Wohl bekomm’s: Eli Greindl bedient (nur fürs Foto) eine Freundin auf der Terrasse des Manuelis in Miesbach.
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Wohl bekomm’s: Eli Greindl bedient (nur fürs Foto) eine Freundin auf der Terrasse des Manuelis in Miesbach.

„Außengastronomie hätte uns jetzt eh nichts gebracht“

Dramatische Lage für Wirte: Gastronomen kritisieren Corona-Öffnungsperspektiven - „Absoluter Irrsinn“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein schickes Abendmenü draußen im Schneetreiben? Irrsinn, findet Elly Greindl vom Miesbacher Lokal Manuelis. Dass es im Corona-Lockdown zur Außen-Öffnung jetzt doch nicht kommt, sei daher egal.

Miesbach – Eine weitere Hoffnung der Gastronomie hat sich zerschlagen. Die Öffnung der Außenbereiche ab 22. März wird wegen steigender Corona-Infektionszahlen wohl kaum umgesetzt. Elly Greindl, die mit ihrem Mann Manuel das Restaurant Manuelis in Miesbach betreibt, hat sich ohnehin nichts davon versprochen. In einem witzigen Foto samt ironischem „Dankeschön“ an die Politik bringt sie die dramatische Lage ihrer Branche bei Facebook auf den Punkt. Wie es dazu gekommen ist, verrät die 33-Jährige im Interview.

Corona-Lockdown in Bayern: Weitere Hoffnung der Gastronomie zerschlagen - „Alles absoluter Irrsinn“

Frau Greindl, hatten Sie Ihre Terrasse schon vorbereitet für den Start der Außengastronomie?

Elly Greindl: Klar! Wir haben fleißig Schnee geschaufelt und den Glühweinkocher bereitgestellt. Im Ernst: Uns war von Anfang an bewusst, dass die angekündigte Öffnung uns und vielen anderen Kollegen überhaupt nichts bringt. Unsere Menüabende finden nur abends statt. Da ist es um diese Jahreszeit viel zu kalt draußen. Und was, wenn es nach dem zweiten Gang zu regnen anfängt? Sollen wir dann abbrechen? Das ist alles absoluter Irrsinn.

...den Sie zumindest fürs Foto mal getestet haben.

Elly Greindl: Ja, das war einfach ein emotionaler Ausbruch. Wir wollten zeigen, wie aussichtslos und fast schon grotesk die Lage in der Gastronomie derzeit ist. Seit fast fünf Monaten laufen alle unsere Bemühungen und Hoffnungen ins Leere. Wir können null planen und haben mittlerweile echt ziemlich Angst, wohin uns das noch führen wird.

Immerhin dürfen Sie Ihre Menüs to go anbieten.

Elly Greindl: Ganz ehrlich: Wir machen das für unsere treuen Gäste. Und, damit wir psychisch nicht endgültig an die Wand laufen. Davon leben können wir und unsere vier festangestellten Mitarbeiter nicht. Weil die auch mit Kurzarbeitergeld nicht über die Runden kommen würden, zahlen wir ihre Gehälter voll weiter – aus eigener Tasche.

Gastronomie in Corona-Zeiten: „Wir würden fast alles machen, um wieder aufzusperren“

Zum Glück gibt es ja die staatlichen Hilfen.

Elly Greindl: Ähm, ja. Wir haben kürzlich die Novemberhilfe bekommen. Nur blöd, dass jetzt schon März ist und wir jeden Monat hohe Fixkosten haben. Die stemmen wir mit unserem privaten Hab und Gut. Solange es noch geht.

Könnten Schnelltests die Rettung bringen?

Elly Greindl: Wir würden fast alles machen, um wieder aufzusperren. Aber bis jetzt hatten wir auch so nie einen Ansteckungsfall bei uns im Lokal.

Das Hygienekonzept im Manuelis hat also funktioniert?

Elly Greindl: So weit wir es beurteilen können, auf jeden Fall. Wir haben alle Kontaktdaten unserer Gäste erfasst und gespeichert. Nachfragen vom Gesundheitsamt kamen bislang keine.

Corona: Gastronome verzweifelt - „Die Frage nach dem Warum quält uns seit Monaten“

Wenn Tests schon nicht die Lösung sind, dann vielleicht der grüne Impfausweis?

Elly Greindl: Bis so was Sinn macht, müssen erst mal alle Impfwilligen einen Termin bekommen. Aber auch danach würden wir von so einer Zutrittsbeschränkung absehen. Wir wollen keine Gäste ausgrenzen. Das macht die eh schon aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft nur noch schlimmer.

Was also ist Ihr Wunsch für die kommenden Monate?

Elly Greindl: Dass wir endlich wegkommen von diesen nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidungen der Politik. Termine im Einzelhandel, keine Termine beim Discounter. Auslandsreisen sind okay, aber ein Restaurantbesuch im eigenen Wohnort ist tabu. Die Frage nach dem Warum quält uns seit Monaten. Und wir sind sprachlos über so viele Auswege, die direkt in eine Sackgasse führen...

In der Corona-Pandemie haben es auch Makler besonders schwer, Einzelhandels- und Büroflächen an den Mieter zu bringen. Allerdings gibt es Ausnahmen – und Experten, die von einer Renaissance des Einzelhandels nach der Krise sprechen. Und eine größere Runde hat sich kürzlich zu einer Videokonferenz getroffen und darüber geredet, wie der Ausflügler-Ansturm aufs Oberland gebannt werden kann. Eine Task Force soll sich jetzt kümmern. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Miesbach-Newsletter.

(sg)

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