Mit Abstand im Klassenzimmer: Lehrer Fridtjof Haessner (l.) beim Unterricht in einem Klassenzimmer des Gymnasiums Miesbach. Die andere Hälfte der Kursteilnehmer hat sich Zuhause am Computer eingeklinkt.
+
Mit Abstand im Klassenzimmer: Lehrer Fridtjof Haessner (l.) beim Unterricht in einem Klassenzimmer des Gymnasiums Miesbach. Die andere Hälfte der Kursteilnehmer hat sich Zuhause am Computer eingeklinkt.

CORONAVIRUS - Teilweise Rückkehr stellt Schulen vor Herausforderungen – Technik hilft

Comeback der Abschlussklassen: Wechselunterricht ist aber nur die drittbeste Lösung

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
    schließen

Landkreis – „Nur die Abschlussklassen“: Ein Satz, den die Schulleiter im Landkreis Miesbach in der Praxis des seit gestern geltenden Wechselunterrichts höchst unterschiedlich erleben. Während Werner Oberholzner am Gymnasium Tegernsee durch nach wie vor „gespenstisch leere Gänge“ wandert, muss sich Michael Hüttl an der Fachoberschule (FOS) Holzkirchen bemühen, 15 Klassen und damit gut die Hälfte seiner Schüler zeitlich und räumlich so zu verteilen, dass die Vorgaben aus dem Rahmenhygieneplan weiter eingehalten werden.

Wie im Distanzunterricht gilt auch jetzt: Die Technik hilft, Reibungsverluste zu minimieren.

Berufliche Schulen

Die FOS setzt für ihre Abschlussschüler auf Hybridbeschulung. Die eine Hälfte sitzt im Klassenzimmer, die andere schaltet sich von daheim per Laptop live zu –im tageweisen Wechsel. So könne man den Stundenplan eins zu eins abbilden. „Ressourcenschonendes Multitasking“, nennt der Schulleiter diese Unterrichtsform. „Es ist gut angelaufen“, sagt Hüttl nach dem ersten Vormittag. „Wir sind digital aber auch sehr gut aufgestellt.“

An der Berufsoberschule in Miesbach hat sich der Distanzunterricht bewährt, berichtet Schulleiter Martin Greifenstein und verweist auf eine Umfrage unter den 18 bis 25 Jahre alten Schülern. „Ihnen gefällt es auch, eigenverantwortlich zu arbeiten.“ Der Wechselunterricht bringe dagegen Nachteile mit sich. „Wir haben dann nur die halbe Klasse im Unterricht. Der Rest bleibt dann sich selbst überlassen.“

Gymnasien

Auch Oberholzner sieht das Wechselmodell nur als drittbeste Lösung hinter Präsenz- und Distanzunterricht an. Der organisatorische Mehraufwand für Lehrer und Schüler werde durch soziale Aspekte nicht aufgehoben. So seien aktuell nur 36 Q12-Schüler gleichzeitig im Haus. Eine schöne Schulatmosphäre komme da nicht auf – zumal die Sorge für einer potenziellen Infektion immer mitschwinge. Wohl auch deshalb tragen so gut wie alle Schüler FFP2-Masken. Freiwillig, wie Oberholzner lobend hervorhebt.

Dass die Ruhe im Schulhaus auch ihre positiven Seiten hat, stellt der Schulleiter des Staatlichen Gymnasiums Holzkirchen, Axel Kisters, heraus. So könnten sich die angehenden Absolventen in ihren Kursen gut auf die noch ausstehenden Klausuren vorbereiten. Für die kommenden Wochen wünscht sich Kisters vor allem eins: Planbarkeit. „Je weniger Unsicherheit, desto besser.“

60 Schüler in den Klassenzimmern, 60 gleichzeitig daheim vor den Computern beim Live-Stream: „Bis jetzt sind die Erfahrungen positiv“, sagt Schulleiter Rainer Dlugosch zum Wechselunterricht am Gymnasium Miesbach. „Es klappt jetzt recht gut, weil nur die Q12 und ein paar Lehrer im Schulhaus arbeiten.“ Schwierig werde es erst, wenn alle Schüler wechselweise unterrichtet werden und so die Belastung der Datenleitung zunehme.

Realschulen

Die Realschulen sind aktuell noch nicht im Wechselunterricht. Der kommt frühestens zum 15. Februar, berichtet Tobias Schreiner, Leiter der Realschule Tegernseer Tal in Gmund und verweist auf eine Mitteilung des Kultusministeriums. „Bis dahin bleiben wir im Distanzunterricht.“ Bewährt hätten sich die „gleichzeitigen Szenarien“, sagt Schreiner – also alle im Klassenzimmer oder alle daheim. Zumal er damit rechnet, dass im Wechselunterricht die Datenleitungen der Schule rasch überlastet sein dürften.

Schülerverkehr

Noch gänzlich im Schulschließungsmodus sind auch die Busse der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) GmbH. Wie Landratsamtspressesprecherin Sophie Stadler auf Nachfrage mitteilt, gilt hier noch der Ferienfahrplan. Dies liege vor allem daran, dass ab der 11. Klasse kein Beförderungsanspruch mehr bestehe. „Dennoch ist uns daran gelegen, dass die Schüler in die Schulen kommen, wenn sie schon offen haben“, betont Stadler. Sollte es zu Problemen kommen, bittet das Landratsamt um Mitteilung. „Dann können wir uns um eine Lösung bemühen.“

sg/ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare