Per Videotelefonat in den Schlussverkauf: Stephanie Jennerwein stellt den Kunden am Handy Outfits zusammen. Seitdem diese die Ware abholen können, buchen rund ein Drittel mehr einen Termin als vorher. Foto: Thomas Plettenberg
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Per Videotelefonat in den Schlussverkauf: Stephanie Jennerwein stellt den Kunden am Handy Outfits zusammen. Seitdem diese die Ware abholen können, buchen rund ein Drittel mehr einen Termin als vorher.

Einzelhändler verkaufen seit einer Woche mehr

Click & Collect im Landkreis: Mehr Aufträge, aber meist keine Gewinne

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Seit einer Woche dürfen lokale Einzelhänder Waren per Click & Collect anbieten: Der Kunde bestellt und holt seinen Einkauf ab. Im Landkreis verkaufen die Händler so tatsächlich mehr.

Landkreis – Wenn Stephanie Jennerwein Kunden per Videotelefonat in ihrem Modehaus in Holzkirchen ein Outfit zusammenstellt, schätzt sie die richtige Größe am Handybildschirm ab. „Das kann ich ganz gut“, sagt die Inhaberin und lacht. „Ich habe inzwischen Erfahrung.“ Schon im Lockdown im vergangenen Frühjahr und vor Weihnachten brachte Jennerwein die Menschen per Whatsapp oder Facetime von zuhause ins Geschäft. Nun, da der Freistaat auch lokalen Einzelhändlern einen Abholservice erlaubt (wir berichteten), können Kunden die Bestellungen aber direkt im Geschäft mitnehmen. Seit einer Woche läuft das sogenannte Click & Collect. Wir haben uns stichprobenartig in drei Branchen umgehört, wie das Angebot angenommen wird.

Mode

Bis vor einer Woche hat Jennerwein die bestellte Ware abends ausgeliefert. Diesen Lieferservice bietet sie zwar auch weiterhin an, und er wird von Kunden gerne genutzt, wegen Click & Collect verkauft sie unterm Strich aber mehr. „Es rufen nun etwa 30 Prozent mehr Menschen an“, schätzt die Geschäftsinhaberin. „Durch die Aufmerksamkeit für Click & Collect ist die Idee, vor Ort zu bestellen, mehr ins Gespräch gekommen.“ Die Kunden können die Ware umtauschen, zahlen erst per Rechnung, wenn alles passt. Das haben jetzt scheinbar mehr Menschen mitbekommen.

Lange Schlangen fürchtet Jennerwein trotzdem nicht. Von 8 bis 17 Uhr vergeben sie und eine Angestellte im Stundentakt Termine zur Outfit-Beratung, vor allem an Stammkunden. Höchstens zwei Bestellungen in 60 Minuten also. „Wenn mehr Kunden kommen, wäre das auch ausbaufähig“, sagt Jennerwein. „Aber es ist noch nicht so der Ansturm.“ Abstand und Hygiene sind da kein Problem.

Der Umsatz schon eher. Ihre Kosten kann Jennerwein trotz Click & Collect „nicht ansatzweise“ decken. Doch das nimmt sie in Kauf. „Wir verbuchen es unter Kundenservice. Wir wollen die Menschen langfristig binden.“

Blumen

Auch in Désireé Schusters Blumenladen Die BergBlume in Tegernsee holen Kunden seit Montag vergangener Woche vorbestellte Sträuße ab. 25 Aufträge bekommt sie so pro Woche, schätzt die Inhaberin. Zusätzlich verkauft sie ihre Gebinde in Geschäften oder lässt sie von Taxis ausfahren, mit denen sie Kurierpreise vereinbart hat. „Damit auch die Fahrer etwas davon haben.“

Was Schuster freut: „Ich spüre den Zusammenhalt.“ Die Menschen kauften lieber bei ihr als beim Supermarkt oder Online-Blumenhändler. „Das Tegernseer Tal will uns unterstützen. Die Leute sagen uns: ,Wir wollen, dass Ihr bleibt.‘“

So viele Bestellungen, wie sie in der vergangenen Woche zum Abholen bekommen hat, hat Schuster früher zwar an einem Tag bekommen. Ob sich das lohnt, werde die Zeit zeigen. Doch momentan gehe es ihr weniger um den Gewinn. Sie will den Kontakt zu den Kunden nicht verlieren. „Wir müssen es jetzt einfach durch die Pandemie schaffen. Bald geht es hoffentlich normal weiter.“

Noch muss sich Schuster aber an die Gegebenheiten anpassen: Damit die Blumen im Lager nicht verwelken, konzentriert sie sich auf das Geschäft zum Wochenende. Die Kunden bestellen bis Montagabend, ab Donnerstag holen sie ab. Das erleichtert Schuster die Planung: Wegen Corona steht auch der Großhandel vor Lieferproblemen. 20 rote Rosen kann sie derzeit nicht mal schnell von heute auf morgen einkaufen, in der unsicheren Zeit aber auch nicht auf Vorrat halten. Die Pandemie zwingt sie zum Fokussieren. Für besondere Anlässe macht Schuster aber Ausnahmen. Mit einem Lachen sagt sie: „Es gibt ja auch Mittwoch Geburtstage.“

Mobilfunk

Fast wie im Normalbetrieb verkauft Christian Höing im ch-mobilediscount in Miesbach Handys, Mobilgeräte und Zubehör. Seit er vor zwölf Jahren sein Geschäft eröffnete, hat er bei seinen Stammkunden Vertrauen aufgebaut. Die helfen ihm nun durch die Pandemie. Ein paar Laufkunden kaufen auch bei ihm, aber sie sind die Minderheit.

„Das Gute an unserer Branche ist, dass Beratung wichtig ist“, sagt Höing. Seine Kunden vertrauten ihm, wollen ihre Geräte und Verträge lieber von ihm bekommen als von Amazon. Also lassen sie sich am Telefon beraten und holen ihre Geräte zeitlich gestaffelt am Abholfenster seines Ladens ab. Fenster auf, Gerät raus, alles erledigt. Zehn bis 15 Kunden pro Tag, schätzt Höing, bedient er so.

Damit ist er zufrieden. „Für uns hat sich nicht viel verändert“, sagt er. „Außer, dass die Kunden nicht mehr reinkommen, ist alles beim Alten.“

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