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Allzweckwaffe am Fingerhakel-Ring: Günther Zehetmair hat schon viele Gegner über den Tisch gezogen. Momentan arbeitet der Papiermacher an einer Chronik, die sämtliche Fingerhaklermeister seit 1953 lückenlos auflisten soll. Außerdem hat der 51-Jährige Hakler mit Leib und Seele begonnen, die Lederringe in Handarbeit zu fertigen.

Meisterträger seit 1953 katalogisiert

Der Chronist der Fingerhakler

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Miesbach - Wer wen wann und wo über den Tisch gezogen hat, das soll auch die Nachwelt genau nachlesen können, findet Günther Zehetmair. Er stellt eine Chronik der Fingerhaklermeister zusammen.

Man sieht diesem freundlich lächelnden Mann mit den ausgeprägten Lachfältchen nicht auf den ersten Blick an, dass er sich schon unzählige, knochenharte Duelle geliefert hat. Doch spätestens der erste Händedruck verrät, dass Günther Zehetmair auf ordentliche Kraftreserven bauen kann, wenn’s denn mal pressiert. Das tut es regelmäßig dann, wenn der Miesbacher wieder zu einem Haklerwettkampf antritt. Dann bringt der 51-Jährige Papiermacher eine Hand, nein, eine Pranke zum Einsatz, die in Kombination mit seiner ausgereiften Technik und der Fähigkeit Schmerzen auszublenden, schon so manchen seiner Gegner zur Verzweiflung gebracht hat. 

Zehetmair begleitet dieser urbayrische Sport, der für den Außenstehenden durchaus martialisch und archaisch wirken kann, seit Kindertagen. Bereits als kleiner Bub schnappte er sich im Stall des elterlichen Bauernhofs eine 4,5 Kilogramm schwere Bleikugel, trainierte damit seine Muskulatur und arbeitete an seiner Hornhaut – der wesentlichen Komponente beim Fingerhakeln. „Ohne Hornhaut geht nix. Sie dient als Auflagefläche für den Ring und ist wie eine Art Kopfkissen“, weiß der Mann mit 85 Kilogramm Kampfgewicht, der mit Fug und Recht behauptet, „in allen Klassen gefürchtet“ zu sein. Nicht umsonst nennen ihn Vereinskollegen und Kontrahenten eine „Allzweckwaffe“. 

Schon bald stellte sich Zehetmair bei Wettkämpfen – beispielsweise im damaligen Haushamer Giglbergstüberl – der Konkurrenz, erste Erfolge ließen aus Spaß Ambitionen erwachsen. Doch nur wenige Jahre später verschwand der vielversprechende und talentierte Hakler „von der Bildfläche“, wie er selbst sagt. Als Jugendlicher habe er einfach andere Dinge im Kopf gehabt und das so wichtige Training vernachlässigt. „Der fünfte Platz war zu jener Zeit das höchste der Gefühle.“ 

Erst als ruhigerer Mittdreißiger habe er sich wieder seiner ersten großen Leidenschaft besonnen und sich dem technisch ausgefeilten Kräftemessen gewidmet. Was den Ausschlag dazu gegeben hat? „Keine Ahnung. Urplötzlich ist das Interesse zurückgekehrt. Seitdem lebe ich das mit Leib und Seele.“ Nach ersten Trainingseinheiten habe sich schnell herauskristallisiert, „dass es noch geht“. Und wie es ging. Seit Zehetmairs Rückkehr an die Wettkampftische hat er bei vielen Wettkämpfen von Bedeutung „massig Urkunden“ für den erfolgreichen Schlierachgau gesammelt. Inzwischen hat Zehetmair seinen Heimatverein jedoch in Richtung Spessart verlassen, wo er sich zusammen mit Ehefrau Silvia eine kleine Ortschaft nahe Kelheim als seinen neuen Lebensmittelpunkt auserwählt hat. Eine schwere Entscheidung, die erst nach langem Ringen mit sich selbst gefallen sei. Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass ein solcher Wechsel mit einem Transfer vom FC Bayern zu den Sechzigern vergleichbar ist – „oder so ähnlich“, sagt Zehetmair und lacht. Sein Herz werde aber trotzdem immer sehr an der Region und seiner sportlichen Heimat hängen, versichert Zehetmair, der mit seiner Arbeit als Chronist auch die Liebe zum Verein mehr als deutlich unter Beweis stellt. 

Rückblick: 1953 nahm das organisierte Vereinsleben der bayerischen Fingerhakler seinen Anfang, als sich seinerzeit im Dezember 18 Burschen im damaligen Haushamer Gasthaus Berggeist in die Wahlliste eintrugen. Und wer immer sich in den mehr als sechs Jahrzehnten, die seither vergangen sind, einen Titel erhakeln konnte – von der Bayerischen bis zur Deutschen Meisterschaft, und von der Jugend bis hin zu den Senioren – soll dereinst in dieser Chronik aufgelistet sein. Dazu hat Zehetmair zunächst alle verfügbaren Unterlagen der jeweiligen Schriftführer zusammengetragen und handschriftlich katalogisiert. Untergliedert in Datum, Ort, Altersklasse, Sieger und Gau. Anschließend hat er die Daten digitalisiert und, sofern vollständig, zu Büchern binden lassen. 

Noch sind die Listen lückenhaft, was sich aber sukzessive ändern soll. Wie auch im Sport, hat sich Günther Zehetmair nämlich langfristige Ziele gesetzt. „Ich möchte diese Bücher bis 2030 weiterführen.“

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