstehen, warnte aber vor einer einseitigen Betrachtung. So würden auch die Bauarbeiter in der Kreisstadt essen und einkaufen. Eine Chance in Sachen Verkehrsentwicklung sei hingegen die Umleitung der Parkplatzsuchenden auf die Waitzinger Wiese.

Ein Aufreger war damit abgehandelt. Ein anderer entpuppte sich – zumindest im Bräuwirtsaal – ebenfalls als harmlos: der Verkauf des Spielplatzes in Wachlehen. Lediglich ein Anwohner ergriff das Wort. Ihm wäre es wichtig, sagte Karl Gegenfurtner, dass die Grundstücke an einheimische Familien verkauft würden. „Der soziale Gedanke sollte schon auch eine Rolle spielen.“ Man werde die Angebote im Stadtrat öffnen und gemeinsam eine Entscheidung fällen, antwortete Pongratz. Das war’s.

Mehr Kritik musste sich die Bürgermeisterin im Hinblick auf die langfristige Strategie für die Stadtentwicklung anhören. „Es gibt keinen, der die Sache in die Hand nimmt“, bemängelte Joachim Baumann von der Initiative Marktplatz. Auch würde er sich statt Städteplaner Otto Kurz lieber einen neutralen Moderator für den Marktplatz-Workshop wünschen. „Wenn Sie jemanden haben, der das kostenlos macht, nehmen wir ihn gerne“, konterte Pongratz. So aber sehe sie keinen finanziellen Spielraum. Die gleiche Antwort erhielt der Zweite Sprecher der Initiative, Bernhard Wurm, auf seine Bitte nach einem besser gepflegten Internetauftritt der Stadt. In der Verwaltung gebe es dafür leider keine Kapazitäten, erklärte die Bürgermeisterin.

Stefan Baumgartner regte dagegen an, vorerst alle Probleme hintanzustellen und dafür zu klären, wie Miesbach künftig „nach innen und außen“ wirken wolle. Irgendwie kämpfe jeder verbissen für seine kleinen Ziele, das große Ganze habe man aber aus den Augen verloren. „Ich habe so das Gefühl, dass die Philosophie in der letzten Zeit abhanden gekommen ist“, sagte Baumgartner.

Haushaltsloch hin oder her: Immerhin eine Baustelle in der Kreisstadt wird in den kommenden Monaten abgeschlossen. Die Albert-Schweitzer-Straße erhält eine neue Asphaltdecke. „Sobald die Wasserleitung verlegt ist, geht es los“, versprach Verkehrssachbearbeiter Peter Kadel. Zeit wird’s, meinte ein Bürger. „Der Friedhofsberg ist für Radler momentan lebensgefährlich.“

Bürgerversammlung Parsberg: Fortschritt am Aubach, Stillstand am Fellerbach

Alle Jahre wieder verkündet Bürgermeisterin Ingrid Pongratz bei der Bürgerversammlung in Parsberg die Fortschritte in Sachen Hochwasserschutz. Zumindest für einen Teil der Anwohner hatte sie heuer gute Nachrichten im Gepäck. So habe die Stadt den Zweckverband zur Unterhaltung der Gewässer III. Ordnung (GUZV) Rosenheim mit der Planung des Bypasses am Aubach beauftragt. Von den geschätzten Baukosten in Höhe von 90 000 Euro habe man 75 000 Euro in den Haushalt für 2016 eingestellt. Auch die Grundstücksverhandlungen kämen voran, sagte Pongratz. „Die Gespräche mit dem betreffenden Landwirt verlaufen konstruktiv und erfolgversprechend.“ Anders beim Hochwasserschutz am Fellerbach: Hier sei bislang keine Einigung mit dem Landwirt über eine Flächenabtretung erzielt worden. Gerüchte, dass das an ihr als Verhandlungspartnerin läge, wies Pongratz zurück. „Weder Herr Breitwieser, der bei den meisten Gesprächen dabei war, noch ich hatten auch nur ansatzweise den Eindruck, es gäbe Probleme aufgrund der teilnehmenden Personen.“ Ein weiteres Treffen stehe bislang noch aus.

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