Olaf von Löwis fordert strengere Regeln

Ausflugsansturm trotz Lockdown: Landrat schickt Hilferuf an Söder - „Es brennt wirklich“

  • Sebastian Grauvogl
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Trotz Lockdown drängten am Wochenende zahlreiche Ausfügler an Schliersee und Tegernsee. Landrat Olaf von Löwis bittet Ministerpräsident Markus Söder nun um strengere Regeln.

  • Die Bilder von Autokolonnen und überfüllten Parkplätzen hätten ihn „entsetzt“, so der Landrat.
  • In einer SMS an Ministerpräsident fordert Olaf von Löwis (CSU) nun strengere Regeln.
  • Appelle allein würden nicht reichen, um die Ausflügler zum Daheimbleiben aufzufordern.

Landkreis – Per SMS setzte Landrat Olaf von Löwis (CSU) seinen Notruf ab. Der Grund: die vielen Tagesausflügler, die am Wochenende trotz Ausgangsbeschränkungen in den Landkreis Miesbach gekommen sind. Der Empfänger der Kurznachricht: Ministerpräsident Markus Söder.

„Lieber Markus, ich nerve dich nur sehr ungern per SMS“, schrieb Löwis. „Aber bei uns ufert der Tagestourismus aus. Es brennt wirklich.“ Das Klinikum Agatharied befürchte zurecht, dass die Notaufnahme durch die vermutlich vermehrt auftretenden Verletzungen überlastet wird. „Auch unser Krankenhaus hat mit den Corona-Patienten, die zunehmen, mehr als genug zu tun.“ Löwis Schlussfolgerung: Der Appell „bleibt zu Hause“ müsse durch Regeln bei der Ausgangsbeschränkung untermauert werden. „Die Polizei ist am Limit.“

In einer Pressemitteilung des Landratsamtes untermauert Löwis seinen Vorstoß. Die Bilder von Autokolonnen und überfüllten Parkplätzen am Wochenende hätten ihn „entsetzt“, meinte der Landrat. „Ich verstehe ja, dass jeder bei schönem Wetter raus in die Natur will. Aber wir stecken mitten in einer weltweiten Pandemie!“ Da müsse man eben mal eine Zeit lang nur von der eigenen Haustüre aus spazieren gehen und könne nicht aufs Land fahren.

Landrat fürchtet Überlastung der Notaufnahme im Krankenhaus Agatharied

Vor allem die Folgen von möglichen Unfällen von Wanderern oder Rodlern fürchtet Löwis. Wer sich im Landkreis verletze, komme mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Notaufnahme des Krankenhauses Agatharied. Dort würden die Mitarbeiter aber seit Monaten am Limit arbeiten und müssten alle Kräfte auf die Versorgung von Corona-Patienten und Notfällen konzentrieren. So bittet der Landrat alle Ausflügler: „Seien Sie verantwortungsvoll den Landkreisen an der Alpenkette und deren Bewohnern gegenüber!“

Löwis hofft nun auf die Unterstützung der Staatsregierung. Diese müsse den betroffenen Kreisen die notwendigen Mittel an die Hand geben, um den „überbordenden Ausflugstourismus in den Griff zu bekommen“. Es brauche eine gemeinsame Lösung, betont Löwis.

Infektionsgeschehen im Landkreis bleibt angespannt

Das Infektionsgeschehen im Landkreis bleibt indes weiter angespannt. Wie Landratsamtspressesprecherin Sophie Stadler berichtet, wurden dem Gesundheitsamt am 23. Dezember 48 und an Heiligabend 68 Neuinfektionen gemeldet – die zweit- und dritthöchste Tageszahl seit Pandemiebeginn. Mehr Fälle (98) wurden nur am 23. März verzeichnet. Die 7-Tage-Inzidenz ist mit über 200 so hoch wie nie im Landkreis. Am Montag lag sie bei 210.

In den vergangenen vier Tagen wurden mit insgesamt 51 Fällen zwar wieder deutlich weniger Fälle mitgeteilt, Entwarnung gibt das Gesundheitsamt laut Stadler aber nicht – im Gegenteil. Weil viele Arztpraxen über die Feiertage geschlossen hatten, müsse man davon ausgehen, dass viele Bürger erst jetzt zum Testen gehen und die Zahlen in den kommenden Tagen erneut steigen.

Grundsätzlich sei das Infektionsgeschehen im Landkreis nach wie vor diffus, also über alle Gemeinden und Bevölkerungsgruppen hinweg verteilt. Kurz vor beziehungsweise an den Feiertagen seien jedoch einige größere Cluster aufgedeckt worden: Eine Reihentestung nach einem positiv getesteten Bewohner in der Asyl-Gemeinschaftsunterkunft in Warngau (wir berichteten) habe ergeben, dass sich 25 von 45 Bewohnern angesteckt haben. Nun stehe die gesamte Einrichtung unter Quarantäne. Ferner seien auch vier Familienverbände mit jeweils bis zu zehn Personen vom Virus betroffen.

Vier weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus

Dem Gesundheitsamt wurden außerdem vier weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet: Drei Männer und eine Frau, alle im sehr hohen Alter, sind laut Landratsamt an oder mit dem Virus gestorben. Die Gesamtzahl der Todesfälle steigt damit auf 21.

Trotz der steigenden Infektionszahlen und der hohen Inzidenz ordne das Landratsamt derzeit keine weiteren, verschärfenden Maßnahmen in Ergänzung zu den bekannten Maßnahmen der Staatsregierung an.

Der Hilferuf des Landrats in Sachen Ausflügler ist hingegen bereits in München angekommen, berichtet Stadler. Landtagspräsidentin und CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner habe Löwis am Telefon versprochen, das Thema auf Regierungsebene zu besprechen.

sg

Rubriklistenbild: © Foto: DANIELA SCHÖPFER

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