Einschulung in Baden-Württemberg
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Einen unbeschwerten Start in die Schule wünschen alle Eltern für ihre Kinder. Ob das im neuen Schuljahr 2021/2022 möglich sein wird, ist derzeit – angesichts der Corona-Krise – noch offen.

Korridorkinder

Corona: Kaum Auswirkung auf Einschulung im Landkreis Miesbach - „wenig kommuniziert“

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Die Zahl der verschobenen Einschulungen von Kindern im Grundschulalter hat sich im Landkreis Miesbach nicht erhöht. In der Corona-Pandemie ist das überraschend.

Landkreis – Geschlossene Schulen, Homeschooling: Viele Familien leiden stark unter der Corona-Krise. Und Eltern, deren Kinder heuer im September in die erste Klasse kommen sollen, fragen sich, ob sich das Chaos bis dahin gelegt hat. Sind ihre Schützlinge sogenannte „Korridorkinder“, dürfen sie sogar selbst entscheiden, ob sie die Einschulung noch mal verschieben. Machen – angesichts der Pandemie – heuer mehr Familien von dieser Möglichkeit Gebrauch? Um ihren Kleinen so einen unbeschwerten Start in den Ernst des Lebens zu gewähren?

Schulamtsleiter: Keine Corona-Auswirkungen auf Einschulungen im Landkreis Miesbach

„In anderen Landkreisen hat das möglicherweise größere Auswirkungen, aber hier nicht“, sagt Jürgen Heiß, Fachlicher Leiter des Staatlichen Schulamts in Miesbach, der dazu die Einschätzung einiger Schulleiter eingeholt hat. Im Landkreis gibt es 15 reine Grundschulen sowie vier Grundschulen, die an eine Mittelschule angeschlossen sind. Und zwei private Grundschulen. Heiß selbst hatte angesichts der Pandemie mit deutlicheren Folgen gerechnet.

Jürgen Heiß, Schulamtsdirektor in Miesbach

Insgesamt sei die Lage von Schule zu Schule schon unterschiedlich. Mal habe Corona mehr, mal weniger Auswirkungen auf den Einschulungs-Willen. „Das geht in alle Richtungen.“ Das merke man an den Einzelentscheidungen: Manche Eltern seien unsicher gewesen, fragten dezidierter nach, berichteten ihm die Schulleiter.

Korridorkinder sind Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September eines Jahres sechs Jahre alt werden. Bei diesen Kindern dürfen die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind bereits einschulen wollen oder ob sie damit ein Jahr länger warten. „Die Entscheidung liegt bei den Eltern“, betont Heiß. Allerdings gehe diesem Schritt immer eine Beratung zwischen Elternhaus, Schule und Kindergarten voraus. Die Eltern müssten aber zustimmen, bevor entsprechende Daten zwischen den Einrichtungen weitergegeben werden.

Korridor-Regelung gilt trotz Corona - Beratung vermehrt digital

Die Korridor-Regelung gelte trotz Corona unverändert, teilte das Kultusministerium in einem Schreiben explizit mit, so Heiß. Die Beratung, ob ein Kind schulfähig ist oder nicht, müsse derzeit vermehrt digital oder telefonisch stattfinden, ergänzt der Schulamtsdirektor. Jedes Jahr würden etwa 50 Prozent der Eltern den Korridor nutzen – ihre Kinder also ein Jahr später einschulen lassen. Diese Zahl sei auch heuer in etwa so. Die Frist für diese Entscheidung endete in diesem Jahr am 12. April.

Sicher ist: Einen richtigen Einbruch an Schülerzahlen an den Grundschulen gebe es zum neuen Schuljahr nicht, betont Heiß. Ab September 2021 seien es – nach derzeitigem Stand – sogar 40 Erstklässler mehr als im Vorjahr. Insgesamt besuchen dann 903 Abc-Schützen die Grundschulen im Landkreis. Auf alle Klassenstufen gerechnet seien es 100 Kinder mehr, insgesamt zähle man zum neuen Schuljahr 3458 Grundschüler. „Wie jedes Jahr haben wir bereits Ende April mit der Klassenbildung begonnen.“

Kindergärten im Landkreis Miesbach: Wenig Kommunikation von Eltern

Auch die Kindergärten spüren wenig von der Zurückhaltung der Eltern. Die Zahl der genutzten Korridore unterscheide sich nicht stark von den Vorjahren, berichtet Petra Götzenberger, Leiterin der Kinderland GmbH, die neben Weyarn und Holzkirchen noch zehn weitere Kinderbetreuungseinrichtungen in der Region betreibt. Wie immer liege sie bei 50 Prozent. Diese Kinder bleiben dann ein Jahr länger im Kindergarten. „Nur in vereinzelten Fällen hat das mit Corona zu tun“, sagt Götzenberger.

Eltern seien allerdings nicht verpflichtet, einen speziellen Grund für die Rückstellung anzugeben. „Meistens wollen sie ihren Kindern einfach noch mal ein Jahr Zeit geben.“ Laut Ursula Stacheter, einer der beiden Leiterinnen der evangelischen Kindertagesstätte Hollerbusch in Holzkirchen, sei es schwer zu sagen, was die Motivation ist. „Von den Eltern wurde uns gegenüber hierzu wenig kommuniziert.“ Auch wenn es naheliegend wäre, zumal man derzeit nicht wisse, wie angesichts Corona der Einstand in der Grundschule im September werde. Wenn feste Rituale und Stabilität wegfallen, sei das oft schwer für die Kinder. (mar)

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