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Stehen nur noch bis Ende Mai: Die Wohncontainer für Flüchtlinge an der Waitzinger Wiese in Miesbach werden abgebaut. Die 36 Bewohner sollen ab Mitte April umziehen. Wohin, wissen sie noch nicht.

Freistaat hat Mietvertrag nicht verlängert

Container in Miesbach werden abgebaut: 36 Flüchtlinge auf Wohnungssuche

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Das Wohnen auf Zeit hat bald ein Ende. Ab Mitte April müssen die derzeit 36 Flüchtlinge die Container an der Waitzinger Wiese in Miesbach verlassen. Doch Wohnraum ist knapp.

Miesbach – Binnen eines Tages schwebten die Container im Mai 2014 auf die Fläche neben dem Heizkraftwerk auf der Miesbacher Volksfestwiese ein. Genauso schnell werden sie wieder verschwunden sein. Und das ziemlich genau fünf Jahre später. Am 31. Mai 2019 läuft der Mietvertrag, den der Freistaat für die mobile Wohnanlage abgeschlossen hat, aus. „Er wurde nicht verlängert“, teilt Landratsamtspressesprecher Birger Nemitz auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Die Folgen für die Bewohner: Sie brauchen eine neue Unterkunft. Kein Selbstläufer in einem Landkreis, bei dem die Wohnraumknappheit zu einem immer größeren Problem wird. Dennoch werde man versuchen, alle Geflüchteten in der Nähe ihres bisherigen Wohnorts unterzubringen, versichert Nemitz.

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Die maximale Belegung erreichte die zweistöckige Containeranlage mit Vier- und Zweibett-Zimmern im April 2016. Damals lebten hier 48 Personen. Aktuell sind es noch 36. Darunter 32 Männer und zwei Frauen mit je einem Kind. Sie stammen aus Afghanistan, Eritrea, Nigeria, Somalia, Syrien, Senegal und Kongo. 19 seien anerkannt und damit als „Fehlbeleger“ in der Unterkunft, 17 seien abgelehnt worden. Die Umzüge, so Nemitz, sollen Mitte April beginnen.

„Die Unterbringung ist eine staatliche Aufgabe“, erklärt der Behördensprecher. Heißt: Die Stadt Miesbach muss sich nicht darum kümmern. Im zuständigen Fachbereich am Landratsamt hingegen arbeitet man bereits mit Hochdruck daran, adäquate Wohnungen für die 36 Geflüchteten aufzutreiben. Kriterien sind dabei laut Nemitz neben der Nationalität auch die Verkehrsanbindung und die Struktur des Objekts sowie auch eine Nähe zu Arbeitsplätzen. Details würden bei Bedarf noch mit der Regierung von Oberbayern besprochen.

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Nemitz schickt aber schon mal voraus, dass aufgrund der „geringen Kapazitäten“ auf dem Wohnungsmarkt unter Umständen nicht alle Flüchtlinge in Miesbach oder der näheren Umgebung bleiben können. Eine Verlegung in andere Objekte im Landkreis oder „in Einzelfällen“ auch darüber hinaus sei nicht auszuschließen.

Für die dezentrale Unterbringung habe das Landratsamt bereits eine Wohnraumbörse eingerichtet, an die potenzielle Vermieter ihre Angebote richten können. Als Kontaktstelle dient der Fachbereich Asylangelegenheiten, für Gemeinschaftsunterkünfte sei die Regierung von Oberbayern zuständig. Ein gewisser Zeitdruck besteht. Ab 1. Juni werden die Container vollständig abgebaut, teilt Nemitz mit.

Um den Übergang für die Bewohner möglichst reibungslos zu gestalten, setzt das Landratsamt auch auf die Expertise von Integrationsbeirat, Helferkreis, die Asylsozialberatung der Caritas und des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch. „Sie haben eine enge und vertraute Bindung zu den Geflüchteten“, sagt Nemitz.

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Miesbachs Integrationsbeauftragte Inge Jooß warnt allerdings vor zu hohen Erwartungen. Bisher sei die Wohnungssuche in vielen Fällen „ziemlich erfolglos“ verlaufen. Dennoch werde man die Bemühungen nicht einstellen, sondern weiter bei den Vermietern für offene Türen zu werben. Nicht zuletzt über den Flyer „Wohnen für alle“, den der Helferkreis, wie berichtet, kürzlich vorgestellt hat und der nun sukzessive im gesamten Landkreis verteilt werden soll. Eines ist laut Jooß aber unausweichlich: „Der Abbau der Container macht die Wohnungsnot in Miesbach und Umgebung noch größer.“

sg

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