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Franziska Eigemann vom Gartencenter im Miesbacher Hagebaumarkt hat beide Variationen des Weihnachtsbaums auf Lager und kennt ihre Vor- und Nachteile – der echte ist übrigens der rechte.

Christbäume: Echt oder künstlich

Wer hat die Nadeln schön?

Miesbach - Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Welcher Christbaum darf’s denn sein? Ein Vergleich von echten und künstlichen Bäumen zeigt, wo die Vor- und Nachteile liegen.

Glitzernder Schmuck und die Lichterkette zeigen ihn von seiner schönsten Seite. Aber Moment mal – hier stimmt was nicht. Wieso riecht er nicht nach Tanne? Der Grund: Es handelt sich um eine täuschend echte Nachahmung. 

In vielen Baumärkten wird beides angeboten: der Baum aus dem Wald und der aus einer Fabrik. Franziska Eigemann ist Leiterin des Gartencenters im Miesbacher Hagebaumarkt. Seit 24 Jahren hat sie dort alle Jahre wieder mit den Nadelbäumen zu tun. Sie beobachtet, dass die Leute zwar noch auf echt setzen. „Der Trend geht aber zu künstlichen Christbäumen“, sagt sie. 

Jedes Jahr würden es ein paar Käufer mehr. Die Expertin findet, dass man den Unterschied kaum mehr sehe. „Die schauen immer echter aus.“ Beim Vergleich der beiden Bäume fällt auf: In einigen Bereichen haben die Plastikbäume die Nase vorn. 

Natürlichkeit 

Auf den ersten Blick: kaum ein Unterschied. Wie der herkömmliche Christbaum ist auch sein künstlicher Bruder in diversen Arten erhältlich. „Es gibt sie mit verschiedener Nadelung und anderen Grüntönen“, erklärt Eigemann. 

Dank eines Drahts in den kleinen Ästen kann man diese zudem biegen, als wären sie wild gewachsen. Nur der kerzengerade Stamm enttarnt den Kunststoffbaum. „Es fehlt das Charakterliche.“ 

Noch ein Makel: „Er hat nicht diesen frischen, holzigen Duft.“ Doch die Industrie hat das auch gerochen und bietet Sprays mit Tannenbaumduft an. „Ich hab’s aber noch nicht ausprobiert“, sagt die Gartenexpertin.

Punkt für das Original


Kosten 

In punkto Preis siegt bei kurzer Betrachtung der Traditionsbaum aus dem Wald. Für durchschnittlich 30 Euro bekommt man einen schönen Baum. Ein künstlicher kostet deutlich mehr. 

Aber: Auch hier lohnt sich ein zweiter Blick. „In drei bis vier Jahren ist der abbezahlt“, erklärt Eigemann. Und da ein künstlicher Baum länger hält als drei Jahre, kommt es den Käufer am Ende günstiger. 

Punkt für die Fälschung


Haltbarkeit 

Wie bereits angesprochen, hält ein Plastikbaum lange. „Die meisten haben ihn sieben bis acht Jahre“, weiß die Gartencenter-Leiterin. Dann würden sie sich aber nur einen anderen kaufen, weil es auf dem Markt etwas Neues gebe. Beispielsweise gebe es seit einiger Zeit Christbäume, an die schon eine Lichterkette montiert ist. 

Eine solche Züchtung haben Gärtner noch nicht geschafft. Auch die Haltbarkeit beim echten Baum ist begrenzt. „Viele haben ihn nur von Weihnachten bis Silvester.“ Dann verliert der Baum sein Nadelkleid.

Punkt für die Fälschung 


Be- und Entsorgung 

Mindestens zwei Meter soll der Baum hoch sein. Nur: Wie wird er transportiert? Bei einem aus der Fabrik ist das kein Problem. Eigemann erklärt: „Die bestehen aus mehreren Teilen.“ Dank eines Stecksystems lässt sich der Baum ganz einfach auseinander- und wieder zusammenbauen. 

Und wenn er ausgedient hat, wird er in den Müllcontainer verfrachtet. Ein echter Baum bereitet mehr Schwierigkeiten. Zum einen ist er zu groß, um ihn mal eben in den Kofferraum zu packen. 

Zum anderen lässt er sich nicht so einfach entsorgen. „Abgeholt werden die ja heutzutage nicht mehr“, gibt Eigemann zu bedenken.

Punkt für die Fälschung


Ökologie 

Die echten Weihnachtsbäume werden auf eigenen Plantagen gepflanzt – zumindest sei das beim Hagebaumarkt so. „Unsere Bäume kommen aus dem Sauerland, Dänemark und Polen – da ist es nämlich kälter.“ Für den echten Christbaum würden also keine Wälder abgeholzt. 

Und wie steht es um die Umweltfreundlichkeit der künstlichen Variante? „Klar, Kunststoff ist Kunststoff. Aber ich habe den ja auch jahrelang.“ Eigemann vermutet, dass deshalb kein ökologischer Unterschied bestehe. 

Punkte für beide

 

Sicherheit 

Hier hat der Neuling unter den beiden Bäumen wieder die Nase vorn. „Er ist nur schwer entflammbar“, erklärt Eigemann. Es sei also ohne Weiteres möglich, der Verwendung echter Kerzen neues Leben einzuhauchen – ohne hinterher die Feuerwehr rufen zu müssen. 

Und: der künstliche Baum piekst nicht. „Ein weiterer Vorteil“, findet Eigemann, als sie sich die Handschuhe schnappt, um einen echten Nadelbaum zu transportieren.

Punkt für die Fälschung

 

Fazit – 5:2 für die Fälschung 

Das Ergebnis ist eindeutig – trotzdem kaufen noch immer viele Familien lieber einen echten Baum. Die Verkaufszahlen sagen aber aufgrund der unterschiedlichen Lebensdauer wenig aus. „Echte verkaufen wir über 2000 im Jahr, künstliche vielleicht 50“, erzählt Eigemann. 

Was wohl eine große Rolle spielt, wie sich die Kunden entscheiden: die Tradition. „Viele sagen eben von vornherein: Mir kommt nur ein echter Baum ins Haus.“ Eigemann schließt sich dieser Einstellung selbst an. Auch sie wird sich einen echten Baum holen. Aber wer weiß, wie lange noch?

von Nina Probst

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