Klares Statement

Cannabis-Legalisierung: Das sagt Polizeipräsident Robert Kopp dazu

Die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis hat erneut Fahrt aufgenommen. Nun hat sich der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, dazu geäußert. 

Landkreis - Legalisieren oder nicht? Diese Diskussion haben die Aussagen von André Schulz, Vorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamten, neu entfacht. In einem Interview mit der Bild hatte dieser die Prohibition von Cannabis aus historischer Sicht als „willkürlich“ und bis heute „Weder intelligent noch zielführend“ bezeichnet. Aufgrund mehrerer Presseanfragen hat nun auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd zu der Thematik Stellung bezogen. 

Robert Kopp ist Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. 

In dessen Zuständigkeitsbereich stelle die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität mit 4200 Delikten eine hohe Arbeitsbelastung dar, heißt es in einer Pressemitteilung. Cannabis sei weit verbreitet. Demnach hat sich die Sicherstellungsmenge alleine von 2015 auf 2016 mehr als verdoppelt - von 60 auf 148 Kilogramm. 

Die Behauptung der Befürworter einer Legalisierung, Polizei und Justiz könnten die für dieses Deliktsfeld verwendeten Ressourcen dann anderweitig einsetzen, weist Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, zurück. „Ganz klar, nein. Gesundheitsgefährdende Straftaten dürfen nicht legalisiert werden, nur weil sie den Sicherheitsbehörden Aufwände bereiten. Das machen andere Phänomene auch. Nach meinen Erfahrungen aus über 40 Jahren Polizeidienst wäre eine Entkriminalisierung vor allem für unsere Kinder und Jugendlichen das falsche Signal. Wenn Befürworter auf das „positive Beispiel“ aus den Niederlanden hinweisen, halte ich dagegen: Warum ist Cannabis in den meisten anderen europäischen Ländern verboten?“

Bei realistischer Betrachtung müsse man vielmehr davon ausgehen, dass die Zahl der Konsumenten bei einer Legalisierung zunehmen würde, heißt es in der Pressemitteilung. Gerade bei jungen Leuten, so die Meinung von Fachleuten, könne der Konsum von Cannabisprodukten teils schwere psychische Schäden, wie Depressionen oder Schizophrenie, hervorrufen. Hinzu komme, dass sich der Wirkstoffgehalt von Tetrahydrocannabinol (THC) durch den Anbau in Indoor-Plantagen seit den 80er-Jahren mehr als verzehnfacht hat. 

Dennoch, Befürworter sehen Alkohol und Cannabis in Sachen Gefährlichkeit auf einer Stufe. „Sicherlich ist auch der Missbrauch von Alkohol ein gesundheitliches Problem in der Gesellschaft“, sagt Kopp. „Natürlich haben wir auch übermäßig alkoholisierte Personen, die die Polizei immer wieder zeitintensiv beschäftigen. Ich verstehe deshalb aber gerade nicht, warum wir uns mit der Legalisierung von Cannabis, einem weiteren Rauschmittel, zusätzliche Probleme schaffen sollten?“

In Sachen Verkehrssicherheit könne man Cannabis und Alkohol durchaus vergleichen. Die verlangsamte Reaktion nach dem Konsum von Cannabis sei nur eine von vielen Gefahren im Straßenverkehr. Und die Risikobereitschaft dahingehend nehme sogar zu: Wurden im Jahr 2015 noch 838 Verkehrsteilnehmer unter Drogeneinfluss erwischt, waren es im Folgejahr bereits 1225. Das entspricht einer Zunahme von 46,2 Prozent. „Für mich nicht zuletzt auch ein Ergebnis einer öffentlichen und ideologisch geführten Diskussion, in der Cannabis verharmlost wird“, sagt der Polizeipräsident.

Mit einer Legalisierung in Deutschland wäre letztlich davon auszugehen, dass es zu einem „Tourismus von Cannabisliebhabern“ aus anderen europäischen Ländern kommen würde, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Gerade für die südlichste Region in der Bundesrepublik Deutschland und damit den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wäre das sicher von signifikanter Bedeutung. Kopp: „Bereits jetzt werden auf einschlägigen Internet-Blogs unter anderem „Die TOP 10 der Besten Reiseziele für Cannabisliebhaber“ vermarktet. Auf derartige Touristen und die damit verbundenen Auswirkungen würde ich aus polizeilicher Sicht bei uns aber lieber gerne verzichten.“

Ein Unterschied zwischen Cannabis und Alkohol liege auch darin, dass sich ein Glas Wein oder eine Halbe Bier durchaus zum reinen Genuss trinken lässt. Einen Joint oder einen „Topf“ könne man dagegen nicht alleine des guten Geschmacks wegen genießen. Anders als beim verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol führe Cannabiskonsum immer zu einem Rauschzustand.

hb

Rubriklistenbild: © dpa

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