Kinder im Kindergarten
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In kleinen, festen Gruppen spielen die Kinder in der Notbetreuung in Kindergärten.

CORONA - Interview mit Caritas-Kreisgeschäftsführerin Schubert

Freistaat übernimmt Kita-Gebühren im Lockdown: „Wichtiges Signal für Einrichtungen und Eltern“

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Miesbach – Wer berufsbedingt eine Betreuung braucht, darf sein Kind in der Kita abgeben – wer die Betreuung selbst übernehmen oder zumindest organisieren kann, wird dagegen gebeten, sein Kind nicht zu bringen. Eigentlich eine gute Lösung, um den Kontakt in Zeiten von Corona auf ein Minimum zu reduzieren – wäre da nicht ein Haken: die Kita-Gebühren.

Die blieben im aktuellen Lockdown nämlich an den Eltern hängen, auch wenn ihr Kind auf Bitten der Einrichtung daheim bleibt. Nun hat die Bayerische Staatsregierung die Elternbeiträge entsprechend den Regelungen im Frühjahrs-Lockdown übernommen. Dies gilt für die Monate Januar und Februar – auch für die Mittagsbetreuung. Neu hinzugekommen ist eine sogenannte Bagatellklausel: Die besagt, dass die Beiträge auch dann erstattet werden, wenn das Kind maximal fünf Tage im Monat in der Notbetreuung war. Welche Bedeutung diese Kostenübernahme seitens des Freistaats hat, haben wir Petra Schubert gefragt. Sie ist Kreisgeschäftsführerin der Caritas im Landkreis Miesbach, die Kindertagesstätten in Irschenberg und Holzkirchen betreibt.

Frau Schubert, der Freistaat übernimmt nun zumindest mal für Januar und Februar die Kita-Gebühren bei allen, die daheim bleiben. Eine gute Nachricht, oder?

Ja, auf jeden Fall. Der Caritasverband und der Verband der katholischen Kindertagesstätten haben sich politisch beim Ministerium dafür eingesetzt, dass das Thema wie in der Zeit der ersten Notbetreuung im Frühjahr 2020 gelöst wird. Die Regierung hat hier zügig reagiert. Ich bin selbst überrascht, dass es so schnell gegangen ist.

„Keil zwischen Eltern und Einrichtung“

Sie haben es im Vorfeld kritisiert, dass Eltern zwar mit Blick auf die Infektionsgefahr ihre Kinder daheim betreuen sollen, aber dennoch weiter die Kita-Gebühren bezahlen müssen. Warum?

Das Schwierigste bei diesem Thema ist, dass ein Keil zwischen Eltern und Einrichtung getrieben wurde. Das hat alle verunsichert und die Stimmung unnötig belastet.

Können denn die Einrichtungen nicht von sich aus verzichten?

Caritas-Kreisgeschäftsführerin Petra Schubert.

Nein, dazu ist der Elternanteil zu wichtig. Der macht immerhin je nach Einrichtung 15 bis 20 Prozent vom Gesamtvolumen der Finanzierung einer Kita aus. Unsere beiden Caritas-Einrichtungen sind momentan etwa zu einem Drittel belegt, mit steigender Tendenz. Wir haben unser Personal komplett im Einsatz, weil wir coronabedingt die Gruppen nicht mehr mischen können – sie bleiben getrennt. Somit braucht man auch mehr Personal. Hinzu kommt, dass Mitarbeiterinnen immer wieder in Quarantäne oder im Krankenstand sind, selbst bei einfachen Erkältungssymptomen wie Schnupfen, die sonst kein Thema wären. Zudem halten wir viel Kontakt den Kindern und Familien, die derzeit nicht in der Kita sind – etwa mit Bastelmappen, Vorlesestunden oder Elternberatungen via Skype.

„Eltern brauchen Planungssicherheit“

Wie haben andere Träger das Thema Gebührenübernahme gesehen?

Bei den Wohlfahrtsverbänden war es insgesamt ein großes Thema. Dass jetzt erneut die Kosten übernommen werden, ist ein wichtiges Signal für Einrichtungen und Eltern. Hilfreich wäre es aber, dies bereits früher anzukündigen und zu lösen. Dann hätten die Eltern mehr Planungssicherheit. Das gilt vor allem für die Bagatellklausel. Ich kann mir vorstellen, dass es für Eltern ärgerlich ist, wenn sie jetzt knapp über den fünf Tagen pro Monat liegen. Und ein weiteres Problem bleibt ebenso ungelöst.

„Komplettübernahme würde Bildungsgerechtigkeit unterstützen“

Welches denn noch?

Dass Eltern, die aktuell mehr wie fünf Tage pro Monat, aber nur einen Teil ihrer Buchungszeit in Anspruch nehmen, keinen Beitragsersatz bekommen. Auch hier würde ich mir anteilig eine Übernahme seitens des Freistaats wünschen.

Am einfachsten wäre es sicher, wenn der Staat die Kosten für die Kinderbetreuung komplett übernehmen würde, oder?

Das würde auf jeden Fall die Familien entlasten, den Trägern mehr Planungssicherheit geben und zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Gleichzeitig brauchen wir eine grundlegend bessere Finanzierung der Kindertagesstätten, um eine hohe Qualität zu sichern und bessere Rahmenbedingungen für das Personal zu schaffen.

ddy

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