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Corona im Landkreis Miesbach: Weitere Sterbefälle - Inzidenz weiter hoch

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Von: Jonas Napiletzki, Stephen Hank, Christian Masengarb, Felicitas Bogner, Sebastian Grauvogl

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Begrenzte Kühlmöglichkeiten: Unter anderem, weil im Krankenhaus Agatharied die Kühlkapazitäten für Verstorbene knapp werden könnten, plant das Landratsamt eine Notfall-Option.
Begrenzte Kühlmöglichkeiten: Unter anderem, weil im Krankenhaus Agatharied die Kühlkapazitäten für Verstorbene knapp werden könnten, plant das Landratsamt eine Notfall-Option. © Archiv TP

Aktive Fälle, Testen, Impfen: Die neuesten Entwicklungen und Regeln rund um die Corona-Krise im Landkreis Miesbach fassen wir hier im Ticker zusammen.

Sonntag, 5. Dezember: Inzidenz bei 619

Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis ist am Sonntag auf 619 gestiegen. Nachdem die Inzidenz von Montag bis Donnerstag von rund 580 auf rund 520 gefallen war, ist sie damit innerhalb weniger Tage um rund 100 gestiegen. Der Landkreis bewegt sich also weiter im Bereich um rund 600 Fälle, für den, sollte er weiter anhalten, das Krankenhaus Agatharied vor einer Überlastung gewarnt hat.

Freitag, 3. Dezember

Landkreis – Dr. Thomas Straßmüller, Leiter des Ärztlichen Kreisverband, hat einen „Booster-Advent“ initiiert. Heißt: Insgesamt zwölf Praxen aus dem Landkreis haben sich auf seine Anfrage hin bereit erklärt, an den Samstagen bis Weihnachten Sonderimpfaktionen anzubieten. Da mittlerweile alle Ärzte Impfstoff bestellen können, sind auch Fachärzte dabei, die sonst regulär nicht impfen. „Mit der Resonanz bin ich ganz zufrieden. Man muss ja auch sehen, dass die Praxen das personell auch stemmen müssen“, sagt Straßmüller. Verimpft werden Biontech und Moderna.

Beim Start am morgigen Samstag sind folgende Praxen mit an Bord: Dr. Wurdak-Zenzinger in Gmund, Dr. Dombrowsky in Schliersee (8.30 bis 12 Uhr ohne Termin), Dr. Kranl/Dr. Rixner in Tegernsee, Dr. Straßmüller in Gmund (Terminbuchung über www.jameda.de) und das Medicum in Tegernsee. Weitere Praxen kommen an den weiteren beiden Adventssamstagen hinzu (Infos folgen).

Der „Booster-Advent“ soll das bestehende Angebot ergänzen und optimieren, erklärt Straßmüller. Weitere Praxen hätten sich gerne an der Aktion beteiligt, hätten aber nicht genügend Impfstoff für weitere Aktionen, berichtet der Kreisverbands-Chef.

In der Nacht zum Donnerstag sind am Krankenhaus Agatharied zwei Covid-19-Patienten, die auf der Intensivstation lagen, gestorben. Seit Dienstag sind somit im Landkreis vier weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus hinzugekommen. Die betreffenden Personen waren zwischen 60 und 90 Jahre alt. Der Landkreis verzeichnet laut RKI aktuell 117 Corona-Tote seit Pandemie-Beginn.

Stand Donnerstagvormittag wurden im Krankenhaus noch vier Corona-Patienten invasiv beatmet. Auf den Normalstationen liegen momentan 31 Covid-19-Patienten, wie die Einrichtung meldet. Einmal mehr weist Sprecherin Melanie Speicher darauf hin, dass das Geschehen sehr dynamisch ist. „Die Zahlen ändern sich auch im Laufe eines Tages mehrfach.“

Mittwoch, 1. Dezember: Impfstoff knapp - Über 10 000 Infizierte

Landkreis – Von Ausnahmen abgesehen, wird als Booster seitens des Impfzentrums im Landkreis Miesbach an Über-30-Jährige derzeit nur der Impfstoff von Moderna gespritzt (siehe unten). In Zahlen heißt dies, dass der Landkreis nur 1020 Dosen Biontech bekommt, obwohl er gerne vier Mal so viel hätte, wie die Behörde auf Anfrage mitteilt. Bei Moderna herrscht derzeit keine Mengenbegrenzung, das Impfzentrum hat daher 4000 Dosen dieses mRNA-Impfstoffs geordert. Vom Johnson & Johnson-Vakzin bestellt der Landkreis 200.

Derweil verzeichnete die Region am Mittwoch den 10 000. Infizierten seit Pandemiebeginn. Nach 107 Neumeldungen landet das Landratsamt bei seiner Zählung bei exakt 10 043 Fällen. Bei gut 100 000 Einwohner bedeutet dies: Jeder Zehnte im Landkreis war schon infiziert. Wobei es vereinzelt auch Fälle einer wiederholten Infektion geben kann.

Abermals gibt es Todesfälle zu beklagen. Das Robert-Koch-Institut meldete gestern zwei weitere Fälle und insgesamt 114, zwei mehr als das Landratsamt Miesbach am Montag.

Dienstag, 30. November: Krematorien und Bestattern droht Überlastung - Leichensammelstelle geplant

Das Landratsamt hat nach eigenen Angaben mit Vorbereitungen für die Einrichtung einer Leichensammelstelle im Landkreis begonnen, in der Verstorbene bis zu ihrer Bestattung gekühlt gelagert werden können. Hintergrund sei die zunehmende Überlastung von Krematorien und Bestattern, die eine Umfrage unter Bestattern aus dem Landkreis sowie den Krematorien der Region ergeben habe. Bleiben die Todeszahlen wie bisher, sei die endgültige Überlastung eine Frage der Zeit.

Derzeit legt das Landratsamt die Örtlichkeit der Sammelstelle fest, kauft Ausrüstung oder stellt sie bereit und informiert relevante Stellen, sagt eine Behörden-Sprecherin. Eine Leichensammelstelle habe der Landkreis schon im vergangenen Winter eingerichtet. Damals aber eher zur Vorsicht, angesichts der Bilder aus Norditalien von sich stapelnden Särgen. So schlimm traf die Pandemie den Landkreis damals nicht. Nun könnte eine solche Sammelstelle tatsächlich gebraucht werden.

In Bayern gibt es derzeit knapp über 20 Krematorien, die nächsten in Traunstein und München. Bestatter legen selbst fest, mit welchen Krematorien sie zusammenarbeiten. Die Abfrage der Kapazitäten organisieren Bestatter der Region, nicht das Landratsamt selbst, sagt die Behörden-Sprecherin.

Petra Six vom Bestattungsinstitut Rauffer aus Miesbach sagt derweil, ihr Unternehmen habe noch Kapazitäten frei. Auch sie und ihre Mitarbeiter hätten aber alleine am Montag und Dienstag drei Corona-Tote beerdigt. „Die Zahlen steigen enorm“, bestätigt sie. Das Krematorium in Traunstein arbeite in drei Schichten und schicke ihr teils nachts um drei Benachrichtigungen über erfolgte Verbrennungen. Sie glaube dennoch, Krematorien und Bestatter könnten die Anforderungen auch weiter bewältigen.

Einen Flaschenhals sieht Six eher im Krankenhaus Agatharied. Dieses könne im Normalfall nur sechs Tote gleichzeitig kühlen, bestätigt das Landratsamt. Wegen Corona hat die Klinik ihre Kapazität zwar ausgebaut. An einem Wochenende oder durch Feiertage könnte selbst dies angesichts der derzeitigen Todeszahlen zu wenig sein. Über den Katastrophenschutz und die Leichensammelstelle habe die Klinik die Möglichkeit, Verstorbene im Bedarfsfall schneller zu verlegen. Sie müsse dann nicht auf die Organisation durch Angehörige und reguläre Bestattungsfahrten warten, so Six.

Impfen

In der vergangenen Woche haben sich im Landkreis erneut mehr Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen als in der Woche zuvor. Die Ärzte des Impfzentrums setzten bei allen ihren Angeboten laut Landratsamt rund 4100 Spritzen (Vorwoche: 3700).

Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, erweitert das Impfzentrum ab Mittwoch seine Öffnungszeiten. Von nun an öffnet das Zentrum sieben Tage die Woche von 14 bis 20 Uhr. Montag, Mittwoch und Freitag können sich Impfwillige außerdem von 9 bis 13 Uhr ihre Spritze abholen.

Sonntags öffnet das Impfzentrum zusätzlich von 9 bis 12 Uhr ausschließlich für Landkreisbürger im Alter über 70 Jahre. Sie können für diese Zeit – aber auch nur für diese genannte Zeit – Termine vereinbaren. Die Reservierung läuft über das Portal www.impfzentren.bayern.de.

Schüler-Quarantäne

Das Gesundheitsamt hat die Quarantäne-Regeln für Schüler angepasst. Hintergrund sei, dass durch Maskenpflicht und engmaschige Tests Ansteckungen im Schulbetrieb praktisch nie vorkommen. Daher sollen Eltern und Schüler entlastet werden. Künftig müssen Schulklassen nur in Quarantäne, wenn das Virus mindestens bei drei Schülern in zeitlichem Zusammenhang per PCR-Test nachgewiesen wurde. Bis dahin müssen nur positiv Getestete in Quarantäne. Die genauen Regeln sind auf der Homepage des Landratsamts (www.landkreis-miesbach.de) zu finden.

Montag, 29. November: Zwei weitere Tote, viele Impfungen

Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach ist am Montag laut RKI auf 538 gefallen. Außerdem sind im Landkreis laut Landratsamt zwei weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Seit Freitag sind Corona damit insgesamt vier Menschen zum Opfer gefallen: zwei Frauen und zwei Männer im Alter von 60 bis 90 Jahren. Das entspricht dem Durchschnitt von einem Todesfall pro Tag, den der Landkreis seit rund drei Wochen beibehält.

Derweil ist die Impfquote im Landkreis deutlich gestiegen: Laut Landratsamt haben sich von Freitag bis Montag knapp 1100 Menschen eine Erstimpfung abgeholt, über 5500 ihre Auffrischung. Bemerkenswert sind beide Zahlen: In der gesamten Woche von Montag, 15. November, bis Sonntag, 21. November, hatten sich nur knapp 600 Menschen im Landkreis erstimpfen lassen, eine Drittimpfung hatten knapp 3000 Personen bekommen. Beide Werte hat der Landkreis nun innerhalb von vier Tagen fast verdoppelt.

Corona im Landkreis Miesbach: Montag, 29. November
Corona im Landkreis Miesbach: Montag, 29. November 2021 © Landratsamt

Sonntag, 28. November: Inzidenz sinkt, zwei weitere Tote

Wie es aussieht, stemmt sich der Kreis Miesbach gegen den Trend der steigenden 7-Tage-Inzidenzen. Am Wochenende sank der Wert von 637 am Freitag auf etwas über 600 am Samstag auf 553 heute. Diese Zahlen meldet das Robert-Koch-Institut. Allerdings hat es im Landkreis zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Somit liegt der Landkreis bei 110 Corona-Toten seit Ausbruch der Pandemie

Viele Impfungen: Im Impfzentrum Hausham und den mobilen Impf-Angeboten haben Ärzte zuletzt viele Impfungen gesetzt - darunter auch deutlich mehr Erstimpfungen als zuletzt.
Viele Impfungen: Im Impfzentrum Hausham und den mobilen Impf-Angeboten haben Ärzte zuletzt viele Impfungen gesetzt - darunter auch deutlich mehr Erstimpfungen als zuletzt. © Thomas Plettenberg

Freitag, 26. November: Inzidenz sinkt unter 650

Die Inzidenz im Landkreis ist am Freitag laut RKI auf den niedrigsten Wert seit Anfang November gefallen: Mit 637 lag die Inzidenz um 110 Fälle je 100.000 Einwohner niedriger als am Donnerstag.

Donnerstag, 25. November: Schnelltests werden knapp - Mehr Covid-Patienten auf Intensivstation

Landkreis – Seitdem die neuen Corona-Regeln für viele Bereiche des öffentlichen Lebens 3G- oder 2G-Plus-Nachweise verlangen, ist die Schnelltest-Nachfrage in der Alten Stadtapotheke Miesbach spürbar gestiegen, sagt Inhaber Friedrich Grasberger. Zeitweise mussten Kunden sogar ein wenig warten. „Das hatten wir länger nicht mehr.“

Auch in der Marien Apotheke Holzkirchen sind alle Testtermine ausgebucht, berichtet Inhaber Christoph Gonschorek. „Im Sommer war wenig los, jetzt sind wir wieder voll im Geschäft.“

Beide Apotheker sagen außerdem übereinstimmend: Vielen Zwischenhändler haben keine Tests mehr auf Lager. Andere haben nur noch wenige und die Preise angezogen. Die Kosten für Tests zur Selbstanwendung hätten sich binnen weniger Tage teils verdoppelt.

Die Stadtapotheke habe Glück, sagt Grasberger. Er habe vor zwei Wochen Tests bestellt, die zwar mit Verzögerungen ankamen, aber dennoch die Lücke bis zu den nächsten Lieferungen schließen. Auch Gonschorek hat noch genügend Tests auf Lager. Von einigen Kollegen wisse er aber, sagt Grasberger, dass sie auf dem Trockenen sitzen.

Gesichert ist die Versorgung derweil am Testzentrum des Landkreises in Miesbach: Dieses bezieht seine Tests vom Katastrophenschutz. Bei Bedarf könne das Zentrum seine Kapazitäten außerdem kurzfristig erweitern, meldet das Landratsamt. Momentan führt es rund 40 Schnelltests und 40 PCR-Tests täglich durch. Zum Vergleich: Über das landkreiseigene Portal reihentestung.de sind es in den verbundenen Apotheken 600 bis 1000 Tests täglich.

Der BRK-Kreisverband plant derweil nicht, seine ehemaligen Teststände in Holzkirchen, Bad Wiessee und Miesbach wieder in Betrieb zu nehmen. Der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Simon Horst erklärt: „Es wäre unheimlich schwierig, in der aktuellen Lage noch Ressourcen für Bürgertests aufzubringen.“ Das BRK arbeite am Limit: „Wir können von unseren ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeitern aktuell niemanden aus der Pflege oder dem Rettungsdienst für Testungen akquirieren.“ Im Testzentrum Miesbach sei das BRK aber weiter involviert.

Krankenhaus

Die erwartete Zunahme an Corona-Patienten auf der Intensivstation des Krankenhauses Agatharied ist eingetreten. Dort liegen derzeit neun Patienten mit Covid. Vor einer Woche waren es fünf. Eine Sprecherin rechnet auf Nachfrage für die nächsten Wochen mit weiter steigenden Zahlen von Corona-Intensivpatienten.

Die Tragweite dieser Entwicklung offenbart ein Blick auf die Zusammensetzung der Intensivstation. Diese besteht aus 26 Betten: 14 Betten der eigentliche Intensivstation und zwölf Betten der sogenannten Intermediate Care, einer Art Zwischenstufe zwischen Normal- und Intensivstation zur Versorgung mittelschwerer Fälle. Die neun Corona-Patienten lagen gestern alle auf der Intensivstation und belegten dort neun von 14 Betten – mehr als zwei Drittel. Frei waren nur zwei. Corona-Patienten belegen also bereits einen Großteil der eigentlich zur Versorgung von Notfällen gedachten Kapazitäten des Krankenhauses Agatharied.

Todesfälle

Die Zahl der Corona-Toten im Landkreis ist derweil in den vergangenen drei Tagen nochmals um drei gestiegen. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen sind dem Virus also 16 Menschen zum Opfer gefallen.

Mittwoch, 24. November: Inzidenz steigt leicht - Landratsamt kontrolliert Cluster

Die Inzidenz im Landkreis ist am Mittwoch laut RKI leicht auf 704 gestiegen. Verglichen mit Dienstag ist das ein Plus von 18 Fällen je 1000 Einwohner. Der Landkreis bewegt sich damit seit gut einer Woche im Bereich um die Inzidenz 700.

Das Landratsamt hat einen Einblick in sein Monitoring gegeben. Wie berichtet, kann die Behörde wegen der hohen Inzidenz Infektionsketten schon seit Längerem nicht mehr vollständig nachvollziehen. Sie konzentriert sich daher auf die Überwachung sogenannter „Cluster of Concern“, also von Infektionsherden besonderer Bedeutung. In der vergangenen Woche hat sie insgesamt 106 dieser Infektionsherde kontrolliert. Diese seine für rund die Hälfte aller Corona-Fälle im Landkreis verantwortlich.

Der Großteil dieser besonders wichtigen Infektionsherde entfällt auf Schulen und Kitas: Sechs Infektionsherde verteilten sich auf vier Kliniken, sechs auf fünf Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie zwei auf zwei Asylunterkünfte. Demgegenüber standen Cluster in 72 Klassen aus 26 Schulen und 20 Gruppen aus 15 Kindertagesstätten – zusammen fast 90 Prozent aller Cluster.

Bei der Überwachung der Infektionsherde werden weiterhin fünf fünf Bundeswehrsoldaten das Gesundheitsamt unterstützen. Laut Landratsamt wurde der Antrag auf ihre Amtshilfe bis 10. Dezember verlängert.

Trotz Amtshilfe kann das Gesundheitsamt positive Fälle erst nach mehreren Tagen kontaktieren. Sie erhielten laut Landratsamt aber vorher einen Brief mit Infos zu Quarantäne und Freitestung.

Impfen

Ab Anfang Dezember werden, wie im überregionalen Teil berichtet, die Lieferungen mit Biontech-Impfungen deutschlandweit zurückgefahren. Für den Landkreis bedeutet das: Ab Mittwoch, 1. Dezember, erhält das Impfzentrum nur noch 1020 Dosen Biontech pro Woche, niedergelassene Ärzte noch 30 Dosen pro Woche und Praxis.

Das Landratsamt bedauert diese Regelung. Von den rund 3700 Impfungen der vergangenen Woche seien, wie schon in den Wochen zuvor, „mit Abstand die meisten“ mit dem Biontech-Vakzin erfolgt, schreibt die Behörde in einer Stellungnahme. Durch die Reduzierung, werden viele Impfwillige also auf andere Vakzine umsteigen müssen. Bekanntlich will die Bundesregierung mit der Maßnahme vor allem Spritzen von Moderna verimpfen lassen, bevor sie ablaufen.

Wieder im Einsatz: Das Testzentrum des Landkreis an der Oberlandhalle.
Wieder im Einsatz: Das Testzentrum des Landkreis an der Oberlandhalle. © TP

Dienstag, 23. November: Krankenhaus: Lage ernst, aber unter Kontrolle – Wirte regeltreuer

Die Zahl der Corona-Impfungen im Landkreis steigt weiter, konzentriert sich aber nach wie vor auf Auffrischungsimpfungen. Das geht aus Zahlen hervor, die das Landratsamt gestern vorgelegt hat. Die Zahlen im Detail: Über die Angebote des Impfzentrums Hausham erhielten in der vergangenen Woche rund 3700 Menschen eine Spritze. Das sind anderthalb mal so viele wie in der Vorwoche (2500 Impfungen) und ähnliche Zahlen wie zuletzt im Frühsommer. Allerdings: Die Anzahl der Erstimpfungen in der zurückliegenden Woche entspricht mit knapp 600 dem Wert der Vorwoche.

Nicht mit eingerechnet in diesen Zahlen sind Impfungen bei Hausärzten. Sie setzten in der vergangenen Woche rund halb so viele Spritzen wie das Impfzentrum: je rund 240 Erst- und Zweitimpfungen sowie rund 1800 Auffrischungen. Auch hier entfiel der Großteil der Impfungen also auf Drittimpfungen.

Wartezeiten

Das Landratsamt will die Wartezeiten für ältere und gehbehinderte Menschen beim ImpfbusPlus verkürzen. Je nach Räumlichkeit plant die Behörde etwa eine Sondersschlange für Schwerbehinderte und Impfwillige über 70. Hintergrund ist, dass das der ImpfbusPlus besonders mobilitätseingeschrenkten Personen zur Spritze verhelfen solle. Im Impfzentrum, wo separate Schlangen unmöglich seien, will das Landratsamt einen Wetterschutz aufbauen.

Krankenhaus

Die Lage im Krankenhaus Agatharied hat sich laut Dr. Steffen Herdtle, Pandemiebeauftragter und Chefarzt der zentralen Notaufnahme, auf hohem Niveau stabilisiert. Zwar hat die Klinik aufschiebbare Eingriffe zurückgestellt und OP-Säle stillgelegt, um Beatmungsgeräte auf die Intensivstation zu verlegen. Die Situation sei also ernst, sagt Herdtle. Die Versorgung der Notfallpatienten sei aber gesichert. „Eine Triage gibt es nicht.“

Derzeit. Weit davon entfernt ist die Klinik laut Herdtle nicht. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs gebe es zwei freie Intensivbetten. Erkranken Intensivpfleger, muss das Krankenhaus sie stilllegen. Geschieht dann ein Unfall oder brauchen Operierte ein Intensivbett und im übrigen Rettungsdienstbezirk sind auch alle Betten belegt, könnte es zur Triage kommen.

Für die nächsten Wochen sagen Prognosen mehr Corona-Patienten voraus. Herdtle: „Wir stellen uns auf eine weitere Welle ein. Wir können überhaupt nicht sagen, dass wir in Sicherheit sind.“

Gastro-Kontrollen

Die Gastronomie hat die Corona-Regeln in den zurückliegenden sieben Tagen offenbar genauer befolgt also zuvor. Laut Landratsamt besuchten Kontrolleure in der vergangenen Woche 32 Gaststätten im Landkreis. Dabei stellten sie drei Verstöße fest, die zu Ordnungswidrigkeitsverfahren führten. Das entspricht weniger als einem Verstoß je zehn Gaststätten. In der Woche zuvor hatten die Prüfer in jedem vierten einen Verstoß festgestellt.

Montag, 22. November: 13 Tote in elf Tagen - Tödlichste Phase der Pandemie

Landkreis – In den zurückliegenden elf Tagen sind im Landkreis 13 Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Sechs Todesfälle gehen alleine auf die Zeit seit vergangenem Donnerstag zurück. Damit ist die Zeit seit dem sprunghaften Anstieg der Inzidenz vor rund zwei Woche zur tödlichsten Phase der Pandemie geworden. Das geht aus Zahlen hervor, die das Landratsamt heute veröffentlichte.

Eine Entspannung der Lage lassen die Zahlen des Robert Koch-Instituts nicht erkennen. Die Inzidenz im Landkreis ist laut RKI am Montag nach einem Rückgang in der Vorwoche wieder leicht auf 747 gestiegen. Damit liegt sie um 41 Fälle je 100 000 Einwohner höher als am Sonntag. Morgen wird sie laut Landratsamt auf 686 fallen. Damit pendelt die Inzidenz seit ihrem schnellen Anstieg und leichtem Rückgang nunmehr bereits sechs Tage im Bereich um rund 700 bis 600 Fälle je 100 000 Einwohner. Damit ist Corona weiter deutlich stärker verbreitet als jemals im vergangenen Winter.

Das Landratsamt glaubt derweil, der Landkreis werde früher oder später auch wieder die wichtige Inzidenz-Marke von 1000 überschreiten, ab der gemäß der vergangene Woche verschärften Corona-Regeln ein Lockdown in Kraft tritt. „Zumindest haben wir noch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Zahl der Neuinfektionen nachhaltig sinken würde“, sagt eine Sprecherin der Behörde auf Nachfrage unserer Zeitung.

Sollte der Landkreis über die 1000er-Marke springen, wird das Landratsamt die Überschreitung zunächst amtlich bekanntmachen – so viel ist klar. Noch offen ist, wie es danach genau weiter geht. Wie viele Tage nach Überschreiten der 1000er-Inzidenz treten die verschärften Regeln in Kraft? Dazu fehlen dem Landratsamt weiter Infos des Gesundheitsministeriums. Die Sprecherin: „Die genauen Details kann ich erst benennen, sobald die neuen Regeln dann auch mal verbindlich vorliegen – sonst wissen wir nämlich auch nur das, was in den Medien bisher schon berichtet wurde.“

Ohnehin: Spezielle Vorbereitungen für einen Lockdown werde das Landratsamt nicht treffen, sagt die Sprecherin. Das sei auch bei früheren Lockdowns so gewesen.

Sonntag, 21. November: Miesbach noch immer unter der kritischen 1000er-Marke

Dem Robert-Koch-Institut zufolge liegt die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis bei 706. Damit droht aktuell noch kein Lockdown.

Freitag, 19. November: Neue Einschränkungen ab Mittwoch, aber gesunkene Inzidenz verhindert Teil-Lockdown

Weil die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis seit dem Wochenende deutlich unter die 1000er-Marke gefallen ist, bleibt dieser nach derzeitigem Stand von den härtesten Maßnahmen der neuen Corona-Regeln verschont. Gemäß des am Freitag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekanntgegebenen und ab Mittwoch, 24. November, in Kraft tretenden Pakets, gilt in Landkreisen mit einer Inzidenz über 1000 künftig ein Teil-Lockdown. Dort müssen etwa die Gastronomie, Sport- und Kulturstätten schließen, Veranstaltungen werden untersagt. Ausnahmen gibt es in diesen Gebieten nur für Kitas und Schulen sowie im Handel. Der Landkreis Miesbach ist mit einer Inzidenz von aktuell 701 von diesen Maßnahmen nicht betroffen.

Anders ist es mit den Regeln, die ab Mittwoch unabhängig von der Inzidenz für ganz Bayern gelten: Es gibt Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte - maximal fünf Personen und zwei Haushalte dürfen sich noch treffen. Außerdem wird das System von 2 G verschärft - so fallen nun etwa auch körpernahe Dienstleistungen wie Friseure darunter. Der Handel bleibt von 2 G ausgenommen, dafür soll es wieder Begrenzungen für maximale Personenzahlen geben.

Es gibt wieder eine Sperrstunde ab 22 Uhr. Clubs, Diskotheken und Bars müssen wieder komplett schließen - zunächst für drei Wochen. Alle Weihnachtsmärkte in Bayern werden abgesagt. Für alle Kultur- und Sportveranstaltungen soll von nun an 2 G plus gelten: Also geimpft oder genesen - und immer mit Maske. Nur noch maximal 25 Prozent der Zuschauer dürfen dabei sein. Diese Verschärfungen gelten alle ab Mittwoch auch im Landkreis Miesbach.

Sollte die Inzidenz ab Mittwoch über 1000 klettern, kämen die eingangs genannten weiteren Einschränkungen hinzu.

Krankenhaus warnt: Nur Wunder kann Überlastung verhindern

Agatharied – Sollten Skibetrieb und andere verletzungsanfällige Hobbys in diesem Winter uneingeschränkt ausgeübt werden dürfen, kann laut Michael Kelbel, Vorstand des Krankenhauses Agatharied, nur „ein Wunder“ die Überlastung seiner Klinik verhindern. Das gelte für Intensiv- und Normalstationen. Auf Nachfrage unserer Zeitung warnt Kelbel vor einem Winter mit vielen Notfällen und wenig Kapazitäten.

Kelbel begründet seine Warnung mit drei Argumenten. Argument eins: Er erwartet, bald noch mehr Corona-Patienten behandeln zu müssen. Wie berichtet, hat Agatharied bereits drei seiner insgesamt zwölf Normalstationen zu Corona-Stationen umfunktioniert. Weil Covid-Erkrankte einige Tage oder Wochen brauchen, bevor sie im Krankenhaus landen, glaubt Kelbel nicht, dass die seit Sonntag gesunkene Inzidenz die Lage in der Klinik entlastet. Eher dürften die vollen Auswirkungen der Infektionen Agatharied erst noch treffen. Kelbel: „Wir rechnen damit, dass wir in der nächsten Woche eine weitere Station zur Corona-Station umwidmen müssen.“

Problem zwei: Kelbel glaubt, ein größerer Teil der aktuell über 50 Covid-Patienten auf den Normalstationen müsse wegen gefährlicher gewordenen Mutationen als im vergangenen Winter irgendwann auf der Intensivstation behandelt werden. Bei aktuell 24 Intensivbetten könnte es dort schnell eng werden für verletzte Auto- und Skifahrer.

Problem drei: Laut Kelbel kann das Krankenhaus seine Kapazitäten nicht voll ausschöpfen. Wegen der Schutzmaßnahmen für Corona-Patienten müsse die Klinik auf jeder Station, die sie zur Corona-Station wandelt, Betten abbauen. Die derzeit rund 50 Corona-Patienten auf Normalstationen reduzieren die Kapazität des Krankenhauses also um deutlich mehr als 50 Betten. Wie berichtet, hat das Krankenhaus außerdem OP-Säle stillgelegt und deren Beatmungsgeräte auf die Intensivstation verlegt. Auch das senkt die Kapazität.

Schließlich plagen Kelbel Personalsorgen, gerade bei Pflegekräften: „Jede weitere Überforderung kann nur zu einem Exodus führen, was dann die betreibbaren Betten weiter reduziert.“

Donnerstag, 18. November 2021: Sieben Corona-Tote in einer Woche - Jedes vierte Bett in Agatharied von Covid-Patienten belegt

Landkreis – In den zurückliegenden sieben Tagen sind im Landkreis sieben Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Laut Landratsamt handelt es sich dabei um drei Frauen und vier Männer im Alter von 75 bis 85 Jahren. Damit steigt die Gesamtzahl der Toten seit Pandemiebeginn auf 99.

Auch das Krankenhaus Agatharied hat am Donnerstag Zahlen zu Corona veröffentlicht. Demnach behandelt die Klinik auf ihrer Normalstation derzeit 52 Covid-Patienten. Das sind mehr als doppelt so viele wie vor einer Woche – damals waren es 25. Bei insgesamt rund 200 Betten liegt nun in rund jedem vierten Bett des Krankenhauses ein Mensch mit Corona. Weil Covid-Erkrankte durch die Schutzmaßnahmen Klinik und Personal besonders belasten, ist die Gesamtbelastung laut einer Sprecherin höher, als die reinen Zahlen das vermuten lassen.

Ähnlich ist die Situation auf der Agatharieder Intensivstation. Dort liegen laut Intensivregister fünf Covid-Erkrankte. Sie belegen rund ein Fünftel der Plätze. In den Nachbarlandkreisen lasten Corona-Patienten die Intensivstationen stärker aus: In Bad Tölz-Wolfratshausen liegen in rund 40 Prozent der Intensivbetten Corona-Patienten, in der Stadt Rosenheim sind es rund 50 Prozent. Nur der Landkreis Rosenheim erreicht mit rund 25 Prozent fast den Wert des Landkreises Miesbach. Wie berichtet, hat die Regierung von Oberbayern Kliniken angewiesen, wegen der Corona-Belastung verschiebbare Behandlungen zurückzustellen.

Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis ist derweil am Donnerstag erneut gesunken. Das RKI meldet einen Wert von 781. Morgen wird dieser laut Landratsamt - die Behörde hat die im Vergleich zum RKI aktuelleren Zahlen - auf 701 sinken.

Mittwoch, 18. November 2021: Krankenhaus Agatharied stellt aufschiebbare Behandlungen zurück

18.15 Uhr: Dass die Regierung von Oberbayern auch das Krankenhaus Agatharied angewiesen hat, alle aufschiebbaren Behandlungen auf unbestimmte Zeit zurückzustellen, passt laut Vorstand Michael Kelbel zum Weg, den die Klinik ohnehin eingeschlagen hat. Man habe „planbare stationäre Leistungen bereits in den letzten Wochen gezielt zurückgefahren“, sagt Kelbel auf Nachfrage.

Grund sei, dass Corona-Patienten immer mehr Kapazitäten binden. Derzeit würden für sie drei vollständige Normalstationen vorgehalten. In der kommenden Woche wolle die Klinik außerdem ihre Beatmungsbetten von zwölf auf 20 ausbauen. Für den Betrieb der Beatmungsgeräte müsse sie Personal aus Operationssälen abziehen. Von den aktuell fünf noch betriebenen OP-Sälen werde sie daher weitere stilllegen müssen.

16:30 Uhr: Das Krankenhaus Agatharied wird ab sofort auf Anordnung der Regierung von Oberbayern alle aufschiebbaren Behandlungen auf unbestimmte Zeit zurückstellen. Das geht aus einer Meldung der Regierung vom Mittwoch hervor. Zurückgestellt werden sollen laut der Anweisung Eingriffe, die „ohne dauerhaften Schaden“ für die Patienten aufgeschoben werden können. Dazu gehören orthopädische OPs wie Knie- oder Hüftoperationen bei Gelenkverschleiß. Medizinisch dringliche Eingriffe wie zeitkritische Herz- und Tumor-Operationen sind von der Anordnung ausgenommen. Über die medizinische Dringlichkeit entscheiden die behandelnden Ärzte. Das Krankenhaus informiert Patienten, deren Behandlungen abgesagt werden.

Die Anordnung gilt für alle Covid-19 Schwerpunktkrankenhäuser in oberbayerischen Rettungszweckverbänden (siehe Titel), zu denen das Krankenhaus Agatharied gehört. Covid-19-Schwerpunktkrankenhäuser sind außerdem die RoMed Kliniken Rosenheim, Bad Aibling, Prien und Wasserburg, sowie die Schön Kliniken Vogtareuth und Bad Aibling. Gleiches gilt für die Asklepios Stadtklinik Bad Tölz und die Kreisklinik Wolfratshausen, neben zahlreichen weiteren Krankenhäusern des Oberlands. Sie alle stellen aufschiebbare Behandlung bis auf Weiteres zurück.

Die Regierung begründet die Anordnung mit dem gestiegene Aufkommen an Corona-Patienten, dem weiterhin zunehmenden Infektionsgeschehen sowie der Auslastung der Intensivbetten, die für ganz Oberbayern 94 Prozent beträgt. Auch auf den Normalstationen wachse die Zahl der Covid-Patienten „massiv“ an. Im Sinne des öffentlichen Interesses müsse daher nun zuerst die Versorgung von Notfällen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie schweren Corona-Verläufen und planbaren, aber nicht verschiebbaren Operationen sichergestellt werden.

Inzidenz sinkt leicht

Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis ist am Mittwoch laut RKI den dritten Tag in Folge gefallen – auf 893 (Dienstag: 976). Das entspricht allerdings noch immer dem siebthöchsten Wert seit Beginn der Pandemie und seit dem Rekord vom Sonntag einem Rückgang um lediglich rund ein Fünftel.

Das Landratsamt glaubt nicht, dass dieser Rückgang bereits eine Folge verschärfter Corona-Regeln ist. Auf Nachfrage sagt eine Behördensprecherin, ob die neuen Maßnahmen – unter anderem 2G in der Gastronomie – Wirkung zeigen, werde sich voraussichtlich erst in den kommenden Wochen zeigen. Bis dahin bleibe die Möglichkeit, der Rückgang könnte eine vorübergehende Schwankung oder die Folge anderer Ereignisse sein.

Impfzentrum bis April

Wer sich gegen Corona impfen lassen will, kann dies weiter im Impfzentrum Agatharied tun. Laut Landratsamt arbeitet das Zentrum wieder mit voller Kapazität. Bekanntlich hatte die Regierung im Spätsommer angeordnet, das Zentrum wegen der zwischenzeitlich stark nachgelassenen Impf-Nachfrage ab Anfang Oktober auf ein Viertel seiner ursprünglichen Kapazität zurückzufahren. Wegen der zuletzt schnell steigenden Infektionszahlen im Landkreis hat das Impfzentrum aber von der Regierung eine Ausnahmegenehmigung zum Gegensteuern eingeholt. Nach aktuellem Stand bleibt das Zentrum mindestens bis Ende April geöffnet.

Dienstag, 16. November: Strafen gegen sieben Gastronomen - Inzidenz sinkt leicht – Viele Impfungen

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach ist am Dienstag unter die Tausendermarke gerutscht: Laut RKI lag sie bei 976. Inzidenz-Spitzenreiter der Kommunen ist Fischbachau. Die 99 Fälle der vergangenen sieben Tage im Ort entsprechen einer Inzidenz von über 1700. Auf Platz zwei folgt Irschenberg mit einer Inzidenz von rund 1650. Das geht aus den Corona-Zahlen des Landratsamtes hervor.

Eine Folge der weiter hohen Inzidenz: Das Gesundheitsamt schafft es nach eigenen Angaben weiter nicht, alle Kontaktpersonen von Infizierten zu benachrichtigen. Das Landratsamt ruft daher positiv Getestete erneut auf, Kontaktpersonen selbst zu benachrichtigen.

Impfungen

Die Impfnachfrage ist im Landkreis weiter gestiegen. Mit rund 2500 Spritzen setzten die Ärzte des Impfzentrums in der vergangenen Woche fast doppelt so viele Spritzen wie in der Woche zuvor (1375 Impfungen). Wegen der großen Nachfrage kommt es im Impfzentrum teils zu Wartezeiten.

Deutlich mehr als die Hälfte der Impfungen der vergangenen Woche entfällt laut Landratsamt auf Auffrischungsimpfungen. Zum ersten Mal impfen lassen haben sich in der vergangenen Woche rund 600 Landkreisbürger. Trotz gestiegener Impfnachfrage verringert sich die Zahl der Ungeimpften also weiter zu langsam, um den Landkreis in absehbarer Zeit durchzuimpfen.

Wer selbst eine Drittimpfung möchte, kann sich diese auch im Impfzentrum Hausham nun bereits fünf Monate nach der zweiten Impfung abholen, statt wie ursprünglich nach sechs Monaten. Das Landratsamt begründet die Änderung mit dem Kabinettsbeschluss vom Montag, in dem sich die Staatsregierung für Auffrischungsimpfungen nach fünf Monaten ausspricht. Die Drittimpfung steht jedem offen, ohne Alters- und Berufsbegrenzung. Das Impfzentrum öffnet täglich von 14 bis 18 Uhr.

Gaststätten

Über das Wochenende hat das Landratsamt wie angekündigt die Einhaltung der Corona-Regeln in Gaststätten überprüfen lassen. Insgesamt haben die Kontrolleure von Landratsamt, Polizei und Bereitschaftspolizei 31 Betriebe untersucht, gegen die Anzeigen von Bürgern eingegangen waren. In sieben von ihnen, also knapp jedem Vierten, wurden sie nicht nach 3G-Plus oder 2G-Nachweisen gefragt. Die Wirte dieser Betriebe erwartet nun ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro.

Kostenlose Schnelltests

Die kostenlosen Schnelltests sind zurück. Entsprechend der neuen Regeln des Gesundheitsministeriums haben alle Bürger wieder Anspruch auf einen kostenlosen PoC-Schnelltest; also einen Antigen-Schnelltest, den eine Fachkraft abnimmt.

Im Landkreis gibt es die kostenlos Schnelltests nach Terminvereinbarung im Miesbacher Testzentrum des Landratsamts und in zahlreichen Apotheken. Eine Auswahl an kostenlosen Testmöglichkeiten bietet das landkreiseigene Portal www.reihentestung.de.

Studierende können sich noch bis Ende September kostenlos testen lassen, Bürger unter 18 Jahren bis Ende Dezember. Schwangere und Stillende haben derzeit Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test – entweder im Testzentrum oder bei niedergelassenen Ärzten.

Montag, 15. November: Inzidenz leicht gesunken

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach hatte nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Sonntag mit 1138 ein neues Hoch seit Pandemiebeginn erreicht. Mit 1098 Infektionen binnen der vergangenen sieben Tage liegt der Wert am heutigen Montag jedoch wieder leicht darunter. Der Landkreis belegt damit Platz fünf der am stärksten von Corona betroffenen Städte und Kreise Deutschlands.

Zahl der Drittimpfungen steigt stark - 478 Menschen lassen sich erstmals impfen

Im Impfzentrum in Hausham „reicht der Impfstoff auch trotz der hohen Nachfrage aus“, heißt es derweil aus dem Landratsamt. Die Zahl der Erstgeimpften ist seit Donnerstag, 11. November, von 66 009 um 478 Menschen auf 66 487 gestiegen. Die Zahl der Zweitgeimpften stieg im gleichen Zeitraum um 346 auf 64 599. Eine Booster-Impfung haben sich derweil seit Donnerstag 1592 Menschen spritzen lassen - die Zahl der im Kreis Miesbach verabreichten Drittimpfungen stieg damit auf insgesamt 6463.

Freitag, 12. November, 14.26 Uhr: Neue Zugangsbeschränkungen für Gastronomie, Beherbergung, Betriebe sowie Pflegeeinrichtungen

Die Landkreise Miesbach, Mühldorf a. Inn, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie die Stadt und der Landkreis Rosenheim haben als besonders stark von Corona-Neuinfektionen betroffene Landkreise neue Zugangsbeschränkungen erlassen. „Die Lage in den Kliniken der Region ist besorgniserregend“, schreibt das Landratsamt in einer Meldung. Ergänzend zum Katastrophenfall, den der Freistaat Bayern nun ausgerufen hat, haben sich die Landräte der betroffenen Landkreise und der Oberbürgermeister der Stadt Rosenheim mit der Regierung von Oberbayern abgestimmt und auf weitergehende Maßnahmen verständigt, die am kommenden Montag, 15. November, in Kraft treten.

2G in Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben

Für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe findet die 2G-Regelung Anwendung. Der Zugang zu diesen Bereichen ist somit nur noch geimpften und genesenen Personen sowie Kindern unter 12 Jahren gestattet. Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, erhalten mit einem aktuellen PCR-Test Zutritt zur Einrichtung, wenn der Betreiber dies gestattet. Anbieter, Veranstalter, Betreiber, Beschäftigte und ehrenamtlich Tätige mit Kundenkontakt, bei denen 2G gilt, müssen wöchentlich zwei PCR-Testungen (oder einen Schnelltest/ Selbsttest unter Aufsicht an jedem Arbeitstag) vornehmen, wenn sie weder geimpft noch genesen sind.

Für bereits angereiste Übernachtungsgäste gilt die bisherige Regelung der „Roten Ampel“ vorübergehend bis einschließlich Sonntag, 21. November, weiter. Der Gastgeber kann dabei von dieser Übergangsregelung Gebrauch machen oder die Verschärfung umgehend umsetzen.

3G-Plus für Besucher von Pflegeeinrichtungen

Für Besucher von Pflege- und Behinderteneinrichtungen gilt 3G-Plus. Die Sonderregelung für Schüler und Schülerinnen besteht weiterhin: Diese können Pflegeeinrichtungen ohne aktuellen PCR-Test besuchen. Die Sterbebegleitung ist weiterhin jederzeit zulässig. Die Maskenpflicht für alle Besucher entsprechender Einrichtungen bleibt trotz der Vorlage eines PCR-Tests weiterhin bestehen.

3G-Regel für alle Betriebe

In allen Betrieben gilt für Beschäftigte mit Kontakt zu anderen Personen im Rahmen der Tätigkeit die 3G-Regel. Beschäftigte, die weder geimpft noch genesen sind, müssen somit an zwei Tagen pro Woche über einen Schnelltest-Nachweis verfügen. Damit wird die 3G-Regel am Arbeitsplatz auf den ÖPNV, Handel sowie auf Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten ausgeweitet.

Sind gemäß der 14. BayIfSMV weitergehende Einschränkungen als die 3G-Regelung für die Beschäftigten festgelegt, bleiben diese unberührt.

Die Allgemeinverfügung tritt am Montag, 15. November, in Kraft. Sie gilt befristet bis zum Ablauf des Mittwoch, 24. November.

Dazu Landrat Olaf von Löwis: „Wir tauschen uns im Kreise der Landratskollegen intensiv aus, wie diese Infektionswelle gebrochen werden kann, die unsere Landkreise gerade mit aller Wucht trifft. Die bisher in den Landkreisen und von der Staatsregierung getroffenen Maßnahmen reichen noch nicht aus, um unser Gesundheitssystem zu entlasten. Wir benötigen weitere Einschränkungen, auch wenn diese schmerzhaft und belastend für uns alle sind. Bitte lassen Sie uns alle an einem Strang ziehen, dass unser Landkreis diese Welle gut übersteht. Bitte denken Sie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus und im gesamten Gesundheitswesen. Sie brauchen jetzt dringend unsere Disziplin! Und bitte lassen Sie sich impfen – das ist der einzige Weg aus dieser Pandemie!“

Freitag, 12. November, 14 Uhr: Landrat ruft zum Impfen auf - ImpfbusPlus kommt

Der Impfbus fährt am kommenden Samstag zu seinem letzten Einsatzort am Winklstüberl in Fischbachau, zu dem jeder Impfwillige zwischen 9 und 13 Uhr kommen kann. Ab nächster Woche ist nach knapp drei Monaten, 112 Einsätzen und knapp 4.500 verabreichten Dosen erst einmal Schluss für den großen Impfbus. Das Wetter werde einfach zu kalt, meldet das Landratsamt. Dem Bus fehle eine Heizung, die Wartezeit in der Kälte sei unangenehm.

Doch es gibt einen Ersatz: Auf den Impfus folgt der ImpfbusPlus. Das Team nutzt künftig einen kleineren Impfbus. Derzeit wird dieser umgerüstet und beklebt. Fotos gibt es, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind. Damit parkt das Team dienstags vor der Vitalwelt in Schliersee, am Donnerstag an wechselnden Standorten im Landkreis und am Samstag immer am Rathaus in Holzkirchen (Impfung im Großen Sitzungssaal, Zugang über Nordeingang am Herdergarten). Am kommenden Donnerstag, 18.11., macht der ImpfbusPlus Station am Rathaus in Bad Wiessee. Die aktuellen Haltestellen gibt es auf der Website des Landkreises.

Landrat Olaf von Löwis hat im Impfzentrum von dessem Ärztlichen Leiter, Dr. Thomas Straßmüller, die Auffrischungsimpfung erhalten.
Landrat Olaf von Löwis hat im Impfzentrum von dessem Ärztlichen Leiter, Dr. Thomas Straßmüller, die Auffrischungsimpfung erhalten. © Impfzentrum Landkreis Miesbach

Geimpft wird immer zwischen 9 und 13 Uhr, jedoch nicht am Bus, sondern in Räumlichkeiten der genannten Gebäude. Das Prinzip des Impfbusses, die Impfung zu den Bürgern zu bringen, bleibt also gleich – es wird nur wärmer. Das Team wird verdoppelt auf acht Personen; vier Ärzte und vier Verwaltungskräfte. Das Angebot soll vorerst wieder rund vier Wochen bis Mitte Dezember gelten.

Die Nachfrage nach Impfungen steigt weiter: Alleine von Montag bis Mittwoch verabreichte das Impfteam 1.041 Dosen – fast so viele wie in der gesamten Woche zuvor (1.375 Dosen).

Zur Impfung kommen darf jeder Bürger mit gewöhnlichem Aufenthaltsort in Deutschland oder einer gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in Deutschland. Der Impfstoff kann frei gewählt werden. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig. Es werden Erst-, Zweit- und Auffrischungs-/Boosterimpfungen angeboten. Das Impfzentrum ist weiterhin jeden Tag von 14 bis 20 Uhr geöffnet.

Das Landratsamt bittet, bei Auffrischungs-/Boosterimpfungen alle Unterlagen zu den vorangegangenen Corona-Impfungen mitbringen, zudem Impfpass, Ausweis und möglicherweise relevante medizinische Dokumente!

Boosterimpfung für den Landrat

Landrat Olaf von Löwis hat diese Woche im Impfzentrum seine Auffrischungs-/Boosterimpfung erhalten. Sie wurde verabreicht vom Ärztlichen Leiter des Impfzentrums, Dr. Thomas Straßmüller. Der Landrat ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich impfen zu lassen: „Holen Sie sich jetzt Ihre Auffrischungsimpfung ab! Impfen hilft!“, bekräftigt der Landrat.

Donnerstag, 11. November: Landratsamt verstärkt Corona-Kontrollen in Gastronomie – Anzeigen schnellen hoch

Das Landratsamt hat angekündigt, die Einhaltung der Corona-Regeln in der Gastronomie verstärkt zu kontrollieren. Die Kontrollen sollen „die nächsten Wochen andauern“, schreibt das Landratsamt in seinem Corona-Update. Sie sollen Gastro-Mitarbeiter, Gäste und Bevölkerung schützen sowie „die Fairness gegenüber den vielen Betrieben, die sich seit Monaten an alle Regeln halten“ sicherstellen, begründet das Landratsamt den Schritt.

Das bayerische Kabinett hatte alle besonders stark von der Ausbreitung des Coronavirus betroffenen Landkreise schon Anfang November aufgerufen, die Kontrollen auszuweiten. Damals hatte das Landratsamt gesagt, verstärkte Kontrollen wegen Personalmangel nicht leisten zu können. Dass sich das nun geändert hat, liegt an einem Kraftakt: Das für die Kontrollen nötige Personal zieht das Landratsamt aus mehreren Bereichen des Amtes zusammen. Es fehlt also an anderer Stelle. Unterstützt werden die Mitarbeiter von Polizisten der lokalen Dienststellen und Unterstützungskräfte der Bereitschaftspolizei. Die Kontrolleure sind in Teams unterwegs, tragen zivil oder Uniform, und nehmen Anzeigen direkt vor Ort auf. Jeder Kontrolleur kann sich durch einen Dienstausweis ausweisen.

Ein Grund, warum das Landratsamt die Kontrollen ausweitet, dürften zuletzt verstärkte Hinweise auf Verstöße in der Gastronomie aus der Bevölkerung sein. Diese waren seit dem Sommer deutlich zurückgegangen, hatte das Landratsamt noch Anfang November geklagt. Nun, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage, seien alleine in der vergangenen Woche mindestens so viele Anzeigen gegen Wirte im Landratsamt eingegangen wie im gesamten Oktober.

Interessant ist die Verteilung der Anzeigen. Die Landratsamt-Sprecherin: „Es gibt definitiv einzelne Gaststätten, die immer wieder angezeigt werden. Diese werden auch zuerst kontrolliert.“ Wirten, die es mit den Corona-Regeln zuletzt weniger genau genommen haben, droht also zuerst Besuch der Kontrolleure.

Der könnte teuer werden. Wirten, die Gäste beim Betreten des Lokals nicht auf einen 3G-Nachweis prüfen, müssen mit 5000 Euro Strafe rechnen. Gästen ohne 3G-Beleg drohen 250 Euro Buße. Auch Fehler beim Infektionsschutzkonzept und der 3G-Dokumentation der Mitarbeiter kosten Gastronomen 5000 Euro; Mitarbeiter ohne 3G-Nachweis zahlen 250 Euro. 

Verhängt wurden diese Bußgelder noch nicht – trotz vieler Anzeigen. Die Fälle seien alle noch im Prüfverfahren, das für jede einzelne Anzeige durchgeführt wird. „Das ist sehr zeitaufwendig.“ Zumindest einige Bußgelder dürften also folgen.

Das Landratsamt betont außerdem: Unwissenheit schütze Gastronomen nicht vor Strafe. Branchenverbände sowie das Landratsamt informierten ausführlich über die geltenden Regeln. Wer gegen sie verstößt, müsse zahlen.

Im Infektionszimmer für Covid-19-Patienten auf der Interdisziplinären internistischen Intensivtherapiestation (ITS) der Universitätsmedizin Rostock arbeitet eine Pflegekraft an einem Patienten im künstlichen Koma.
Die Sorge vor einer erneuten Überlastung der Corona-Intensivstationen wächst. (Symbolbild) © Bernd Wüstneck/dpa

MIttwoch, 10. November: Alle kommunalen Veranstaltungen bis Jahresende abgesagt - vor allem Christkindlmärkte

Der Landkreis und seine Kommunen ordnen für ihren Einflussbereich so etwas wie einen „kommunalen Lockdown“ an. Am Mittwoch haben sich Landrat Olaf von Löwis (CSU) und die Bürgermeister in einer Dienstbesprechung darauf geeinigt, „alle kommunalen Veranstaltungen bis zum Ende des Jahres ganz abzusagen oder, wenn eine Durchführung zwingend geboten ist, auf das minimalste Maß herunterzufahren“. Im Speziellen richtet sich dabei der Blick auf die Christkindlmärkte. Löwis sagt: „Ich verstehe, dass viele sich auf den Glühwein am Markt gefreut hätten. Aber denken Sie bitte an die Mitarbeiter unseres Krankenhauses: Sie kämpfen jeden Tag bis zur völligen Erschöpfung, um die Gesundheitsversorgung in unserem Landkreis aufrechterhalten zu können.“ Neben den kommunalen richte sich sein Appell daher auch an alle privaten Veranstalter: „Bitte dieses Jahr kein Märkte in der Vorweihnachtszeit.“

Das Bestreben des Landrats, Zusammenkünfte größerer Art zu unterbinden, war schon vergangene Woche feststellbar gewesen. Erst sagten die beiden großen kommunalen Kulturhäuser in Miesbach und Holzkirchen kurzfristig ihre publikumsträchtigen Termine fürs Wochenende ab, am Freitag folgte aus dem Landratsamt eilends eine Allgemeinverfügung, die 2G für „Veranstaltungen im nicht privaten Raum“ anordnete. Nach und nach sagten die Bürgermeister ihre Bürgerversammlungen ab, auch jene Rathaus-Chefs, die zuvor doch ziemlich entschlossen daran festgehalten hatten.

Anfang der Woche fielen weitere Dominosteine: Der Waitzinger Keller in Miesbach sperrt bis Jahresende zu, das Kultur im Oberbräu in Holzkirchen wollte erst nur bis zum 24. November absagen, wird nun aber mutmaßlich folgen. Was noch kommt, wird man sehen. Zahlreiche Vereine sind dem Beispiel inzwischen gefolgt und haben ihre Treffen und Veranstaltungen – obwohl ebenfalls nicht verboten, sondern nur mit Auflagen belegt – abgesagt. Was auch Einbußen für die Gastronomie bedeutet.

Wie das Landratsamt auf Rückfrage mitteilt, geht es darum, „größere Menschenansammlungen, insbesondere mit überörtlicher Anziehungskraft, zu vermeiden.“ Hier sind erkennbar auch die Christkindlmärkte am Tegernsee gemeint, die überregional beworben wurden nicht nur für die Standlbetreiber, sondern auch für die Gastgeberbranche von Bedeutung sind.

Der Landrat hoffe, dass die Bürgermeister „seine Empfehlung zur Absage aller Veranstaltungen auch auf den eigenen Wirkungsbereich ausdehnen“, heißt es seitens des Landratsamts. Zu diesem Wirkungsbereich sind zum Beispiel auch gemeindliche Adventsfeiern für Senioren zu zählen, nicht aber Gemeinderatssitzungen, die ja auch in den Lockdowns stattfinden durften. Nicht unmittelbar betroffen sind zum Beispiel Kinos, private Kulturveranstalter und die Gastronomie, für die weiterhin die bayernweiten 2- oder 3G (plus)-Regeln. Der Handel ist außen vor.

In einem Schreiben an die Bürgermeister hatte Löwis die dramatische Corona-Lage im Landkreis geschildert. Im Rettungszweckverband Rosenheim, zu dem auch der Kreis Miesbach gehört, seien die Intensivstationen zu 96,5 Prozent belegt. Über ein Viertel der Intensivpatienten sind an Covid-19 erkrankt. Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz beträgt 875. „Das bedeutet, dass sich fast ein Prozent der Landkreisbevölkerung innerhalb von sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert hat.“ Löwis weiter: „Angesichts dieser hohen Infektionszahlen wäre es grob fahrlässig, Märkte und andere Massenveranstaltungen durchzuführen.“ Dieser Haltung folgten nun die Bürgermeister im Interesse eines einheitlichen Vorgehens.

Dienstag: 9. November: Inzidenz bei 868, Landkreis wieder trauriger Spitzenreiter

Wie abzusehen, ist die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Miesbach wieder nach oben geschnellt. Laut Robert-Koch-Institut liegt sie bei 868. Zudem hat es in den vergangenen drei Tage drei weitere Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus gegeben. Die Zahl stieg auf 90.

Zahlen wiederum sind oft mit Vorsicht zu genießen beziehungsweise bedürfen der Erklärung. Am Wochenende schien es, als würde die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Miesbach etwas fallen. Doch schon heute hat der Landkreis wieder die bundesweite Spitzenposition eingenommen. Das lag an der besonders hohen Zahl von registrierten Neuinfektionen am Landratsamt Miesbach am Montag (223). Dort wiederum haben die Mitarbeiter einen Rückstau abgearbeitet. „Am Gesundheitsamt gehen so viele positive Labortests ein, dass diese teilweise gar nicht am selben Tag ans RKI gemeldet werden können“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Am Montag allerdings würden grundsätzlich weniger PCR-Testergebnisse eingehen, weil die Arztpraxen am Wochenende meist geschlossen haben. Daher ließe sich ein Stau am Wochenbeginn gut abarbeiten. Somit gingen viele Meldungen ans RKI, und die Inzidenz schnellte wieder in die Höhe.

Lokale Inzidenz in Irschenberg bei über 2000

Besonders viele Meldungen kamen in den vergangenen Wochen aus den Gemeinden Irschenberg und Fischbachau. Wenn man eine lokale 7-Inzidenz berechnet, würden die Gemeinden – Stand Montag – bei 2100 und 1780 liegen. Zur Erinnerung: Die Zahl benennt die Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen pro 100 000 Einwohner, setzt das Infektionsgeschehen also ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Die Aussagekraft von lokalen Inzidenzen ist allerdings kritisch zu sehen, weil bei kleinen Gemeinden schon wenige Infektionen den Wert schnell in die Höhe treiben. Und zu einem guten Teil ist das auch in Irschenberg und Fischbachau so. Laut Landratsamt sind dort besonders viele Familien betroffen, mehrere sogar mit Ablegern in beiden Gemeinden. Und weil schon länger gilt, dass sich eigentlich immer alle Mitglieder eines Hausstands infizieren, hat man ein reges Infektionsgeschehen. Im vorliegenden Fall gebe es „Familiencluster“ mit Betroffenen im zweistelligen Bereich.

Zuletzt oft herangezogen auch die Altersgruppen-Inzidenz. Diese waren zuletzt konstant am höchsten in den Gruppen 5 bis 14 Jahren und 15 bis 34 Jahren. Auch gestern lagen die Inzidenzen hier bei 1215 und 1455. Lediglich im Kreis Elbe-Elster (Brandenburg) findet sich bei den 5- bis 14-Jährigen ein höherer Wert – nämlich 2397. Auch hier: ein Tageswert, der sich schnell ändern kann.

Einen leicht rückläufigen Trend meint derweil das Landratsamt erkannt zu haben. So sei in der Ferienwoche der Anteil der Unter-18-Jährigen an den Positivfällen gesunken, von etwa 25 auf rund 20 Prozent. Genaueres zu Tests an Schulen konnte die Behörde gestern noch nicht mitteilen. Etwa ein Dutzend Postitivtest habe es am Montag gegeben, heißt es. Insgesamt kamen am Dienstag 165 Fälle hinzu.

Etwas weniger Covidpatienten im Krankenhaus

Etwas entspannter als zuletzt stellt sich die Lage am Krankenhaus Agatharied da – jedenfalls nach absoluten Zahlen. Am Dienstag waren 27 Covid-Patienten im Haus – am Freitag waren es noch 43 – davon lagen 21 auf Normalstation. Es war allerdings nur ein Intensivbett frei.

Derweil gab es im Landkreis an den vergangenen Tagen drei weitere Corona-Tote zu beklagen. Nach Angaben des Landratsamts handelt es sich um zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 80 und 92 Jahren.

Montag, 8. November: 340 neue Fälle in drei Tagen

Eine vergleichsweise niedrige Zahl von Neuinfektionen am Freitag hat vielleicht falsche Hoffnungen geweckt. Denn das Infektionsgeschehen im Landkreis Miesbach ist weiterhin enorm hoch. 233 neue Fälle registrierte das Landratsamt alleine am Montag. Zusammen mit denen am Wochenende sind es 340. In der Summe der vergangenen sieben Tage sind das 871. Ungefähr diesen Wert müsste folglich am Dienstag auch das Robert-Koch-Institut melden.

Am meisten betroffen sind - gemessen an der Einwohnerzahl - die Gemeinden Fischbachau (ca. 5700 Einwohner) und Irschenberg (ca. 3200 Einwohner). 101 beziehungsweise 67 Neuinfektionen gab es dort in den vergangenen sieben Tagen. Stark zugenommen hat die Zahl auch in Miesbach. Am Freitag meldete das Landratsamt noch 89 Fälle in der vorangegangenen Woche, am heutigen Montag 118.

Die regionale Krankenhaus-Ampel steht seit Sonntag offiziell auf Rot. Entsprechende Regeln gelten.

Freitag, 5. November: Straßmüller: „Mit dem Rücken zur Wand“

Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, Thomas Straßmüller, wendet sich mit einer Videobotschaft an die Miesbacher Bevölkerung. Er appelliert darin an die Eigenverantwortung der Menschen, fürchtet, dass der kommenden Winter sehr schwierig werden könnte und ist besorgt, weil das lokale Gesundheitssystem „schon Anfang November mit dem Rücken zur Wand“ steht.

Donnerstag, 4. November: Inzidenz noch einmal gestiegen - Spitzenreiter in Deutschland

18 Uhr: Eine enorm hohe Zahl von Neuinfektionen (193) registrierte erneut das Landratsamt am Donnerstag. Die hohe Inzidenz bleibt somit erstmal. Auffällig stark betroffen ist der Osten des Landkreises: Miesbach (93) sowie Irschenberg und Fischbachau (je 73) weisen die höchsten Zahlen an Infektionen in den vergangenen sieben Tagen auf. Wobei die letztgenannten Gemeinden eher klein sind.

Angezogen hat derweil das Impfen. Dies aber vor allem bei den Auffrischungen. Fast 900 Personen haben sich in den vergangenen sieben Tage den Booster geholt. Nur etwa 350 eine Erstimpfung. Immerhin, Letzteres waren 50 mehr als in den Wochen zuvor.

10 Uhr: Im Landkreis Miesbach hat die 7-Tage-Inzidenz einen neuen deutschlandweiten Höchstwert erreicht. 715,7 Infektionen pro 100.000 Einwohner haben sich in der vergangenen Woche mit dem Coronavirus infiziert. Am intensivsten ist das Infektionsgeschehen weiterhin bei den Altersgruppen fünf bis 14 (Inzidenz: 1259) und 15 bis 34 (1062)

Mittwoch, 3. November: Bundesweit an der Spitze

Trauriger Rekord für den Landkreis Miesbach: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) weist er mit 683 den höchsten Inzidenz-Wert in ganz Deutschland auf. Am Dienstag lag der Wert noch bei 621. Zusammen mit anderen stark betroffenen Regionen im Süden Bayern erlässt das Landratsamt Miesbach daher abermals eine Allgemeinverfügung, die das Infektionsgeschehen eindämmen soll. Demzufolge können sich Kontaktpersonen von Infizierten, die in Quarantäne müssen, erst nach zehn Tagen (bisher sieben) freitesten. Dies gilt für alle ab heute, Donnerstag, festgestellten Fälle. Nicht in Quarantäne muss, wer geimpft oder genesen und symptomfrei ist. (Die weiteren neuen Regeln finden Sie hier)

Theoretisch könnte der Landkreis alle möglichen Alleingänge unternehmen und Maßnahmen anordnen, die man nur aus dem Lockdown kenn. Wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt, gäbe das Infektionsschutzgesetz dies her. In der Praxis würden Anordnungen einzelner Landkreise aber keinen Sinn ergeben. Darüber herrsche Konsens zwischen Landrat Olaf von Löwis und seinen Amtskollegen. Bei einem Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen „kennt sich niemand mehr aus, dementsprechend hält sich auch niemand dran“, heißt es. Eine gewissen Ratlosigkeit kann Löwis nicht verhehlen: „Wir nach wie vor am Rätseln, wie wir den Stier am besten bei den Hörnern packen.“

Was dem Landrat – neben der Überlastung des Krankenhauses – definitiv große Sorgen bereitet, sind Großveranstaltungen, wozu er auch Bürgerversammlungen zählt. Diese hätten „einen hohen rechtlichen und politischen Status. Aber in der aktuellen Situation kann ich nur dazu appellieren, die Kontakte so gering wie möglich zu halten – seei es durch Online-Formate oder durch hybride Veranstaltungen.“ Nächste Woche soll es dazu eine Videokonferenz mit Landrat und Bürgermeistern geben.

Unterdessen siedelt Löwis die maßgebliche Verantwortung eine Stufe höher an. „Noch schärfere Regeln wie etwa ein Lockdown für Ungeimpfte – das geht nur von oben.“ Und tatsächlich hat die Staatsregierung gestern schärfere Regelungen insbesondere auch für Corona-Hotspots bekannt gegeben, die ab Samstag gelten (siehe Mantelteil dieser Ausgabe).

Ob des die harscheren Regeln 3G plus und 2G sind, oder nicht, ist unklar. Jedenfalls hat der Impfbus des Landkreises am Dienstag und Mittwoch ungewohnt hohen Andrang erfahren. Vor allem Erst- und Boosterimpfungen seien nachgefragt gewesen, heißt es aus dem Landratsamt. Der Bus hätte gut und gerne noch länger in Kreuth und Holzkirchen bleiben können. Doch das Team musste weiter ins Impfzentrum. Dessen Leiterin Beate Faus hat laut Landratsamt „aber schon gegengesteuert und der Regierung mitgeteilt, dass wir jetzt die Kapazitäten aufgrund der hohen Nachfrage wieder erhöhen werden“.

Schlange stehen vor dem Impfbus.
Anstehen für den Piks: Vor dem Impfbus bildete sich am Mittwoch eine lange Schlange. © THOMAS PLETTENBERG

Apropos Kapazitäten erhöhen: Die Bundeswehr hat am Dienstag den Amtshilfeantrag des Landratsamts genehmigt. Fünf Soldaten helfen dem Contact Tracing Team seit gestern, womit nun 30 Personen damit befasst sind, enge und besonders gefährdete Kontaktpersonen zu ermitteln – doppelt so viele wie noch vor wenigen Wochen.

Am Krankenhaus Agatharied war laut Intensivregister gestern kein Intensivbett mehr frei. Weil im gesamten Leitstellenbereich kaum Intensivbetten frei sind und die Inzidenz über 300 liegt, sind beide Kriterien für eine rote Klinik-Ampel in der Region erfüllt war. Acht Covid-Patienten werden dort gerade behandelt – und alle beatmet.

Dienstag, 2. November: „Containment“ statt Kontaktnachverfolgung - und das mit Hilfe der Bundeswehr

An eine Nachverfolgung von Kontakten bei Corona-Infizierten ist längst nicht mehr zu denken, dass Landratsamt beschränkt sich bei seiner Tätigkeit daher auf das sogenannte „Containment“. Heißt: Das Contact Tracing Team fokussiert sich auf die Ermittlung von Haushaltsangehörigen und vulnerablen Personengruppen, etwa in Pflege- oder Betreuungseinrichtungen. Damit ist immer noch genug zu tun. Deshalb hat das Landratsamt nicht nur weiteres Personal aus anderen – somit geschwächten – Bereichen der Behörde zur Kontaktermittlung abgestellt, sondern erneut um die Hilfe der Bundeswehr gebeten. Fünf Soldaten sollen helfen. Der Antrag wurde am Wochenende gestellt, eine Antwort steht aus.

Um zu verdeutlichen, was die Nachverfolgung bedeutet, nennt das Landratsamt ein Beispiel: In der Woche vor den Ferien wurden 143 Kinder und Jugendliche positiv getestet. Bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 30 Schülern hätte das Contact Tracing Team 4290 Kontaktpersonen informieren müssen. Nicht zu bewerkstelligen. Die Behörde bittet Infizierte deshalb, ihre Kontakte selbst zu informieren und nicht auf einen Anruf des Gesundheitsamts zu warten. Haushaltsmitglieder zum Beispiel müssen sofort in Quarantäne, so sie nicht geimpft oder genesen sind. Ein Freitesten ist inzwischen erst nach dem siebten Tag möglich.

Nach weniger Meldungen am Wochenende hat das Landratamt am Montag und Dienstag wieder viele Positivfälle registriert: 80 und 157. Besonders hoch ist die 7-Tage-Inzidenz bei den 5- bis 14. Hier liegt sie bei 1270. Während sie in dieser Altersgruppen andernorts noch höher liegt, bedeutet der Wert von 943 bis den 15- bis 34-Jährigen deutschlandweit Platz eins. Eine Erklärung hierfür hat auch das Landratsamt nicht.

Wieder etwas angezogen hat derweil dem Anschein nach die Impfbereitschaft. Mit 767 verabreichten Dosen war die Nachfrage beim Impfzentrum so hoch wie zuletzt Anfang September, wie es im Dienstags-Update des Landratsamts heißt.

Montag, 1. November:

Was bereits absehbar war, hat sich nun bewahrheitet: Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach ist ausgehend von Donnerstag gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet an Allerheiligen einen Wert von 558. Damit liegt der Landkreis derzeit auf dem dritthöchsten Platz der vom Coronavirus am stärksten betroffenen Städten und Landkreisen in Deutschland.

Am Sonntag, 31. Oktober, lag der Wert bei 593. Einen relativen Höhepunkt verzeichnete der Kreis Miesbach laut RKI am Samstag, 30. Oktober, mit 624 Neuinfektionen binnen der letzten sieben Tage. Am Freitag lag der Wert noch bei 567.

Ab heute, 1. November, greift die am Freitag beschlossene Allgemeinverfügung mit verschärften Corona-Regeln. Sie beinhaltet unter anderem die Rückkehr zur FFP2-Maskenpflicht und die 2G-Regel für Clubs und Diskotheken.

Donnerstag, 28. Oktober:

Die am Donnerstag leicht auf 426 gesunkene 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach war womöglich nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn am späten Nachmittag veröffentlichte das Landratsamt einen Besorgnis erregenden Rekordwert bei den Neuinfektionen: 200 Positivfälle wurden heute bekannt. Die bisherige Rekordmarke lag bei 96. Wiederum kann das Landratsamt kein Ereignis oder eine Einrichtung für die hohe Zahl ermitteln, sondern nur ein allgemein sehr hohes Infektionsgeschehen konstatieren.

Besonders hoch sind die Zahlen in Warngau mit 68 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen. Der Wert am Montag lag noch bei 34. Auch in Weyarn (51, Montag: 26) und Waakirchen (55, 34) scheint sich das Coronavirus schnell zu verbreiten.

Corona-Zahlen am 28. Oktober 2021
Corona-Zahlen am 28. Oktober 2021 © Landratsamt Miesbach

In der Summe kommt das Landratsamt auf 571 Neuinfektionen in der vergangenen Woche. In etwa so hoch wird die 7-Tage-Inzidenz sein, die am heutigen Freitag beim Robert-Koch-Institut ausgewiesen wird. Der 100 000-Einwohner-Landkreis Miesbach wird dann im noch alarmierenderen pink auf der Deutschlandkarte erscheinen.

Das Infektionsgeschehen macht es für das Contact Tracing-Team des Landratsamt noch einmal schwerer, die Kontakte nachzuvollziehen. Die Mitarbeiter seien allmählich am Verzweifeln, heißt es. Dem Vernehmen nach spielt sich ähnliches in Landkreis Rosenheim ab. Mühldorf und Traunstein liegen schon längst über einer Inzidenz von 500.

Dienstag, 26. Oktober: Mögliche Ursachen der Rekord-Inzidenz - Kommen Einschränkungen

Landkreis - Das Landratsamt hat mögliche Ursachen und Folgen der explodierenden Inzidenz im Landkreis Miesbach vorgestellt. Die Behörde stellt fest: Im Vergleich zu früheren Phasen der Pandemie mit vergleichsweise hohen Zahlen gebe es weiter weder keine Einrichtungen wie Pflegeheime, die zumindest für einen Anteil der Neuinfektionen verantwortlich gemacht werden könnten. Das Infektionsgeschehen sei diffus und die meisten Infektionsketten ließen sich nicht mehr nachvollziehen.

Der erste Erklärungsansatz, den das Landratsamt für diese Lage liefert, ist die fehlenden Erholungsphase zwischen dem Ende der Sommerferien und dem nasskalten Herbstwetter. Die Welle positiv getesteter Reiserückkehrer sei heuer spät über Bayern geschwappt, dass schlechte Wetter habe schon kurz danach begonnen. Gleichzeitig seien Infektionen aus immer wieder stark betroffenen Landkreisen wie Rosenheim über die Grenze in den Landkreis getragen worden. Alles habe die Zahlen hier in die Höhe getrieben.

Auch das Landratsamt sagt aber: Viele Bürger seien sorglos im Umgang mit dem Virus und ignorierten Schutzmaßnahmen. Die Behörde bestätigt auch Gerüchte über Corona-Partys, bei denen sich junge Menschen absichtlich mit dem Virus anstecken. Konkrete Fälle seien ihr jedoch nicht bekannt.

Ein weiterer Grund der hohen Zahlen seien die gesetzlichen Vorgaben: Dass sich asymptomatische Kontaktpersonen am fünften Tag aus der Quarantäne freitesten dürfen, sei nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes zu kurz: Viele seien wenige Tage später doch positiv. In der Zwischenzeit verbreiten sie unwissentlich das Virus. Viele Menschen täten das gleiche, weil sie leichte Krankheitssymptome falsch deuten.

Ungeimpfte Familienmitglieder Infizierter stecken sich zu 100 Prozent an

Keine Infektionstreiber seien indes Schulen, meldet die Behörde weiter. „Es gibt so gut wie keine Übertragungen in der Schule, sondern fast ausschließlich bei privaten Treffen von Schülern.“ Da in Schulen gleichzeitig viel getestet werde, würden diese vielen Fälle auch aufgedeckt. Derzeit seien 90 von insgesamt 12.000 Schülern im Landkreis positiv getestet. Die Hälfte davon verteile sich auf 19 Schulklassen, die komplett in Quarantäne sind, weil jeweils mehr als zwei Mitschüler positiv sind. Die andere Hälfte sind Einzelfälle. Besonders betroffen seien die Schulstandorte in Miesbach, Holzkirchen, Rottach-Egern und Fischbachau. Kitas seien momentan nicht betroffen.

Ebenfalls interessant: Bis auf wenige Ausnahmen infizieren sich laut Gesundheitsamt alle Familien- und Haushaltsmitglieder, sollte ein Mitglied positiv getestet werden. Bislang hätten sich im Schnitt etwa zwei Drittel der Familien- und Haushaltsmitglieder angesteckt. Bei ungeimpften Familien liege die Ansteckungsrate bei 100 Prozent.

Löwis fordert Eigenverantwortung, prüft weitere Maßnahmen

Landrat Olaf von Löwis (CSU) fordert die Landkreis-Bürger nun zur Eigenverantwortung auf: „Bitte lassen Sie sich testen, wenn Sie sich krank fühlen, bitte halten Sie sich an Quarantäne-Regeln, bitte informieren Sie selbstständig Ihre Kontaktpersonen, und bitte, bitte bringen Sie sich selbst und andere jetzt nicht in unnötige Gefahr!“

Wegen der steigenden Infektionszahlen und der vielen Fälle in den Krankenhäusern der Region prüft Löwis in Abstimmung mit anderen Landräten auch zusätzliche Maßnahmen. Er bevorzuge überregionale Lösungen, sagt Löwis. Lokale Einzel-Entscheidungen seien schwer zu vermitteln; viele Bürger würden sie schon aus Unkenntnis nicht befolgen. Die 14. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung  erlaubt Landkreisen zusätzliche Einschränkungen bei einem „regional hohen Ausbruchsgeschehen“.

Die Impfnachfrage bleibt indes hoch: In der vergangenen Woche wurden gesamt 513 Impfungen über die Angebote des Impfzentrums durchgeführt. 125 Impfungen wurden im Impfbus getätigt, in der Happy-Hour des Impfzentrums waren es 247 Impfungen, wobei allein am Freitag 99 Impflinge die Happy-Hour nutzen. Am Krankenhaus Agatharied wurden in der vergangenen Woche 141 Personen gegen das Coronavirus geimpft.

Ab 1. November impft außerdem das Krankenhaus Agatharied nicht mehr. Dafür passt das Impfzentrum in Hausham seine Öffnungszeiten wie folgt an:

Der Landkreis-Impfbus ist weiterhin im Landkreis unterwegs. Den aktuellen Haltestellenplan gibt es unter www.landkreis-miesbach.de/impfzentrum

Fragen rund um die Impfungen gegen das Coronavirus, können täglich von 09:00Uhr bis 13:00 Uhr an das Call-Center des Impfzentrums gerichtet werden: 08025 / 704 7777.

Mittwoch, 20. Oktober: Rekordwert bei der Inzidenz

Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Miesbach hat am Mittwoch einen weiteren Höchstwert erreicht Mit 272,5 lag sie um 41 höher als noch am Dienstag. Besonders betroffen sind die Altersgruppen 5 bis 14 und 15 bis 34, bei denen die Inzidenz 420 beziehungsweise 479 beträgt. In der letztgenannten Gruppe liegt der Wert deutschlandweit nur in den Kreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein, Mühldorf und Berchtesgadener Land höher. 101 15- bis 34-Jährige haben sich an den vergangenen sieben Tagen im Kreis Miesbach mit dem Coronavirus infiziert. Unverändert ist die Lage im Krankenhaus. Weiterhin liegen zwei Corona-Patienten auf der Intensivstation, beide werden beatmet. Freie Betten gibt es aktuell drei (gesamt: 24).

Einen speziellen Grund – beispielsweise eine betroffene Einrichtung – gebe es dafür nach wie vor nicht, teilt das Landratsamt mit. Neuerliche Maßnahmen wie zu Beginn des Jahres stehen derweil nicht im Raum – die Regeln haben sich geändert.

Hierzu das Landratsamt auf Nachfrage: „Da sich das Infektionsgeschehen als diffus darstellt und die Ansteckungsquellen kaum identifizierbar sind, sind gezielte Schutzmaßnahmen nicht möglich.“ Zudem ist inzwischen ja die „Krankenhaus-Ampel“ die für Einschränkungen maßgebliche Größe. Sie steht weiter auf Grün.

Im Fokus des Infektionsgeschehens bleiben nach wie vor Schulen und Kitas. „Weil dort viel getestet wird, werden auch viele Fälle entdeckt“, so das Landratsamt. Momentan (Stand: Dienstag) gibt es Fälle in drei Schulklassen an drei verschiedenen Schulen mit insgesamt acht positiv getesteten Schülern. Außerdem sind zwei Kindertagesstätten betroffen mit drei Gruppen und insgesamt fünf positiven Fällen. Das einzige größere Cluster ist eine Hochzeitsfeier mit insgesamt 14 positiv getesteten Personen.

„Diese Cluster machen aber natürlich nicht die hohe Inzidenz aus“, heißt es weiter. Hauptsächlich würden Infektionen unbemerkt im Familienkreis, bei privaten Treffen oder am Arbeitsplatz stattfinden. Eine Aufschlüsselung nach Infektionsgrund gebe es nicht. Teilweise könnten Übertragungen auch gar nicht nachverfolgt werden, weil es keine Anhaltspunkte für die Infektion gebe.

Eine Woche nach Ende der kostenlosen Testmöglichkeiten hat die Anzahl der Tests, die am Testzentrum in Miesbach durchgeführt werden, rapide abgenommen. Täglich werden ungefähr 15 PCR- und 25 Schnelltests gemacht. Allerdings führt das Zentrum keine Selbstzahler-Tests durch (wir berichteten). Ander sieht es bei den Stellen aus, die an das landkreisweite Portal www.reihentestung.de angeschlossen sind. Hier werden laut Landratsamt täglich etwa 600 Schnelltests abgewickelt. Eine Auswertung, ob diese gegen Bezahlung oder wegen eines Anspruchs auf Kostenfreiheit gemacht werden, sei nicht möglich. Zum Vergleich: Als die 3G-Regel in der Gastronomie kam, lag die Zahl der täglichen Schnelltests bei rund 1500.

Zum Thema Impfen heißt es im Update: 630 Impfungen seien über Angebote des Impfzentrums durchgeführt worden, davon 108 am Krankenhaus Agatharied, 245 während Happy Hour und Familientag am Impfzentrum und 277 am Impfbus. Spitzenreiter war vergangene Woche der Mittwoch mit insgesamt 130 Impfungen an der Impfbus-Station Herdergarten in Holzkirchen.

Derweil sieht das Landratsamt keinen Anlass zu erhöhter Kontrolltätigkeit wegen der Montag geltende Regel, wonach auch Personal in Gastronomie und Handel, das Kundenkontakt hat, der 3G-Regel unterliegt. Es gebe keine Erkenntnisse, dass in größerem Stil gegen Vorgaben verstoßen werde, heißt es auf Anfrage. Ähnliches war vor etwa einem Monat zum Thema 3G in Innenräumen verlautbart worden. „Mit den weiteren Lockerungen ist auch die Anzeigenzahl von Bürgern zurückgegangen“, schreibt das Landratsamt nun auf Anfrage. Bei Verstößen gegen die 3G-Regel liege sie pro Monat im einstelligen Bereich. Prinzipiell gelte zudem, dass die Kontrolle entsprechenden Personals in die Zuständigkeit des Arbeitgebers falle.

Freitag, 15. Oktober: Hohe Inzidenz bei Zehn- bis 19-Jährigen

Bundesweit ist die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in der Altersklasse bis 35 besonders hoch. Und da speziell bei den Zehn- bis 19-Jährigen. In acht Landkreisen, so meldet das Robert-Koch-Institut, liegt die 7-Tage-Inzidenz über 500. Dazu gehört der Kreis Miesbach zwar nicht, aber auch hier ist eine erhöhte Inzidenz zu erkennen. Genauere Zahlen weist das RKI hierzu nicht aus, aber der entsprechend eingefärbten Landkarte ist – wie bei etwa 30 der 401 anderen Städte und Landkreise –ein Wert von 250 bis 500 zu entnehmen. Die Miesbacher 7-Tage-Inzidenz für alle Altersgruppen zusammengenommen am Freitag: 186.

Das erhöhte Aufkommen von Infektionen bei Schulkindern hat das Landratsamt Miesbach inzwischen ja schon thematisiert (wir berichteten). Die bayerische Teststrategie mag das Ihre dazu beitragen, dass Infektionen, die wegen Symptomfreiheit vielleicht unentdeckt geblieben wären, erkannt werden. Aktuell sind laut Landratsamt fünf Fälle an Kitas im Landkreis bekannt, drei Einrichtungen sind betroffen, insgesamt vier Gruppen in Quarantäne. Bei den Schulen sind es zehn positive Fälle in vier Klassen (zwei Schulen).

Weil die Zahl der Kontaktpersonen in Schulen naturgemäß recht hoch ist, wird die Kontaktverfolgung immer schwieriger. „Das Contact Tracing Team ist wirklich an der Grenze“, heißt es aus dem Landratsamt. „Es ist nicht mehr möglich, alle Kontaktpersonen noch am selben Tag anzurufen.“

Derzeit – Stand Freitag – besteht das Team aus 14 Personen. Der vorgegebene Schlüssel sieht eigentlich 20 vor. Das Problem laut Landratsamt: Die Stellen sind seitens der Regierung befristet, die Fluktuation daher „nicht zu unterschätzen“. Einige Kollegen hätten beispielsweise in andere Bereiche im Haus gewechselt, „was fürs Landratsamt angesichts des Fachkräftemangels super ist, fürs CTT aber herausfordernd“. Die Ausschreibungen für die freien Stellen seien am Laufen. Eine kurzfristige Aufstockung sei aber nicht möglich, da alle Stellen über die Regierung von Oberbayern genehmigt werden müssten.

Dienstag, 12. Oktober: Drei Kita-Gruppen und fünf Schüler in Quarantäne - Nachverfolgung wird immer schwieriger

Der Kreis Miesbach rangiert mit einer 7-Tage-Inzidenz von 180 liegt der Landkreis deutschlandweit unter den Top Ten der am stärksten betroffenen Städte und Landkreis. Auch wenn das Infektionsgeschehen weiterhin diffus ist, liegt ein besonders Augenmerk auf Schulen und Kitas, wie das Landratsamt in seinem wöchentlichen Update meldet. Aktuell sind demzufolge drei Kita-Gruppen an zwei Einrichtungen in Quarantäne. Jeweils ein Positiv-Test war hier ausschlaggebend. Zudem sind Schüler aus fünf Klassen an zwei Schulen in Quarantäne. Hier waren zwei beziehungsweise drei Kinder positiv. Angesichts von Klassengrößen von bis zu 30 Kindern wird die zeitnahe Nachverfolgung immer schwieriger.

Angebote des Landkreis-Impfzentrums wurden vergangene Woche 712 Mal wahrgenommen. Darauf entfallen 333 auf den Impfbus, dessen Einsatz nun verlängert wurde (wir berichteten). Insgesamt wurden seit Start am 11. August dort 2100 Spritzen gesetzt.

Lesen Sie hierzu auch: Corona: Landrat verlängert Impfbus-Angebot „um mindestens vier Wochen“ - Testnachfrage teils eingebrochen

Montag, 11. Oktober: Zahlen weiter hoch - Wieder zwei Intensivfälle

Das Miesbacher Gesundheitsamt verzeichnet weiterhin hohe Zahlen an Corona-Neuinfektionen. 70 Fälle kamen von Freitag bis Montag hinzu, macht 180 Neuinfektionen binnen der vergangenen sieben Tage. Was somit auch die 7-Tage-Inzidenz ist, da der Kreis Miesbach ziemlich genau 100 000 Einwohner hat. Weiterhin gibt es fast kein einzelnes Ereignis oder einen Einrichtung (Betrieb, Schule), die für das hohe Aufkommen verantwortlich ist. Einzig eine Hochzeit, bei der sich zwölf Personen infiziert haben, kann das Landratsamt als Cluster nennen.

Wieder etwas angespannt hat sich derweil die Lage im Krankenhaus. Zwei Corona-Patienten liegen auf der dortigen Intensivstation, beide werden beatmet. Bislang sind im Kreis Miesbach 87 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Freitag, 8. Oktober: Ärzte besorgt wegen Hospitalisierungsrate - Impfbus-Verlängerung wird geprüft

Das wieder angestiegene Infektionsgeschehen im Kreis Miesbach (wir berichteten) bereitet dem Gesundheitsamt zunehmend Sorge. „Unsere Ärzte gehen davon aus, dass sich die hohen Infektionszahlen schon bald auch in der Hospitalisierungsrate niederschlagen“, heißt es aus dem Landratsamt auf Anfrage. Das würde zweierlei bedeuten: Zum einen könnte die Staatsregierung Einschränkungen beschließen, wenn die (bayernweite) Krankenhausampel umschlägt. Zum anderen habe eine Überlastung der Krankenhäuser natürlich unmittelbar Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung.

Für die Gesundheitsämter ist es daher wichtig, Infektionsketten nachvollziehen und durchbrechen zu können – was aber nur funktioniert, wenn Infizierte ihre Kontaktpersonen wahrheitsgemäß angeben. Andernfalls könne sich das Coronavirus weitgehend ungehindert verbreiten.

Besonders hoch sind die Zahlen derzeit in Weyarn. Bis Donnerstag hatten sich dort binnen sieben Tagen 34 Menschen angesteckt – Landkreis-Höchstwert, obwohl die Gemeinde mit knapp 4000 Einwohnern zu den kleineren gehört. Weiterhin gilt: Dem Gesundheitsamt ist kein einzelnes Ereignis oder keine Einrichtung bekannt, das oder die die Zahl erklären könnte. Derweil haben zahlreiche Bürgermeister den Landrat am Rande einer Veranstaltung angesprochen, ob es nicht möglich wäre, den Impfbus etwas länger in Betrieb zu belassen. Der Landrat stehe dem positiv gegenüber und habe Beate Faus, Leiterin des Impfzentrums, beauftragt, das zu prüfen. Bezahlen müsste der Landkreis das Angebot dann selbst, da die Kostenübernahme durch die Regierung ausläuft. Derzeit ist der Bus aber sicher unterwegs, diesen Samstag steht er Am Ladehof in Holzkirchen, am Sonntag an der Vitalwelt in Schliersee und am Montag an der Naturkäserei in Kreuth (je 8.30 bis 17.30 Uhr).

Donnerstag, 7. Oktober: Starker Anstieg der Infektionszahlen

Zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen ist es in den vergangenen drei Tagen gekommen. Wie aus der am Donnerstag veröffentlichen Übersicht des Landratsamts hervorgeht, wurde bei 110 Personen das Coronavirus nachgewiesen. Zum Vergleich: In den fünf Tagen davor waren es zusammen 80 Fälle. Setzt sich dieser Trend fort, dürfte die Inzidenz sprunghaft ansteigen. Zuletzt war sie wieder etwas gefallen – von 160 auf 149. Die meisten Infizierten gibt es derzeit in Weyarn (34), gefolgt von Miesbach (31) und Hausham (16).

Wie am Dienstag berichtet, sind laut Landratsamt derzeit zahlreiche Infektionen bei Schülern und Kindergartenkindern festzustellen, die meist mit keinen oder nur leichten Krankheitssymptomen einhergehen. Insgesamt sei das Infektionsgeschehen aber weiterhin diffus. Mittlerweile wird wieder eine Person auf der Intensivstation beatmet. Die Zahl der Impfungen steigt weiter leicht an. Inzwischen haben 1307 Personen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Die Übersicht über das Infektionsgeschehen im Landkreis am 7. Oktober 2021.
Die Übersicht über das Infektionsgeschehen im Landkreis am 7. Oktober 2021. © Landratsamt

Dienstag, 5. Oktober: Ständig über 100 Schüler in Quarantäne

Das Corona-Infektionsgeschehen im Kreis Miesbach ist unverändert hoch. Auch am Dienstag lag die 7-Tage-Inzidenz bei über 150. Und weiterhin kann das Landratsamt keinen Hotspot ausmachen. „Das Infektionsgeschehen ist weiterhin diffus – auch wenn das Landratsamt nachvollziehen kann, dass diese Aussage für viele unzufriedenstellend ist“, schreibt die Behörde in ihrem Update. Es lasse sich schlichtweg nicht die Einrichtung X oder das Treffen Y für die hohen Zahlen verantwortlich machen. Das gelte auch in Weyarn, das in den vergangenen sieben Tagen mit 27 Neuinfektionen (Landkreis 155) vergleichsweise stark betroffen war.

Ein Auge hat die Behörde derweil auf Schulen und Kitas, bei Ersteren allein schon, weil dort dauerhaft getestet wird. Aktuell seien drei Schulen und fünf Kindergärten betroffen und dort – auch wegen Geschwisterkindern – mehrere Klassen und Gruppen. Zu den Schulen heißt es auf Anfrage: „Wir pendeln seit letzter Woche jeden Tag zwischen zehn und 15 positiven Schülern in Quarantäne und dazu immer circa 90 Schüler, die als Kontaktpersonen in Quarantäne sind.“ Anders als früher müssen nicht mehr ganze Klassen daheim bleiben, wenn ein Kind positiv getestet wurde. Vielmehr schaut sich das Gesundheitsamt die Kontakte genau an.

Bei den Kitas sieht es ein wenig anders aus: Weil hier regelmäßige Tests nicht vorgeschrieben sind und Hygieneregeln kaum durchsetzbar, muss bei einem positiv getesteten Kind die ganze Gruppe in Quarantäne. Aktuell sind acht Gruppen betroffen, die auf fünf nachgewiesene Infektionen zurückgehen. Jeweils gilt: Die Quarantäne kann verkürzt werden, wenn nach fünf Tagen ein negatives Testergebnis bei völliger Symptomfreiheit vorliegt. Betroffen sind natürlich immer auch Eltern, allein schon wegen der Betreuung zu Hause, aber eben auch als Kontaktpersonen. Mit 39 von 155 registrierten Neuinfektionen machen Unter-16-Jährige ziemlich genau ein Viertel des epidemischen Geschehens aus.

Diesem genauer auf die Spur zu kommen, sei schwer, erklärt das Landratsamt. „Es gibt immer mal wieder Tendenzen, zum Beispiel, das eher Jüngere betroffen sind.“ Ein Muster habe sich aber nicht finden lassen. Oft sei es für das Contact Tracing Team einfach nicht möglich, herauszufinden, wo sich eine Person angesteckt hat. „Und natürlich sind die Kollegen darauf angewiesen, dass Kontaktpersonen wahrheitsgemäß angegeben werden.“

Was das Thema Impfung betrifft, verzeichnete das Landratsamt vergangene Woche 621 – gut 40 weniger als in der Vorwoche. 24 Dosen wurden am Drive-In verabreicht, ein Angebot, das inzwischen eingestellt wurde, 94 Personen ließen sich im Krankenhaus Agatharied impfen, 252 während der Happy Hour und dem Familientag am Impfzentrum sowie 251 am Impfbus. Obwohl vergangenen Freitag mit 76 Dosen ein Tageshoch bei dem mobilen Angebot erreicht wurde, stellt der Landrat den kostspieligen Impfbus Mitte Oktober bekanntlich ein.

Bis Ende dieser Woche macht er noch an folgenden Stationen Halt:

Mittwoch: 8.30 bis 17.30 Uhr: Herdergarten Holzkirchen
Donnerstag, 13.30 bis 17.30 Uhr: Kirchplatz Fischbachau
Freitag, 8.30 bis 17.30 Uhr: Bräustüberl Tegernsee.

Montag, 4. Oktober: Zahl der Neuinfektionen rückläufig

Nach einem Höchststand von 168 (Donnerstag) ist die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Miesbach allmählich wieder am Sinken. Am Montag lag sie bei 156. Besonders intensiv war das Infektionsgeschehen in den vergangenen sieben Tagen in Weyarn mit 27 Fällen. Im deutlich größeren Miesbach waren es 29. Zweistellig auch die Werte für Hausham (19), Fischbachau, Holzkirchen (je 12), Rottach-Egern (11) und Warngau (10). Derweil meldet das Krankenhaus keinen Corona-Patienten mehr auf der Intensiv-Station. Das war zuletzt ganz anders: Am Donnerstag standen noch vier intensiv betreute Patienten auf dem Tableau, zwei davon beatmet.

Dienstag, 28. September: Inzidenz bei fünf- bis 15-Jährigen springt über 300

Landkreis – Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach ist in der vergangenen Woche stark gestiegen: 151 Fälle in einer Woche bescheinigte das RKI dem Landkreis am Dienstag. Exakt eine Woche zuvor waren es noch 114 Fälle gewesen. Das Plus von knapp einem Drittel in sieben Tagen katapultiert die Landkreis-Inzidenz auf den höchsten Wert seit Mitte Mai und den sechsthöchsten Wert deutschlandweit.

Abschließend erklären könne das Gesundheitsamt den Anstieg nicht, meldet nun das Landratsamt. Es biete aber Ansätze: Eine Ursache seien wohl die vielen Infektionen in den Nachbarlandkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgaden, die alle zu den fünf Landkreisen mit der bundesweit höchsten Inzidenz zählen. Einige Viren seien wohl über die Grenzen geschwappt.

Diese Erklärung belegt eine Hochzeitsfeier im Landkreis Rosenheim, in deren Folge bislang 19 Bewohner des Landkreises Miesbach an Corona erkrankt sind. Das Contact Tracing Team (CTT) habe alleine in diesem Fall 134 Kontakte überprüft, meldet das Landratsamt. Abgesehen von der Hochzeit gebe es im Landkreis viele kleinere Infektionsherde. Insgesamt sei das Geschehen weiter diffus. Weil alle positiven Test einen ähnlichen Prüfaufwand nach sich zögen wie die Hochzeit, arbeite das CTT an der Belastungsgrenze.

Infektionen nach Alter

Interessantes verrät die Aufschlüsselung der Infektionslage im Landkreis nach Alter. Laut RKI beträgt die Inzidenz bei fünf- bis 14-Jährigen mit einem Wert von 309 mehr als das Doppelte des Landkreis-Durchschnitts. Auch 15- bis 34-Jährige (Inzidenz: 227) stecken sich besonders häufig an. Menschen von 60 bis 79 Jahren (82) und über 80 Jahren (57) liegen hingegen deutlich unter dem Landkreis-Durchschnitt.

Der Infektionsschwerpunkt bei jüngeren Menschen legt nahe: Corona ist an Schulen unterwegs. Das bestätigt das Landratsamt: Seit Schuljahresbeginn seien 37 Schüler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Derzeit seien zwölf positiv getestete Schüler in Quarantäne sowie rund 90 ihrer Kontaktpersonen. Wie berichtet, müssen bei einer Infektion an einer Schule nicht länger alle Klassenkameraden des Erkrankten in Quarantäne, sondern nur jene, die ein Arzt des Gesundheitsamtes als möglicherweise infektiös einstuft.

Impfen und testen

Die Impfkampagne, die die Inzidenz senken könnte, schreitet weiter langsam voran: Insgesamt spritzten die Ärzte im Landkreis in der vergangenen Woche 663 Impfdosen bei allen Angeboten des Impfzentrums, 245 davon im Impfbus. Letzterer wird nur noch zweieinhalb Wochen – bis 15. Oktober – im Landkreis unterwegs sein.

Auch das Drive-In-Impfangebot am Testzentrum in Miesbach endet zum 1. Oktober. Insgesamt fährt der Landkreis die Angebote des Impfzentrums damit ab Oktober wie von der Staatsregierung vorgesehen auf ein Viertel der ursprünglichen Kapazität zurück.

Eine gute Nachricht zu Corona-Lage bleibt: Die Krankenhaus-Ampel steht weiter auf Grün. Die Zahl der auf der Intensivstation in Agatharied versorgten Corona-Erkrankten ist jedoch laut Intensivregister in der vergangenen Woche gestiegen: Am Dienstag lagen dort drei Corona-Patienten. Sieben Tage zuvor war es einer.

27. September: Inzidenz springt wieder über 150 - Höchster Wert seit Mai

Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Miesbach ist in der vergangenen Woche stark gestiegen. Laut RKI beträgt sie heute 152. Am Montag vergangener Woche hatte sie noch bei 110 gelegen. Das entspricht einem Plus von knapp 50 Prozent in sieben Tagen und ist der höchste Wert seit Mitte Mai.

Die Krankenhaus-Ampel steht derweil weiter auf grün. Derzeit versorgt die Klinik Agatharied laut Intensivregister drei an Corona-Erkrankte auf der Intensivstation.

Die Corona-Lage im Landkreis Miesbach am Montag, 27. September 2021.
Die Corona-Lage im Landkreis Miesbach am Montag, 27. September 2021. © Landratsamt

20. September: Lolli-Pooltests an Grundschulen kommen - Sind manche Eltern übervorsichtig?

Was die Schulen in der Corona-Pandemie betrifft, hat für die Politik das Aufrechterhalten des Präsenzunterrichts Priorität. Daher wurden die Maßnahmen zu Beginn des Schuljahres verschärft. Neben Maskenpflicht auch am Platz (Community-Maske für Grundschüler, medizinische für ältere) werden dreimal pro Woche Schnelltests durchgeführt. Wie das Landratsamt in seinem Corona-Update mitteilt, gibt es seit dieser Woche an Grundschulen sogenannte Lolli-Pooltests. Dabei lutschen die Schüler für 30 Sekunden an einem Abstrichtupfer. Diese Lollis werden in einem Pool ausgewertet – also alle auf einmal. Sollte ein Pooltest positiv sein, wertet das Labor über Nacht die Einzelproben aus, die Schüler mit abgegeben haben. Kinder mit Positivtest müssen zu Hause bleiben. Das Gesundheitsamt bewerte dann jeden Einzelfall. Dies soll dazu führen, dass mehr so häufig die ganze Klasse in Quarantäne geschickt werden muss, wenn ein Kind positiv getestet ist.

Der Landkreis habe sich gut vorbereitet, wegen einer Verzögerung bei der Ausstattung der Schulen mit Software durch eine Unternehmen, seien die Pooltests nicht sofort in allen Grundschulen im Landkreis eingeführt worden. Spätestens Ende dieser Woche ist dies aber verpflichtend.

Das Gesundheitsamt schickt nur nur Schüler in Quarantäne, die direkt mit dem positiv getestet Schüler einen potenziell infektiösen Kontakt hatten. Dennoch würden einige Eltern ihre Kinder als Vorsichtsmaßnahme zu Hause lassen. Um den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten, bittet die Behörde die Eltern, den Bewertungen des Gesundheitsamtes zu vertrauen.

Dienstag, 21. September: Impfbus steuert Schulen an - Resonanz „sehr gut“

Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Miesbach ist noch einmal ein wenig gestiegen – auf 113 am Dienstag, ein im oberbayerischen Vergleich inzwischen überdurchschnittlichen Wert. Laut Landratsamt Miesbach gibt es kaum besondere Infektionsherde, allerdings zwei Cluster. Bei einem Treffen im Tegernseer Tal haben sich mindestens zwölf Personen angesteckt, ferner waren zehn Landkreisbürger bei einer Hochzeit im Kreis Rosenheim, bei der sich das Coronavirus verbreitete. „Es gibt noch über 100 enge Kontaktpersonen aus dem Landkreis Miesbach, bei denen abzuwarten bleibt, ob weitere Infektionen auftreten“, heißt es im Corona-Update des Landratsamts. Und weiter: „Die allermeisten neuinfizierten Personen sind nicht geimpft.“ Und nahezu alle Fälle gehen auf die Delta-Variante zurück.

Bei den Impfungen geht es derweil weiter voran – neuerdings auch an den Schulen. Das Impfzentrum sei aktiv auf die Schulen zugegangen und habe sie angeschrieben, heißt es seitens des Landratsamts auf Anfrage. Ob der Impfbus tatsächlich vorbeikommt, entscheide die jeweilige Schulleitung. Diese kommuniziere die Termine dann an die Schüler und Lehrer. Eine öffentliche Bekanntmachung erfolge in diesem Fall nicht, da die Impfungen hier den Schülern, ihren Eltern und den Lehrern vorbehalten seien. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass die Behörde keine Impfskeptiker auf den Plan rufen möchte. Diese sehen insbesondere die Impfung von Kindern als problematisch an.

Die Resonanz der Schulen ist laut Stadler „sehr gut“. Fast alle Schulen würden von dem Angebot Gebrauch machen wollen. Letzte Woche habe ein Termin stattgefunden, diese Woche zwei. Weitere würden folgen, die Planung sei angelaufen. Stadler: „Das Schuljahr hat ja gerade erst angefangen.“

Hier die weiteren Stationen des Impfbusses:

Mittwoch, 22.09.2021: 11:00 Uhr – 17:30 Uhr Fischbachau, Cafe Winkelstüberl, Leitzachtalstraße 68
Donnerstag, 23.09.2021: 11:00 Uhr - 17:30 Uhr Holzkirchen Rathaus, Herdergarten
Freitag, 24.09.2021: 8:30 Uhr - 17:30 Uhr Miesbach, Parkplatz Rewe, Am Windfeld 19
Samstag, 25.09.2021: 09:30 Uhr – 16:00 Uhr Hausham, Hausham bewegt, Sportanlage Agatharieder Weg 11
und 14:00 Uhr - 18:00 Uhr Holzkirchen, Tafel, Am Ladehof 6
Sonntag, 26.09.2021: 10:00 Uhr – 14:30 Uhr Otterfing, Schulstraße 10
und 16:00 Uhr – 21:00 Uhr Miesbach, Eishockey Stadion, Tölzer Str. 3

Dienstag, 14. September: Impfangebot kurzfristig aufgestockt – Inzidenz bei 69

Landkreis – Die Ferien sind vorbei, doch die Folgen der Urlaubsreisen ziehen sich für einige Landkreisbürger noch in den normalen Alltag hinein. Wie das Landratsamt mitteilt, sind aktuell die meisten Corona-Neuinfektionen auf Reiserückkehrer zurückzuführen. An der Zunahme des Infektionsgeschehens habe sich in der vergangenen Woche nicht viel geändert. Die 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis Miesbach beläuft sich laut RKI-Dashboard vom Dienstag auf 69, sieben Fälle weniger als am Montag.

Von „zahlreichen kleineren, zusammenhängenden Fallkonstellationen“ spricht das Landratsamt im gestrigen Corona-Update. Dabei handle es sich etwa um Familienmitglieder, die sich gegenseitig angesteckt haben. Das Ergebnis seien die vergleichsweise hohen Zahlen in den Gemeinden, in denen die Familien beheimatet sind.

Drei Infektionscluster im Fokus: Seniorenzentrum, touristischer Betrieb und ambulanter Pflegedienst

Nach wie vor im Fokus stehen aber drei Infektionscluster im Landkreis. Darunter das Seniorenzentrum Schwaighof in Tegernsee mit acht positiv getesteten Bewohnern seit dem 26. August, ein touristischer Betrieb im Leitzachtal (seit 2. September) mit drei Landkreisbürgern sowie einer Person aus dem Landkreis Neumarkt und einer Person aus Mittelsachsen, bei denen das Coronavirus festgestellt wurde, und ein ambulanter Pflegedienst im nördlichen Teil des Landkreises mit drei infizierten Landkreisbürgern seit 7. September. Das Landratsamt weist darauf hin, dass die Cluster nicht vollständig in die 7-Tage-Inzidenz einfließen, da der erste Fall meist schon länger zurückliegt.

Nochmals aufgestockt hat die Behörde das Impfbus-Angebot. Um möglichst viele Bürger bis zum Betriebsende Mitte Oktober zu erreichen, wurde der Haltestellenplan kurzfristig um weitere Termine ergänzt (siehe Einzelmeldungen auf unseren Lokalseiten). In der vergangenen Woche haben sich laut Landratsamt 279 Personen im Bus einen Piks verpassen lassen. 108 Bürger ließen sich am Krankenhaus Agatharied impfen, 60 beim Drive-In am Testzentrum in Miesbach, 298 bei Happy Hour und Familientag im Impfzentrum in Hausham. (sg)

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