Schober, Miesbach, Müller am Baum
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Die Produktion geht weiter: Weil das Insolvenzverfahren der Firma Schober in Müller am Baum bei Miesbach in Eigenverwaltung läuft, können alle Aufträge weiter bearbeitet werden.

Schober muss sich neu aufstellen

Corona-Krise: Vapiano-Insolvenz trifft Miesbacher Firma hart

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Corona-Krise hat ein Miesbacher Unternehmen in Schieflage gebracht. Durch die Insolvenz seines Großkundens Vapiano muss sich die Innenausstattungsfirma Schober neu aufstellen.

Müller am Baum – Ein Olivenbaum mitten im Restaurant: Das ist das Markenzeichen der Gastronomiekette Vapiano. Auch bei der Miesbacher Innenausbau-Firma Schober spielen Bäume eine große Rolle. Nicht nur als Rohstoff für die edlen Bodendielen, sondern auch als Symbol für ein in der Region verwurzeltes Unternehmen. Noch etwas verbindet Vapiano und Schober: Mehr als 200 Restaurants weltweit haben die Miesbacher Schreiner in den vergangenen zehn Jahren für Vapiano ausgestattet.

Ausgerechnet diese wichtige Geschäftsbeziehung wurde ihnen nun zum Verhängnis. Weil Vapiano wegen der Corona-Krise zahlungsunfähig geworden ist, muss auch Schober in ein Insolvenzverfahren gehen. Nur fünf Wochen, nachdem Firmengründer und Geschäftsführer Markus Schober im Alter von nur 53 Jahren völlig überraschend gestorben ist.

Das Amtsgericht Wolfratshausen habe dem Antrag der Geschäftsführung entsprochen und die Eigenverwaltung angeordnet, teilt das Unternehmen mit Sitz in Müller am Baum mit. Dies biete Firmen die Möglichkeit, sich bei laufendem Geschäftsbetrieb neu aufzustellen. Anders als im Regelinsolvenzverfahren bleibe die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuere und den Geschäftsbetrieb fortführe. Rechtsanwalt Martin Schoebe aus München werde die Geschäftsführung „als erfahrener Sanierer“ mit Generalvollmacht unterstützen. Der Münchner Rechtsanwalt Thomas Klöckner überwache die Restrukturierung als Vertreter der Gläubiger.

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Produktion soll weiterlaufen

„Für unsere Kunden ändert sich nichts“, betont Christine Schober, Geschäftsführerin der Markus Schober Innenausbau und Bodendielen GmbH mit Sitz in Miesbach und Produktionsstandort in Rammingen im Unterallgäu. Alle Aufträge würden weiter ausgeführt. Betriebsrat und Belegschaft seien über die Situation informiert. Die Löhne und Gehälter der 80 Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis Ende Juni gesichert. Entlassungen sind laut Schoebe derzeit nicht geplant. „Wir sind davon überzeugt, die Sanierung aus eigener Kraft zu schaffen und gestärkt aus der Corona-Krise hervorzugehen“, sagt Schober.

Im Zuge der Restrukturierung will sich der Betrieb auf seine Kernkompetenzen im Bereich Bodendielen und gehobener privater Innenausbau konzentrieren. Die freigewordenen Produktionskapazitäten würden mittelfristig für den Ausbau von Modulen der ebenfalls in Müller am Baum ansässigen Schwestergesellschaft Arbor Modul GmbH benötigt, informiert das Unternehmen. Diese sei von der Eigenverwaltung nicht betroffen.

Der Prozess hin zu modularem Holzbau habe Markus Schober bereits zu Lebzeiten vorangetrieben. Durch den krisenbedingten Wegfall von Vapiano soll der Umbau nun schneller erfolgen, teilt die Firma mit. „Unser Ziel ist, uns verbessert aufzustellen, um so die Grundlage für weitere Projekte mit unserer hoch motivierten Mannschaft zu schaffen“, betont Christine Schober. Dabei solle das Unternehmen mit den bestehenden Gesellschaftern erhalten bleiben.

Auch wenn der Tod von Markus Schober bereits in die Zeit der Corona-Pandemie gefallen ist: Mit dem Virus hatte das Schicksal des Schreinermeisters, der als 18-Jähriger den elterlichen Betrieb übernommen hatte, nichts zu tun, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Es handle sich um eine „tragische Verkettung zweier Umstände“.

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