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Es gibt viel zu tun: Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (vorne r.) erklärt den Miesbachern im Bräuwirtsaal, welche Projekte die Stadt 2017 angehen wird.

Ingrid Pongratz erklärt bei Bürgerversammlung Lage der Stadt

Pflichtaufgaben haben in Miesbach weiter Vorrang

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Finanziell schaut es in Miesbach wieder besser aus. Mehr als die Erfüllung der Pflichtaufgaben kann sich die Stadt aber 2017 nicht leisten. Bei der Bürgerversammlung erklärte Ingrid Pongratz die Lage.

Miesbach/Parsberg – Die Kreisstadt hat ihre finanziell bedingte Schockstarre überwunden. Der „desaströse Haushalt“ von 2016, wie es Bürgermeisterin Ingrid Pongratz bei den Bürgerversammlungen in Miesbach und Parsberg formulierte, ist Geschichte. Doch trotz wieder gesunder Gewerbesteuereinnahmen von voraussichtlich 8,9 Millionen Euro gibt sich die Stadt 2017 noch zurückhaltend. „Bevor wir neue Projekte verwirklichen, müssen zunächst die Pflichtaufgaben erledigt werden“, sagte Pongratz. Themen wie Museum, Warmfreibad und Marktplatzumgestaltung bleiben damit weiter in der Planungsphase. An anderer Stelle wird hingegen fleißig gebaggert.

Größter Brocken – finanziell wie arbeitstechnisch – ist die Johannisbrücke über die Schlierach in Miesbach. Alleine Abriss und Neubau des maroden Bauwerks werden die Stadt 605 000 Euro kosten. Weil auch Bergwerkstraße und Albert-Schweitzer-Straße saniert werden und der Tölzer Berg neu angebunden werden muss, wird es nicht bei dieser Summe bleiben. Damit seien die Mittel für Straßenbau für 2017 erschöpft, erklärte Pongratz. Ihr sei bewusst, dass sich auch andere Verkehrswege in einem „absolut desolaten Zustand“ befänden. Aber: „Die Stadt wird die Löcher weiter nur flicken, obwohl wir wissen, dass dies keine Dauerlösung ist.“

Dass auch einige Gehsteige aufgerissen werden, liegt an der Telekom. Das Unternehmen lässt heuer im Gewerbegebiet Nord, in Wachlehen sowie in Bergham und Parsberg Glasfaserkabel verlegen – im Eigenausbau und damit ohne Kosten für die Stadt. Auf Zuschüsse in Höhe von 540 000 Euro freut man sich im Rathaus für den Umbau des ehemaligen Gemeindehauses Wies. Im Herbst sollen die vier Wohneinheiten für anerkannte Flüchtlinge bezugsfertig sein. Wann der Freistaat mit der Errichtung der Unterkunft für 88 Personen Am Gschwendt beginnt, steht laut Pongratz noch nicht fest. „Es sind noch einige Punkte zu klären.“

Viel zu klären gab es in der Vergangenheit auch in Sachen Hochwasserschutz. Immerhin den Bypass am Augraben in Bergham will die Stadt zeitnah anpacken, verkündete Pongratz. Die entsprechenden Mittel seien im Haushalt eingestellt, Ende März habe man den vorzeitigen Maßnahmenbeginn beantragt. Sobald die Genehmigungen von Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt vorliegen, könne die Ausschreibung der Bauarbeiten erfolgen.

Einen Schritt weiter ist die Stadt auch in Sachen Hochwasserschutzdamm in Kleinthal gekommen. Der Großteil der erforderlichen Flächen sei notariell gesichert, verkündete Pongratz. Das Bauwerk solle möglichst weit weg von den bestehenden Häusern errichtet werden und bei Starkregen 56 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Nach einer Verfeinerung der Pläne könne man – ein „Ja“ des Stadtrats vorausgesetzt – in ein Planfeststellungsverfahren eintreten.

Allenfalls begrenzten Einfluss hat die Stadt auf die Staatsstraße 2010 von Parsberg nach Leitzach. Den Abschnitt zwischen Altwirt bis zum Leitzacher Berg lässt das Staatliche Bauamt im August sanieren und von 4,70 auf 6,50 Meter verbreitern – Vollsperrung inklusive. Den Anwohnern des Ortsteils Leitzach drückt der Schuh hingegen an anderer Stelle. Sie beantragten einen Fußgängerüberweg an der Bushaltestelle sowie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 beziehungsweise 60 Kilometer pro Stunde aus Richtung Parsberg kommend.

„Die Ortsdurchfahrt Leitzach ist eine stark und schnell befahrene Durchgangsstraße“, begründeten die Bürger ihr Anliegen, das sie mit einer Unterschriftenliste untermauert hatten. Um Fußgängern und Radfahrern eine sichere Alternative zum Leitzacher Berg zu schaffen, wünschten sie sich ferner die Errichtung eines Radwegs sowie einen Ausbau des Fußwegs am Gangsteig.

Für Querungshilfe, Geschwindigkeitsbeschränkung und Radweg sei die Stadt nicht zuständig, sagte Pongratz und verwies auf die Untere Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt und das Straßenbauamt Rosenheim. Mit beiden Stellen habe man bereits Kontakt aufgenommen. Ein Ausbau des Gangsteigs stehe jedoch wegen der „schwierigen topografischen Situation und des erheblichen Gefälles sowie der Verkehrsbedeutung als außerörtlicher Fußweg in keinem Verhältnis zu den aufzuwendenden Kosten“, erklärte sie. Man merkt: Der Wohlstand ist im Stadtsäckel noch lange nicht ausgebrochen.

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